24.06.2020 02:57

«Durchschaubarer Trick»

Amherd kämpft mit einziger Jetpilotin für Kampfflugzeuge

Diesen Freitag lanciert Viola Amherd ihre Kampagne für die Kampfjet-Abstimmung im September. An ihrer Seite: die junge Kampfjetpilotin Fanny Chollet (29). Ein cleverer Schachzug oder ein «durchschaubarer Trick»?

von
Joel Probst

Darum gehts

  • Fanny Chollet ist die einzige Kampfjetpilotin und lanciert mit VBS-Chefin Viola Amherd den Abstimmungskampf zur Flugzeugbeschaffung.
  • Das Referendumskomitee kritisiert das: «Man braucht die junge Pilotin lediglich als sympathische Werbeträgerin.» Der Gleichstellung helfe das nicht.
  • «Wir sind stolz auf unsere erste Kampfjetpilotin», kontert der Präsident der Offiziersgesellschaft. Das sei doch legitim.

Sie ist jung und die erste Kampfjetpilotin der Schweiz: Die 29-jährige Fanny Chollet, Spitzname Shotty, sitzt normalerweise im Cockpit einer F/A-18-Hornet. Diesen Freitag nimmt sie allerdings neben Verteidigungsministerin Viola Amherd Platz, wenn diese ihren Schlachtplan für die Abstimmung über den Kauf neuer Kampfjets für sechs Milliarden Franken präsentiert. Chollet vertritt damit ihre ansonsten männlichen Arbeitskollegen vor den Medien.

Die Kampfjet-Gegner wittern Kalkül hinter dieser Auswahl: «Die Taktik des Verteidigungsdepartements ist clever», sagt SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf. «Es präsentiert die einzige weibliche Pilotin als Aushängeschild für seine Kampfjet-Kampagne. Das ist ein PR-Stunt, da sie leider alles andere als repräsentativ ist für ihr Team aus ansonsten allesamt männlichen Kampfjetpiloten.»

«VBS will bei Frauen Sympathien für Kampfjets schaffen»

Amherds Absicht ist für Seiler Graf glasklar: «Das Verteidigungsdepartement will so offensichtlich bei Frauen Sympathien für die Kampfjets schaffen.» Ihr passt das nicht: «Leider nützt das in Sachen Gleichstellung nicht besonders viel. Man braucht die junge Pilotin lediglich als sympathische Werbeträgerin.»

Für Seiler Graf ist das «ein alter und durchschaubarer Trick». Sie ist sicher: «Davon lassen sich die Frauen nicht beeinflussen. Sie werden kein Ja zu den Kampfjets einlegen, nur weil mit einem weiblichen Aushängeschild geworben wird. So einfach sind wir nicht gestrickt.»

«Sicht der Piloten darlegen»

Das Verteidigungsdepartement will sich auf Anfrage nicht zur Kritik äussern. Auch ein Gespräch mit Fanny Chollet sei erst am Freitag möglich. Dann werde sie «die Sicht der Piloten auf die Dringlichkeit der Beschaffung darlegen», so Kommunikationschef Renato Kalbermatten.

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Fanny Chollet, Spitzname Shotty, ist die einzige Pilotin einer F/A-18.

Fanny Chollet, Spitzname Shotty, ist die einzige Pilotin einer F/A-18.

KEYSTONE
Sie wird am Freitag zusammen mit Viola Amherd den Abstimmungskampf zur Beschaffung neuer Kampfjets lancieren.

Sie wird am Freitag zusammen mit Viola Amherd den Abstimmungskampf zur Beschaffung neuer Kampfjets lancieren.

KEYSTONE
Nationalrätin Priska Seiler Graf vom Referendumskomitee nennt das einen «durchschaubaren Trick».

Nationalrätin Priska Seiler Graf vom Referendumskomitee nennt das einen «durchschaubaren Trick».

KEYSTONE

Kein Verständnis für Seiler Grafs Kritik hat Stefan Holenstein. «Wir sind stolz auf unsere erste Kampfjetpilotin. Da ist es doch legitim, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir im Militär fähige Frauen haben – auch im Zusammenhang mit der Abstimmung», sagt der Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft und Co-Präsident der Kampfjet-Kampagne.

Pilotin auf Plakat soll nicht Chollet darstellen

Doch Holenstein stellt auch klar: «Unsere Kampagne will vor allem drei Zielgruppen ansprechen, die besonders bearbeitet und überzeugt werden müssen: Junge, Frauen und die urbane Bevölkerung.» Dort wolle das Komitee punkten.

«Es ist aber nicht die Absicht, dass Frau Chollet bei der Kampagne an vorderster Front steht», so Holenstein. Eine Pilotin steht auch auf dem Plakat der Kampfjet-Befürworter im Zentrum. «Die Figur soll aber nicht Frau Chollet darstellen, sie ist ein Symbolbild», so der Präsident der Offiziersgesellschaft.

Linke vs. Armee

Die Kampfjet-Abstimmung

Am 27. September stimmen die Schweizer über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge ab. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee hat gemeinsam mit der SP und den Grünen das Referendum ergriffen. Ihnen sind die Kampfjets zu teuer: «Nach der Corona-Krise können wir uns Hochleistungsjets für sechs Milliarden wirklich nicht leisten», sagt SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf. Anderer Meinung ist Offizier Stefan Holenstein. Für ihn ist klar: «Die Schweiz braucht dringend neue Kampfjets als Ersatz für die veralteten F/A-18, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.» Welche und wie viele Flugzeuge gekauft werden, entscheidet die Armee dabei erst nach der Abstimmung. Damit will der Bundesrat eine Typendiskussion wie bei der verlorenen Gripen-Abstimmung 2014 verhindern.

Kampfjet-Gegner hoffen auf Frauen

Auch die Kritik an den Gleichstellungsbemühungen der Armee lässt Holenstein nicht gelten: «Die Armee nimmt die Frauenförderung ernst. Sie will attraktiver werden für Frauen, dafür gibt es etwa die Arbeitsgruppe Frauen und Sicherheitspolitik.» Er gibt aber zu: «Wir sind mit einem Frauenanteil von nicht einmal einem Prozent noch arg im Rückstand und europaweit Schlusslicht.»

Im Gegensatz zu den Befürwortern fokussieren die Kampfjet-Gegner ihre Kampagne nicht speziell auf Frauen: «Man muss sie nicht mit anderen Argumenten gewinnen als Männer», so Seiler Graf. Aber die letzte Abstimmung habe gezeigt, dass Frauen eine gesunde Skepsis gegenüber hohen Ausgaben für die Armee hätten: «Das ist gut so.»

«Frauen auf die Ja-Seite ziehen»

Mark Balsiger ist Politikberater in Bern.

Mark Balsiger ist Politikberater in Bern.

zvg

Herr Balsiger, ist es aussergewöhnlich, dass eine verhältnismässig unerfahrene Pilotin an die Kampfjet-Pressekonferenz des Bundesrates geschickt wird?

Fanny Chollet hat sich in der Öffentlichkeit als erste F/A-18-Pilotin gut geschlagen. Am Freitag soll sie als Magnet für die Medien wirken. Das VBS will bei dieser Abstimmung von der Strahlkraft der 29-jährigen Pilotin profitieren. Die Medien werden sich auf sie stürzen.

Wieso ziert eine Frau das Plakat?
Vor sechs Jahren bei der Abstimmung über den Kampfjet des Typs Gripen sagten die Frauen deutlich Nein. Vermutlich will man mit diesem Sujet vermehrt Frauen auf die Ja-Seite ziehen.

Was ist die momentane Ausgangslage für die Abstimmung?

Die Lagerbildung ist klassisch für Militärfragen: Die bürgerlichen Parteien sind für die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge, Rot-Grün dagegen. Im Gegensatz zur Gripen-Abstimmung ist die GLP dieses Mal dafür. Der «Papier»-Flieger wurde damals abgeschossen, weil auch viele Bürgerliche die Beschaffung offen ablehnten. Dieses Mal sind die Reihen geschlossen, was ein Ja begünstigt.

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277 Kommentare
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Reseph

24.06.2020, 06:44

Wo liegt das Problem? Alte Flugzeuge werden durch neue ersetzt. Das Geld kommt aus dem Armeebudget. Wenn die Jet nicht beschafft werden, bleibt das Geld im Armeebudget, aber wir haben dann ein Sicherheitsproblem. Der Luftraum kann nicht mehr geschützt werden und die Schweiz wird erpressbar. Die Gegner behaupten, dass Sicherheit nicht alles ist, aber ohne Sicherheit ist alles andere wie Arbeitsplätze, Sozialinstitutionen und unserer Wohlstand gefährdet.

Oomalia

24.06.2020, 06:35

Fanny Chollet gehört klar angepriesen! Jedoch nicht von Bundesrätin Viola Amherd. Sondern vom Rang Hohen Militär Kader! In den Bundesrat wird man bekanntlich gewählt, beim Militär um Aufzusteigen braucht es Leistung & Disziiplin die über‘s gut reden und verkaufen können hinaus gehen! Wenn man Sportler feiern und auszeichnen kann, dann auch solche taffe Militär Frauen wie auch Männer!

DerSpanier

24.06.2020, 06:29

Gleichstellung???? Wo? Seit wann gilt (für Frauen) Militärdienstpflicht? Seit wann zahlen sie "Ersatzgeld"? Wenn Gleichstellung, dann bitte GLEICH-Stellung, ok?