Geschworenengericht Zürich: Amokfahrer muss sieben Jahre ins Gefängnis
Aktualisiert

Geschworenengericht ZürichAmokfahrer muss sieben Jahre ins Gefängnis

Der Amokfahrer, der am 1. Mai 2008 in Zürich mit seinem Auto in eine Menschenmasse gefahren ist, wurde wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Die Horrorfahrt des Angeklagten vom 1. Mai 2008 war laut Gerichtspräsident Pierre Martin grundsätzlich nicht bestritten. So war der Angeklagte mit seinem weissen Personenwagen der Marke BMW an der Dienerstrasse in eine Menschengruppe hineingefahren. Dabei überfuhr er drei Passanten. Einen der Geschädigten schleifte er über 78 Meter weit mit und verletzt diesen lebensgefährlich.

Laut Geschworenengericht hatte der Angeklagte mit seiner Fahrweise den Tod von Passanten in Kauf genommen. Als Hauptbeweis präsentierte Martin den Videofilm über die Fahrt. Darauf sei ein praktisch kontinuierlich beschleunigendes Fahrzeug zu sehen, führt er aus. Zudem habe ein Gutachten der Polizei ein Anhalten ausgeschlossen.

Geschworene wählten Mittelweg

Der heute 32-jährige Angeklagte nahm das Urteil der Geschworenen regungslos entgegen. Er wurde wegen mehrfach versuchter vorsätzlicher Tötung, Gefährdung des Lebens und weiteren Nebendelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Damit hatten die Geschworenen genau den Mittelweg eingeschlagen. So hatte der Staatsanwalt Ulrich Weder eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Im Gegensatz zu Verteidiger Andreas Josephsohn, der wegen Körperverletzung eine teilbedingte Sanktion von 27 Monaten verlangte hatte. Sieben Monate davon unbedingt. Wobei er diesen Teil schon in der Untersuchungshaft abgesessen hatte.

Viele Widersprüche

Präsident Martin lastete dem Angeklagten zusätzlich viele Widersprüche an. Zum Beispiel habe dieser erst vor Gericht einen Filmriss für die Tatzeit geltend gemacht. Bei den ersten Einvernahmen habe er dagegen noch zahlreiche Details zu Protokoll gegeben.

Die Geschworenen gestanden dem Lenker eine gewisse Panik zu. Jedoch keine Panik, bei welchem er die rationale Ueberlegenheit verloren hätte, erklärte Martin. Der Angeklagte sei sich durchaus bewusst gewesen, dass er den Leuten tödliche Verletzungen zufügen könnte.

Ein spontaner Fehlentscheid

Das Gericht sah einen mehrfachen Tötungsversuch als gegeben an. Dennoch kam es zu einer deutlichen Strafsenkung. So habe der Beschuldigte nicht geplant, sondern im Rahmen eines spontanen Fehlentscheides gehandelt. Zudem habe er sich in einer Angstsituation befunden, sagte Martin. Die Geschworenen setzten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren fest. 216 Tage davon hat der Täter bereits verbüsst. Eine Sanktion, die weder zu milde noch zu hart erschien. Von einem Fahrverbot sahen die Geschworenen ab. Hingegen wurde der Angeklagte verpflichtet, dem Hauptopfer neben einem noch zu bestimmenden Schadenersatz ein Schmerzensgeld von 75 000 Franken zu entrichten. Einem zweiten Geschädigten wurde eine Genugtuung von 8000 Franken zugesprochen.

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