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Amnesty fordert Taser-Verbot

Die Menschenrechts- Organisation Amnesty International (AI) hat einen Einsatzstopp für die auch in der Schweiz verwendeten Elektroschockpistolen gefordert.

Mehr als 70 Menschen seien in den USA und in Kanada seit 2001 beim Einsatz von Taser-Pistolen ums Leben gekommen, schreibt AI in zwei am Dienstag veröffentlichten Berichten.

Mit ihrer Handlichkeit und der leichten Anwendbarkeit sowie mit der Möglichkeit, äusserst starke Schmerzen per Knopfdruck zu verursachen, ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen, seien Elektroschockwaffen geradezu für den Missbrauch prädestiniert, schreibt AI. Taser würden durch Polizeibeamte eingesetzt gegen widerspenstige Jugendliche, gegen unbewaffnete geistig verwirrte oder betrunkene Menschen, gegen fliehende Kleinkriminelle und auch gegen Personen, die sich mit Polizisten stritten. Obwohl die Taser-Elektroschockpistole weit verbreitet sei gebe es bis heute keine umfassende und unabhängige Untersuchung über den Gebrauch und die Auswirkungen von Tasern.

Zahlreiche Experten gingen davon aus, dass Taser-Elektroschocks das Risiko eines Herzversagens bei Menschen vergrösserten, die unter Medikamenten- oder Drogeneinfluss stünden oder die an chronischen Gesundheitsproblemen wie Herzbeschwerden litten. Amnesty fordert deshalb von den USA und Kanada einen Einsatzstopp für Elektroschockwaffen, bis eine umfassende Untersuchung über deren Auswirkungen vorliegt.

Zu den Ländern, die den Taser gegenwärtig testen oder einsetzen gehören neben den USA und Kanada auch die Schweiz, Deutschland, Argentinien, Australien, Frankreich, Grossbritannien, Israel, Malaysia, Mexiko, Spanien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Schweizerische Polizeitechnische Kommission hatte im Juli 2003 den Polizeikorps die Anschaffung der neuartigen Waffe empfohlen. Die Schweiz sei gemäss der offiziellen Webseite der US-Firma Taser das erste europäische Land gewesen, das Taser-Waffen offiziell zugelassen habe. Verschiedene Polizeikorps hätten den Taser inzwischen zu Testzwecken oder für den Einsatz angeschafft. Tests seien in Genf, Bern und Zürich durchgeführt worden. Basel-Land, Schwyz und das Fürstentum Liechtenstein hätten die Elektroschockwaffe für den Einsatz angeschafft, ebenso die Polizeikorps der Städte Zürich und Dübendorf. Der Kanton Wallis, der den Taser ebenfalls beschafft hatte, habe inzwischen wegen mangelnden Bedarfs darauf verzichtet. Der Kanton Neuenburg und die Stadt Bern hätten die Beschaffung explizit abgelehnt.

Der Taser «X 26» ist eine Elektroschockpistole. Damit lassen sich zwei Pfeile abschiessen, die durch die Kleider in die Haut des Opfers eindringen: Durch dünne Drähte mit einer Reichweite von sechs Metern bleiben diese Elektroden mit dem Gerät verbunden. Ein heftiger Stromschlag von 50.000 Volt und 16 Milliampere setzt das Nervensystem der getroffenen Person für einige Sekunden ausser Funktion. Sie wird bewusstlos und bricht zusammen. (dapd)

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