Aktualisiert 27.04.2020 16:40

Cerro Gordo

Brent (32) verbringt Pandemie allein in einer Geisterstadt

Social Distancing extrem: Während der Corona-Pandemie lebt Brent Underwood in einer lang verlassenen Minenstadt.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Das Risiko, sich mit Sars-CoV-2 zu infizieren, ist für Brent Underwood gering.
  • Der Amerikaner lebt während der Pandemie in einer verlassenen Geisterstadt.
  • Dies allerdings nicht ganz freiwillig, wie er im Video erzählt.

Zwei Meter – so viel Abstand soll man zur Zeit zwischen sich und anderen lassen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen. Für Brent Underwood (32) aus Austin im US-Bundesstaat Texas ist das kein Problem. Er lebt seit über einem Monat allein in der Geisterstadt Cerro Gordo (Fetter Hügel) in Kalifornien. Die nächste Ortschaft ist rund 40 Meilen entfernt.

An diesem entlegenen Ort befand sich einst die florierendste Silbermine des Bundesstaats. «Im Jahr 1865 gegründet, lebten 1890 knapp 1000 Bergleute hier», sagt Underwood. Die Nachfrage nach Silber aus Cerro Gordo sei so gross gewesen, dass die nächstgelegene Hafenstadt schnell wachsen musste, um dieser nachzukommen. «Das hat Los Angeles zu der Stadt gemacht, die sie heute ist.»

Die erste Lektion, die Brent Underwood in der Geisterstadt lernte, war, dass es in hohen Lagen auch noch im April Schnee haben kann.

Die erste Lektion, die Brent Underwood in der Geisterstadt lernte, war, dass es in hohen Lagen auch noch im April Schnee haben kann.

Brent Unterwood

Wie Underwood per Mail mitteilt, besiegelte die Spanische Grippe das Ende des Bergbaus in Cerro Gordo. «Viele Bergleuten starben hier und in den umliegenden Orten». Jetzt bin ich während dieser Pandemie hier. Ich sitze in den gleichen Gebäuden, gehe auf den gleichen Strassen.» Dass er nun praktisch neben den Gräbern der Verstorbenen haust, stört ihn nicht. Es sei vielmehr eine andere Geschichte, die ihn gruseln lasse.

Welche das ist, erzählt er im obigen Video.

Die Spanische Grippe

An der Spanischn Grippe, die 1918 erstmals auftrat, erkrankten – und starben – mehrere Millionen Menschen. Je nach Quelle waren es zwischen 20 und 40 Millionen Tote. Dabei begann alles relativ harmlos: Laut dem Berliner Historiker Wilfried Witte erkrankten während der ersten Ansteckungswelle im Frühjahr 1918 zwar sehr viele Menschen, aber relativ wenige starben. Im Herbst nahm jedoch eine weitere, tödliche Welle ihren Lauf. Gerade dort, wo Menschen geballt aufeinander trafen, wie in Rekruten- oder Kriegsgefangenenlagern, steckten sich auf einen Schlag zahlreiche Menschen an.

Die Spanische Grippe kam ziemlich sicher nicht aus Spanien. Einer der Gründe, weshalb sie dennoch nach dem Land benannt wurde, ist, dass der damalige spanische König Alfons XIII. an ihr erkrankte. Heute geht man davon aus, dass die Grippe im März 1918 zuerst Schüler und Soldaten in Kansas, USA, krank machte, die dann das Virus an Bord von Truppenschiffen nach Europa gebracht haben.

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