Nordische Ski-WM: Ammann darf, Cologna muss
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Nordische Ski-WMAmmann darf, Cologna muss

Die Schweizer Medaillenhoffnungen an der WM im Val di Fiemme ruhen auf Dario Cologna und Simon Ammann. Der Bündner muss reüssieren, der Toggenburger hingegen steht nicht allzu sehr unter Druck.

Die 49. Weltmeisterschaften der Nordischen, an denen am Donnerstag mit den Langlaufsprints der erste Wettkampf ausgetragen wird und die am Sonntag in fast zwei Wochen mit der Vergabe des 21. Medaillensatzes nach dem 50-km-Lauf der Männer enden, versprechen aus Schweizer Sicht ein erfolgreiches Abschneiden.

Dario Cologna reist als Weltcup-Leader ins Trentino und gilt bei jedem seiner fünf Einsätze als Medaillenkandidat - im Skiathlon (Doppel-Verfolgung), dem Fünfzehner und Fünfziger sogar als Goldanwärter. Auch Simon Ammann hat sich im Verlauf des Winters die Basis für den Exploit erarbeitet. Er flog im Schnitt bei jedem zweiten seiner 18 Einsätze in die Top 10, zweimal stand er dabei auf dem Podest.

Colognas Fokus gilt der WM

Cologna ist an diesen Titelkämpfen praktisch zum Erfolg verdammt, weil er von Weltmeisterschaften bislang stets mit leeren Händen und enttäuscht abreiste. Der Olympiasieger über 15 km will die klaffende Lücke in seinem Palmarès unbedingt schliessen, und zwar mit Gold. Seit Saisonbeginn richtet der 26-Jährige den Fokus auf die WM-Tage im Val di Fiemme. Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Frage stellen sich nicht nur die Beobachter, sondern auch Cologna selbst.

Bereits zum dritten Mal reist der Münstertaler als Weltcupführender zu Weltmeisterschaften. 2009 in Liberec (Tsch) war das fehlende Podium des Jungstars, der sich einen Monat zuvor mit dem ersten seiner mittlerweile drei Siege an der Tour de Ski ins Rampenlicht katapultiert hatte, noch kein Drama. Rang 4 im Sprint, Platz 6 über 15 km, eine falsche Skiwahl im Skiathlon, ein Staffel-Einsatz sowie der Verzicht auf den Fünfziger mit Blick auf den Endkampf im Gesamtweltcup bildeten die Bilanz.

Auch in Oslo klappte es nicht

Oslo 2011 stand unter einem schlechten Stern. Obwohl er in Liberec Blut geleckt hatte und inzwischen Olympiasieger geworden war, langten andere zu. Cologna war nach der Tour de Ski erkrankt und kam nicht punktgenau in Form. Zudem hatte er bei kniffligen Schneeverhältnissen fast durchwegs schlechtes Material an den Füssen.

Für 2013 könnten die Vorzeichen kaum besser sein. Nach Rang 2 in der Tour de Ski folgten nur noch Podestplätze und ein weiterer Leistungsschub: Dritter in La Clusaz, Zweiter und Erster bei der Olympia-Hauptprobe in Sotschi sowie ein erfolgreiches Wochenende in Davos. Cologna wird die Jagd auf seine erste WM-Medaille im Skiathlon vom Samstag eröffnen. Mit dem Teamsprint (voraussichtlich zusammen mit Curdin Perl), dem 15-km-Skatingrennen, der Staffel und dem abschliessenden 50-km-Massenstartrennen in der klassischen Technik dürften vier weitere Einsätze folgen.

Rolle als Spielverderber

Während auf Dario Cologna ein grosser Druck lastet, darf Simon Ammann einmal mehr auf die Rolle des Spielverderbers für die grossen Skisprung-Nationen hoffen. Diese Ausgangslage behagt dem 31-Jährigen. Er bewies zu Genüge, dass er für einen Grossanlass geschaffen ist. Als vierfacher Olympiasieger und vierfacher WM-Medaillengewinner - Gold und Silber in Sapporo 2007 sowie je einmal Bronze in Liberec 2009 und Oslo 2011 - lässt es sich unbeschwert auftreten. Wenn andere nervös werden, legt Ammann oft noch einen Zacken zu. Zudem winkt ihm häufig das Wettkampfglück. Sein WM-Gold gewann er mit bloss 0,2 Zählern Vorsprung auf den Finnen Harri Olli, und in Liberec profitierte er von einem Sturz des Österreichers Thomas Morgenstern.

Ammann würde beim fünften Grossanlass in Serie eine Medaille gewinnen, dieses Ziel setzt er sich auch. Seine Form ist aufsteigend, die nötige Lockerheit holte er sich im privaten Umfeld. Das Skiflug-Wochenende in Oberstdorf liess er sausen. Für seine Coolness spricht, dass er seinen Anreisetermin ins Trentino vom Wetter abhängig macht. Er will einen Teil der Strecke als Privatpilot zurücklegen.

Das Aufgebot von Swiss-Ski für die nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Val di Fiemme (20. Februar bis 3. März). Langlauf. Männer: Jonas Baumann (Jahrgang 1990, Davos), Dario Cologna (1986, Davos), Gianluca Cologna (1990, Davos), Remo Fischer (1981, Magglingen), Jovian Hediger (1990, Bex), Jöri Kindschi (1986, Davos), Valerio Leccardi (1984, Davos), Toni Livers (1983, Davos), Curdin Perl (1984, Pontresina), Ueli Schnider (1990, Flühli), Eligius Tambornino (1986, Trun).

Frauen: Selina Gasparin (1984, S-chanf), Bettina Gruber (1985, Chur), Laurien van der Graaff (1987, Davos).

Bemerkung: Kindschi und Tambornino figurieren als Ersatzläufer für den Teamsprint im Aufgebot.

Skispringen. Männer: Simon Ammann (1981, Schindellegi), Gregor Deschwanden (1991, Horw), Marco Grigoli (1991, St. Moritz), Pascal Kälin (1993, Einsiedeln), Killian Peier (1995, La Sarraz).

Frauen: Bigna Windmüller (1991, Sargans).

Bemerkung: Grigoli, Kälin und Peier kämpfen im Training um die restlichen beiden Startplätze für das Springen von der Grossschanze.

Nordische Kombination: Tim Hug (1987, Gerlafingen), Seppi Hurschler (1983, Einsiedeln). - Bemerkung: Hurschler bestreitet nur die Wettkämpfe von der Grossschanze (Einzel und Teamsprint).

Das Programm der nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Val di Fiemme (It):

Donnerstag, 21. Februar. 10.45 Uhr: Langlauf, Qualifikation Sprint Männer und Frauen (klassische Technik). - 12.45 Uhr: Langlauf, Finals Sprint Männer und Frauen (klassische Technik). - 15.30 Uhr: Skispringen, Qualifikation Frauen.

Freitag, 22. Februar. 10.00 Uhr: Nordische Kombination, Springen Normalschanze. - 15.00 Uhr: Nordische Kombination, 10-km-Langlauf. - 16.00 Uhr: Skispringen, Entscheidung Frauen. - 18.30 Uhr: Skispringen, Qualifikation Normalschanze.

Samstag, 23. Februar. 12.45 Uhr: Langlauf, Skiathlon (Doppelverfolgung) Frauen (2x7,5 km). - 14.15 Uhr: Langlauf, Skiathlon (Doppelverfolgung) Männer (2x15 km). - 17.00 Uhr: Skispringen, Entscheidung Normalschanze.

Sonntag, 24. Februar. 10.00 Uhr: Langlauf, Qualifikation Teamsprint Männer und Frauen (freie Technik). - 10.00 Uhr: Nordische Kombination, Team, Springen Normalschanze. - 12.00 Uhr: Langlauf, Finals Teamsprint Männer und Frauen (freie Technik). - 15.00 Uhr: Nordische Kombination, Team, 4x5-km-Langlauf. - 17.00 Uhr: Skispringen, Mixed-Team-Wettkampf, Normalschanze.

Dienstag, 26. Februar. 12.45 Uhr: Langlauf, 10 km Frauen (freie Technik).

Mittwoch, 27. Februar. 12.45 Uhr: Langlauf, 15 km Männer (freie Technik). - 17.00 Uhr: Skispringen, Qualifikation Grossschanze.

Donnerstag, 28. Februar. 10.00 Uhr: Nordische Kombination, Springen Grossschanze. - 12.45 Uhr: Langlauf, Staffel Frauen (4x5 km). - 15.30 Uhr: Nordische Kombination, 10-km-Langlauf. - 17.00 Uhr: Skispringen, Entscheidung Grossschanze.

Freitag, 1. März. 13.30 Uhr: Langlauf, Staffel Männer (4x10 km).

Samstag, 2. März. 10.00 Uhr: Nordische Kombination, Teamsprint, Springen Grossschanze. - 12.15 Uhr: Langlauf, 30 km Frauen (klassische Technik/Massenstart). - 15.00 Uhr: Nordische Kombination, Teamsprint, 2x7,5-km-Langlauf. - 16.30 Uhr: Skispringen, Team, Grossschanze.

Sonntag, 3. März. 12.30 Uhr: Langlauf, 50 km Männer (klassische Technik/Massenstart). (si)

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