Angst vor dem ÖV: Amok-Lenker von Thalwil muss in Therapie
Aktualisiert

Angst vor dem ÖVAmok-Lenker von Thalwil muss in Therapie

Aus Furcht vor öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein IV-Rentner aus dem Kanton Schwyz immer wieder illegal mit einem Auto herumgefahren. 28 Monate Knast lautet nun die Quittung.

von
Attila Szenogrady

So ein Tatmotiv gab es bisher noch nie: Ein heute 40-jähriger IV-Rentner aus dem Kanton Schwyz meidet schon seit Jahren infolge von Panikattacken sämtliche öffentliche Verkehrsmittel. Der massiv übergewichtige Innerschweizer weigert sich beharrlich, Züge oder Busse zu besteigen. Stattdessen fährt der gelegentliche Drogenkonsument immer wieder mit einem Personenwagen herum. Völlig illegal, da ihm das Strassenverkehrsamt des Kantons Schwyz bereits im Februar 2010 den Führerausweis für unbestimmte Zeit entzogen hatte.

Horrorfahrt nach Thalwil

Bedenklich war dabei, dass der psychisch labile Beschuldigte auf seinen unheimlichen Fahrten von seinem Schwyzer Wohnort in den Kanton Zürich diverse grobe Verkehrsdelikte verübte. Auch am 27. Oktober 2010, als er auf der Autobahn zwischen Horgen und Thalwil für eine wahre Horrorfahrt sorgte (20 Minuten berichtete).

So raste er am frühen Nachmittag mit einem Audi mit über 150 km/h über die Autobahn und überholte dabei mehrere Fahrzeuge von rechts. In einem Fall so riskant nahe, dass er einem anderen Auto einen Aussenspiegel abriss. Dann bedrängte er einen anderen Wagen massiv und schlitterte mit rund 160 km/h in die Ausfahrt bei Thalwil, wo er in der Rechtskurve die Herrschaft über das Lenkrad verlor, durch das Wiesland fuhr und im Wald landete. Wie durch ein Wunder kam er mit dem Leben davon.

Immer wieder mit dem Auto unterwegs

Trotz des schweren Unfalls war der ehemalige Automonteur in der Folge immer wieder mit einem Fahrzeug unterwegs. Auch am 9. August 2011, als er in Richterswil mit einem entwendeten Kontrollschild in eine Polizeikontrolle geriet. «Ich wollte schon immer ein Polizist werden», begründete er die Tatsache, dass er im Kofferraum eine illegale Waffensammlung deponiert hatte.

In den nächsten Monaten wurde er erneut wiederholt am Lenkrad erwischt: in Schönenberg, Schindellegi und Willerzell SZ. Sei es unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.

«Mein Mandant war vom Wunsch getrieben, ein normaler Verkehrsteilnehmer und damit ein Teil der Gesellschaft zu sein», plädierte Verteidiger Bernhard Korolnik am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich, wo die Anklage wegen diverser grober Verkehrs- und Waffendelikte nicht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten, sondern auch eine ambulante Psychotherapie für den Einzelgänger forderte. Anwalt Korolnik entgegnete, dass gerade die Horrorfahrt von Thalwil ein Selbstmordversuch des depressiv veranlagten Beschuldigten gewesen sei.

Therapie als letzte Chance

Der Antrag des Verteidigers auf eine milde Strafe von zwölf Monaten hatte aber keine Chance. Das Gericht setzte vielmehr 28 Monate fest. Wobei es den Strafvollzug zugunsten einer bereits angelaufenen ambulanten Psychotherapie aufschob. Im Sinne einer letzten Chance, wie die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger unmissverständlich zum Schluss festhielt: «Es war kein Kavaliersdelikt, das Sie angerichtet haben», sagte sie.

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