Anti-Amok-Software: «Amokläufe breiten sich wie Viren aus»
Aktualisiert

Anti-Amok-Software«Amokläufe breiten sich wie Viren aus»

Der deutsche Professor Jens Hoffmann hat die Anti-Amok-Software geschaffen, die die Stadt Zürich einführt. Gestern stellte er sie bei der Stadtpolizei vor.

von
David Torcasso

Zürich führt schweizweit als erste Stadt eine neue Anti-Amok-Software ein (20 Minuten berichtete). Entwickelt wurde die Software Dyrias von Professor Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt. «Beschäftigt sich die Person über das normale Mass hinaus mit gewalttätigen Filmen?» und andere Fragen zum Verhalten von Schülern sollen Amokschützen früh­zeitig erkennbar machen. «Bei allen Amoktätern gab es vorher eindeutige Hinweise, dass sie zuschlagen», erklärte Hoffmann gestern bei einer Orientierung der Stapo Zürich. ­Zudem würden alle Täter, ob in Columbine oder in Win­nenden, identische Persönlichkeitsmuster aufweisen.

Roland Zurkirchen von der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich ist besorgt: «Ein Amoklauf ist keine Frage der Wahrscheinlichkeit, sondern der Zeit», sagt er. Lehrer sollen künftig bei Verdacht ­eine Telefonnummer anrufen können, dann treffe sich eine 25-köpfige Expertengruppe und beurteile – auch mit Hilfe von Dyrias – das Gefahren­potenzial des Schülers. Diese Massnahme sei «absolut ­notwendig», sagt Hoffmann. «Wenn es in einem Land erst einmal einen Amoklauf gegeben hat, ist die Ansteckungsgefahr auf Nachahmungstäter sehr gross.» Amokläufe würden sich dann wie ein Virus verbreiten.

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