Clinton vs. Bush: Amerika graut vor einem Duell der Dynastien
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Clinton vs. BushAmerika graut vor einem Duell der Dynastien

Mächtige Familien prägen seit jeher die amerikanische Politik. Das Duell Hillary Clinton gegen Jeb Bush wäre ein neuer Höhepunkt.

von
Martin Suter
New York

Seit dieser Woche lässt sich mit einer interaktiven Karte auf map.correctrecord.org nachlesen, wo überall auf der Welt Hillary Clinton in ihren vier Jahren als US-Aussenministerin hingereist ist. Supporter der früheren First Lady wollen mit solchen Informationen aufzeigen, dass sie den nötigen Leistungsausweis für das höchste Amt im Land erbracht hat.

Braucht Clinton diesen Beweis? In der demokratischen Partei ist ihr Recht auf eine Nomination für die Präsidentschaftswahlen von 2016 praktisch unbestritten. Dank der Rückendeckung ihres Mannes, des populären Ex-Präsidenten Bill Clinton, würde kein namhafter Demokrat ihre noch unerklärte, aber unvermeidliche Kandidatur in Frage zu stellen wagen.

Hillary Clinton: «Es gibt keine Dynastie»

Den Einzug ins Weisse Haus hat Hillary damit aber noch nicht in der Tasche. Laut «New Republic» haben die Amerikaner in der Regel spätestens nach acht Jahren genug von der Regierungspartei: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat nur einmal die Partei eines zweifachen Amtsinhabers ein drittes Mal in Folge das Weisse Haus erobern können.

Problematisch auswirken könnten sich für Hillary auch Vorbehalte gegen eine politische Dynastie der Clintons. Das erkannte die damalige Kandidaten selbst, als sie 2007 in einem Interview klipp und klar sagte: «Es gibt keine Dynastie.»

Doch diese Aussage könnte falscher nicht sein. Obwohl die Verfassung Adelstitel ausdrücklich verbietet, prägen mächtige Familien die US-Politik. Seit der Staatsgründung amtierten zwei Adams, zwei Harrisons, zwei Roosevelts und zwei Bushs im Weissen Haus. In den meisten Gliedstaaten dominieren einzelne Familien über mehrere Generationen hinweg. Sie heissen Bayh in Indiana, Boren in Oklahoma, Brown in Kalifornien, Byrd in Virginia, Carnahan in Missouri, Chafee in Rhode Island, Frelinghuysen in New Jersey, La Follette in Wisconsin und so weiter.

Ein Bush könnte Clintons Rettung sein

Bei den diesjährigen Zwischenwahlen hatten Dynastie-Abkömmlinge allerdings weniger Erfolg. Von fünf Politikerkindern wurde nur eines in den Senat gewählt. Hält dieser Trend an, könnte ihm Hillary Clinton wie schon in den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 Mal zum Opfer fallen. Perverserweise muss sie daher hoffen, dass bei den Republikanern ein Bush kandidiert – dann würde sich laut dem Politologen Larry J. Sabato der Dynastievorwurf neutralisieren.

Prompt scheint der Clan, der schon zwei Präsidenten hervorgebracht hat, erneut antreten zu wollen. Sowohl der Ahnvater George H. W. Bush und sein Ältester George W. spornen den jüngeren Sohn beziehungsweise Bruder Jeb zu einer Kandidatur an. Jeb störe sich an der Idee von «Bush, Clinton, Bush, Obama, Bush», sagte George W. letzte Woche. Er habe den Bruder im Gegenzug gefragt: «Und wie tönt das – Bush, Clinton, Bush, Obama, Clinton?»

Obamas Imagetief könnte Bush helfen

Leicht würde es dem gemässigten Ex-Gouverneur Jeb Bush nicht fallen, sich gegen die anderen möglichen Kandidaten der Republikaner durchzusetzen. Normalbürger hätten genug von den Bushs, sagte ein republikanischer Berater zur «Washington Post». Bis zum Wahltag wird jedoch noch viel geschehen. Die Stärken von Dynastien – Bekanntheit des Namens, wertvolle Beziehungen, Wissen um vergangene Intrigen – könnten am Ende doch den Ausschlag geben.

Und Obama wird womöglich dazu beitragen. Laut Reagans Redenschreiberin Peggy Noonan profitierte er 2008 vom vorherrschenden Überdruss über die Herrscherfamilien. Sieben Jahre später ist die Lage anders. Je nachdem, was bis zu den Wahlen geschieht, könnte die Vertrautheit mit den Dynastien wieder gefragt sein.

Barbara Bush spricht skeptisch über Dynastien:

(Quelle: YouTube/C-SPAN)

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