Aktualisiert 28.07.2004 11:44

Amerikanerin schreibt Buch zu Bädertradition

Die amerikanische Architektin Nina Chen dokumentiert im neu erschienenen Buch «Vom Letten bis Rimini» Geschichte und Gegenwart der Zürcher See- und Flussbäder.

Sie verkörperten einen «fortschrittlichen Begriff von Stadtkultur».

Zürich besitzt gemäss Chen eine der vielfältigsten See- und Flussbäderlandschaften Europas. Die zehn Bäder verbinden eine über 100-jährige Bädertradtition mit moderner Lifestyle-Kultur.

Heute sind sie Teil der urbanen Lebensqualität Zürich. Tags dienen sie mitten in der geschäftigen Stadt als Rückzugsoasen, nach Sonnenuntergang werden sie zu attraktiven Treffpunkten für Nachtschwärmer.

Flussbäder aus hygienischen Gründen

Wie auch in anderen europäischen Städten wie London, Paris oder Berlin wurden Ende des 19. Jahrhunderts in Zürich aus hygienischen Gründen öffentliche See- und Flussbäder gebaut. Die Ausstattung von Wohnungen mit Badezimmern war damals zu hoch. Zwischen 1883 und 1896 wurden in Zürich acht neue öffentliche Bäder gebaut.

Der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung konnte verbessert und die Sterblichkeitsrate gesenkt werden. Zürich sei damals anderen Schweizer Städten punkto Hygiene einen Schritt voraus gewesen, erfährt man im Buch der Amerikanerin.

Auch über 100 Jahre nach dem Bäderboom betrachtet Zürich die Bäder als städtische Dienstleistung. Die Stadt subventioniert sie dementsprechend zu 60 bis 70 Prozent.

Als in der Rezession der 90er Jahr die Schliessung einzelner Bäder zur Diskussion stand, gab es starken Widerstand aus der Bevölkerung. Es wurde eine flexible Betriebsführungsstrategie entwickelt.

Wohlbefinden steigern

Die Verlagerung der Zuständigkeit vom Umwelt- und Gesundheits- zum Sportamt widerspiegelte die veränderte Wahrnehmung der Badekultur: Die Bäder sollten nun vor allem zur Steigerung des Wohlbefindens beitragen.

Heute seien die Bäder «einladend, gemütlich und voller Charme» und ihr Besuch gehöre zum festen Bestandteil des sommerlichen Lebens in Zürich, schreibt Chen. Es blühe eine wahre Badekultur, die die Identität Zürichs entscheidend mitbestimme.

Die sommerlichen Badefreuden würden regelrecht zelebriert und und viele Zürcherinnen und Zürcher zögen deshalb in den warmen Monaten Ferien im Süden gar nicht erst in Betracht.

Einzug der Partykultur

Durch die Lockerung des Gastronomiegesetzes Mitte der 90er Jahr wurde die Eröffnung von Restaurants und Bars erleichtert. Das Nachtleben wurde multikultureller und hielt auch in den Bädern Einzug. Nachts gibt es in Bädern neben Bars auch Openair-Kinos, Konzerte, Theater und Tanz.

Alter, Standort und Architektur verleihen den einzelnen Bädern ihr individuelles Gesicht. Charakter, Dienstleistungen und Besonderheiten der Anlagen werden im zweisprachigen Buch (deutsch und englisch) detailliert beschrieben. Die Bilder stammen vom Zürcher Fotografen Peter Tillessen, gestaltet wurde das knapp 100- seitige Buch vom Zürcher Grafiker Thomas Bruggisser. (sda)

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