Amerika-Gipfel eröffnet - von Gewalt überschattet

Aktualisiert

Amerika-Gipfel eröffnet - von Gewalt überschattet

Mit einem Aufruf zur Armutsbekämpfung ist am Freitagabend der vierte Amerika-Gipfel im argentinischen Seebad Mar el Plata eröffnet worden.

An dem Gipfel nehmen Staats- und Regierungschefs aus 34 Staaten teil.

Aus Sicht der Menschen in Lateinamerika gebe es zwei Schlüsselfragen, sagte OAS-Generalsekretär Miguel Insulza bei der Eröffnungsrede: Wird das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre dieses Mal von Dauer sein und wird es endlich den 200 Millionen Armen Lateinamerikas zugute kommen?

Als Voraussetzungen für eine positive Antwort auf die Fragen müsse es Wirtschaftswachstum, Haushaltsdisziplin und offene Märkte geben, sagte der Chilene.

Der neue Präsident der Interamerikanischen Entwicklungsbank, Luis Alberto Moreno, rief dazu auf, den «Teufelskreis» einer wirtschaftlichen Entwicklung zu durchbrechen, die von immer mehr sozialer Ungleichheit gekennzeichnet sei.

Bush trifft Kirchner

Zuvor war US-Präsident George W. Bush, begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen, in Argentinien eingetroffen. Bei einer Unterredung mit Argentiniens Staatschef Néstor Kirchner wurden am Freitag offenbar keine Fortschritte in strittigen Fragen erzielt.

Das Gespräch sei «klar, ernst und nüchtern» gewesen, sagte Kirchner anschliessend bei einem kurzen gemeinsamen Auftritt mit Bush vor Journalisten. Bei dem Treffen kurz vor dem Beginn des IV. Amerika-Gipfels hätten sich beide Seiten «nicht um Nettigkeiten, sondern um die Wahrheit» bemüht, fügte Kirchner hinzu. Keiner der beiden Präsidenten liess Fragen zu.

Besonders umstritten ist die von den USA propagierte panamerikanische Freihandelszone von Alaska bis Feuerland. Hier soll nach Informationen aus Kreisen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vor allem Kirchner bremsen.

Mexikos Präsident Vicente Fox, Unterstützer der Freihandelszone, schlug derweil vor, die Handelszone ohne die Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay sowie das ebenfalls widerstrebende Venezuela in Angriff zu nehmen.

Demonstrationen

Vor dem Gipfeltreffen demonstrierten am Freitag über 10 000 Demonstranten gegen US-Präsident George W. Bush und dessen Pläne für die Freihandelszone.

Auch Venezuelas Präsident Hugo Chavez lehnt das Wirtschaftsmodell der USA und die Freihandelszone FTAA vehement ab. «Ich glaube, wir sind hierher gekommen, um die FTAA zu begraben», sagte Chavez vor Reportern, «ich habe meine Schaufel mitgebracht.»

Ein von Chavez gesponserter Zug mit seinen Anhängern kam am Morgen an. Unter ihnen ist auch die argentinische Fussball-Legende Diego Maradona. Viele Studenten, Bürgerrechtler und Gewerkschafter kamen mit Bussen zu den Demonstrationen, um ihre Ablehnung des US- Wirtschaftsmodells zum Ausdruck zu bringen.

Die USA hatten bereits zuvor erklärt, derzeit gebe es keine Chance, die von ihnen angestrebte Freihandelszone für Nord- und Südamerika auf den Weg zu bringen. Sie hatten sich nicht mit Brasilien, Argentinien und Venezuela auf die Bedingungen für einen solchen Schritt einigen können.

(sda)

Deine Meinung