Aktualisiert 05.09.2006 07:26

Amerikaner erschossen irrtümlich kanadischen Olympioniken

Die Kriegswirren in Afghanistan fordern weitere Tote. US-Soldaten erschossen irrtümlich einen kanadischen Soldaten. Vier Afghanen und ein Brite fielen einem Selbstmordanschlag zum Opfer.

Die Soldaten waren kaum aus dem Schlaf erwacht, als es Bomben hagelte: Nach Angaben der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) ereignete sich der Vorfall in der Provinz Kandahar, nachdem Bodentruppen bei einem Gefecht gegen radikal-islamische Taliban- Milizen Unterstützung aus der Luft angefordert hatten.

Diese habe dann aber die eigenen Soldaten unter Beschuss genommen. Bei dem Vorfall starb ein Angehöriger des kanadischen Militärs. Bei dem getöteten kanadischen Soldaten handelt es sich um Mark Graham, einem ehemaligen Sportler. Graham nahm 1992 an den Olympischen Spielen und war Mitglied der 4x400-Meter-Schwimmer.

Bei einem Einsatz gegen Taliban-Kämpfer in Kandahar waren am Sonntag bereits vier kanadische Soldaten ums Leben gekommen.

Selbstmordanschlag in Kabul

Bei dem Anschlag in Kabul fuhr der Attentäter nach Angaben der Polizei mit einem Allradfahrzeug in den britischen Konvoi und zündete dann die Bombe (siehe Video-Beitrag in der Interaktiv-Box). Drei weitere britische Soldaten seien verletzt worden, sagte ein ISAF-Sprecher.

Einer der Verletzten schwebe in Lebensgefahr. Das Londoner Verteidigungsministerium bestätigte dies. Die afghanische Polizei teilte mit, bei den getöteten Afghanen handle es sich um drei Passanten und einen Geheimdienstmitarbeiter. Sieben weitere Afghanen seien verletzt worden.

Der Anschlagsort ist eine häufig von ausländischen Truppen befahrene Strasse, die bislang die meisten Attentate der Hauptstadt zählte. Mit dem jüngsten Anschlag erhöhte sich die Zahl der seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im November 2001 getöteten britischen Soldaten auf 37.

Erst am Samstag waren 14 Briten beim Absturz eines Erkundungs- Flugzeugs der Royal Airforce unweit von Kandahar getötet worden. Das Verteidigungsministerium schloss am Montag weiterhin einen Abschuss durch die Taliban-Milizen aus.

Grosser Widerstand der Taliban

NATO-Oberkommandant James Jones kündigte eine harte militärische Auseinandersetzung mit den Taliban an. «Die NATO wird weiterhin jede nötige Gewalt einsetzen, um die Aufständischen zu schlagen», heisst es in einer Erklärung des Generals, die vom militärischen Hauptquartier in Mons (Belgien) veröffentlicht wurde.

In den ersten 30 Tagen seit Ausweitung des Einsatzes der von der NATO geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF seien die auf 19 000 Mann verdoppelten Truppen auf «erhebliche Herausforderungen» gestossen, räumte er ein. (sda)

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