Zwei Verletzte in Basel: Ampel war seit 4 Sekunden rot, er rammte mit 92 km/h ein Taxi
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Zwei Verletzte in BaselAmpel war seit 4 Sekunden rot, er rammte mit 92 km/h ein Taxi

Der Taxifahrer und sein Fahrgast erlitten bei dem Unfall Verletzungen, das Auto wurde zerstört. Das Strafgericht hatte in erster Instanz auf einen Landesverweis für den Unfallverursacher verzichtet, das Appellationsgericht sah das anders.

von
Steve Last
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Das Taxi wurde seitlich getroffen und mehrere Meter von der Fahrbahn geschoben. Die beiden Insassen wurden verletzt, einer davon schwer.

Das Taxi wurde seitlich getroffen und mehrere Meter von der Fahrbahn geschoben. Die beiden Insassen wurden verletzt, einer davon schwer.

Polizei BS
Der Unfallfahrer, der das Taxi in einem Leihauto abgeschossen hatte, floh von der Unfallstelle an der Kreuzung Schützenmattstrasse und Austrasse. Später wurde er verhaftet, er war betrunken.

Der Unfallfahrer, der das Taxi in einem Leihauto abgeschossen hatte, floh von der Unfallstelle an der Kreuzung Schützenmattstrasse und Austrasse. Später wurde er verhaftet, er war betrunken.

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Das Strafgericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe, auf einen Landesverweis wurde verzichtet.

Das Strafgericht verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe, auf einen Landesverweis wurde verzichtet.

20min/Steve Last

Darum gehts

  • Ein schwerer Verkehrsunfall mit zwei Verletzten beschäftigt seit Jahren die Basler Justiz.

  • Ein Taxi mit zwei Insassen war in der Nacht auf den 22. Oktober 2018 von einem betrunkenen Autofahrer abgeschossen worden.

  • Im Gegensatz zum Strafgericht hat das Appellationsgericht in zweiter Instanz einen Landesverweis gegen den Unfallfahrer ausgesprochen.

Weil er am 22. Oktober 2018 schwer betrunken ein Taxi auf einer Kreuzung abschoss und zwei Menschen verletzte, einen davon schwer, muss der Unfallfahrer für fünf Jahre die Schweiz verlassen. Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt befand ihn in zweiter Instanz der schweren Körperverletzung für schuldig, was einen obligatorischen Landesverweis nach sich zieht. Dies geht aus einem kürzlich publizierten Urteil hervor.

Der Mann war gegen 1.30 Uhr in einem Leihauto in der Schützenmattstrasse unterwegs, zeitweise mit 92 Kilometern pro Stunde in der 50er-Zone, als er auf der Kreuzung mit der Austrasse das Rotlicht überfuhr und mit dem Taxi kollidierte. Danach floh er von der Unfallstelle. Später vermeldete die Polizei, einen damals 35-jährigen Verdächtigen mit einer frischen Verletzung am Arm und 1,32 Promille Alkohol im Blut festgenommen zu haben.

Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Tötung?

Erstmals ans Gericht gelangte der Fall am 24. April 2020. Die Staatsanwaltschaft hatte unter anderem Anklage wegen versuchter vorsätzlicher Tötung erhoben (Eventualvorsatz, also die Tötung in Kauf genommen). Das Strafgericht sah aber nur fahrlässige Körperverletzung erfüllt und sprach eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten aus, wovon 18 Monate unbedingt zu vollziehen seien.

Verteidigung und Anklage fochten das Urteil beim Appellationsgericht an, das am 9. Juni 2021 darüber entschied. Die Staatsanwaltschaft hielt an ihrer Forderung nach einer Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und einer unbedingten Freiheitsstrafe fest. Der Beschuldigte wollte hingegen, dass sein Strafmass auf 24 Monate bedingt reduziert wird.

Risiko «geradezu herausgefordert»

«Nicht nur hat er bei einer Kreuzung das Rotlicht missachtet, sondern er führte sein Fahrzeug innerorts, stark alkoholisiert und mit massiv übersetzter Geschwindigkeit», führt das Appellationsgericht im Urteil aus. Gröbere Verletzungen der Sorgfaltspflicht seien «kaum denkbar». Die Ampel sei seit vier Sekunden rot gewesen, als der Beschuldigte auf die Kreuzung fuhr. Er habe das Risiko für einen schweren Verkehrsunfall «geradezu herausgefordert».

Aufgrund der Verkehrssituation habe er aber «gerade noch darauf vertrauen» können, dass es nicht zu einem tödlichen Unfall kommt. Darum sprach das Appellationsgericht einen Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung und eventualvorsätzlicher versuchter schwerer Körperverletzung.

Das Strafmass von 36 Monaten Gefängnis, 18 davon unbedingt, wurde bestätigt. Hinzu kam allerdings der obligatorische Landesverweis von fünf Jahren wegen der Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung. Unbestritten waren Verurteilungen aus der Vorinstanz wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, versuchter Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrfähigkeit und pflichtwidrigen Verhaltens bei einem Unfall. Er trägt die Verfahrens- und Urteilskosten.

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