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Brief an fiktive FreundinAmokläufer erklärt sich auf 80 Seiten

Der Amokläufer aus Ansbach hat den Anschlag auf sein Gymnasium mit Hass auf die Menschheit und die Institution Schule begründet. Das geht aus einem rund 80 Seiten langen Schreiben hervor, das auf dem Computer des 18-Jährigen gefunden wurde.

Der angehende Abiturient habe sich ungerecht behandelt und ausgegrenzt gefühlt. Auch habe er in einem Schreiben Ängste geäussert, schwer krank zu sein und das Abitur nicht zu schaffen. Diese Ängste seien aus bisheriger Sicht allerdings unbegründet gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger am Montag in Ansbach.

Ermittler stellten auf dem Computer des Täters ein rund 80 Seiten langes Schreiben sicher, das der 18-Jährige seit April bis zum Tag vor dem Amoklauf an eine wohl fiktive Frau richtete. Darin habe er auch einen zurückliegenden Vorfall aus der sechsten Klasse erwähnt, sagte Lehnberger. Damals sei er in einem Bus verprügelt worden, ohne dass ihm jemand geholfen habe.

Er wollte eine feste Freundin

Ausserdem äusserte der angehende Abiturient auch den Wunsch nach einer festen Freundin. Seine Eltern habe er für seine Amok-Pläne aber laut dem Schreiben ausdrücklich nicht verantwortlich gemacht, sagte Lehnberger.

Vier Tage nach dem Amoklauf an einem Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach ist der schwer verletzte Täter aus dem künstlichen Koma erwacht. Da der 18-Jährige zu den wenigen überlebenden Amokläufern überhaupt gehört, erhoffen sich die Ermittler nun von seiner Befragung Aufschluss über seine Beweggründe.

Der Amokläufer sei ansprechbar, aber bisher noch nicht vernommen worden, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger der AP am Montag. Sollte sich der Gesundheitszustand des 18-Jährigen nicht wieder verschlechtern, werde noch im Laufe des Tages der Haftbefehl wegen zehnfachen versuchten Mordes gegen ihn eröffnet.

Von einem Polizisten niedergeschossen

In Ansbach hatte der 18-jährige Täter am Donnerstag mit fünf Brandsätzen, vier Messern und einer Axt bewaffnet einen Anschlag auf seine Schule verübt. Dabei wurden neun Schüler und ein Lehrer verletzt. Zwei 15-jährige Mädchen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Der Täter selbst wurde von einem Polizisten niedergeschossen und schwer verletzt. Mit einem ökumenischen Gottesdienst gedachten rund 1000 Menschen am Sonntagabend in der evangelischen Johanniskirche den Verletzten und ihren Angehörigen.

Eine der beiden lebensgefährlich verletzten Schülerinnen aus der zehnten Klasse erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma durch einen Schlag mit der Axt auf den Kopf, ihre Mitschülerin schwere Brandwunden. Beide Mädchen sind seit Freitag ausser Lebensgefahr und weiter auf dem Weg der Besserung, wie es aus gut informierten Kreisen hiess. Die Schülerin mit den Brandverletzungen könne wohl bereits in der kommenden Woche aus der Klinik entlassen werden.

Schüler möchten wieder Unterricht haben

Unterdessen versuchen die rund 700 Schüler des Gymnasiums Carolinum, zur Normalität zurückzufinden, wie Schuldirektor Franz Stark der AP sagte. Am Morgen hätten sich etwa 400 Gymnasiasten zu einer Besprechung in der Sporthalle eingefunden und den Wunsch geäussert, wieder Unterricht zu haben. Bei Bedarf stehe aber weiterhin ein Team zur psychologischen Betreuung zur Verfügung. «Wir wollen sie langsam wieder an die Normalität gewöhnen», sagte Stark.

Auch die Schüler der Klassen 9c und 10b, in deren Klassenräume der 18-Jährige je zwei Brandsätze geworfen hatte, hätten sich für eine Wiederaufnahme des Unterrichts ausgesprochen. Ihnen würden Ausweichräume zur Verfügung gestellt, da die Tatorte im dritten Stock des Schulgebäudes weiterhin nicht zugänglich seien.

Amokläufer war bisher nicht gewalttätig

Der Täter soll in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sein, war bisher aber nicht durch gewalttätiges Auftreten aufgefallen. Den Amoklauf hatte der angehende Abiturient als «Apocalypse Today» in seinen Kalender für den 17. September eingetragen. Ausserdem hatte er ein Testament verfasst und auf den Jahrestag des Terroranschlags von New York, 9/11, datiert.

Bei zurückliegenden Amokläufen an Schulen in Deutschland, den USA und Finnland waren die Täter meist von der Polizei getötet worden oder hatten sich selbst umgebracht. (dapd)

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