Amsel besetzt in Egnach Velokörbchen und baut darin ihr Nest.
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Egnach TGAmsel besetzt Velokörbchen und baut darin ihr Nest

Diese Amselmutter hat den perfekten Platz für ihr Nest gefunden. Das Velokörbchen des E-Bikes von Karin Baumgartner wird somit zur Brutstätte der Amsel.

von
Shila Ochsner
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Eine Amselmutter hat ihr Nest im Velokörbchen gebaut.

Eine Amselmutter hat ihr Nest im Velokörbchen gebaut.

20min/Karin Baumgartner
Der ausgesuchte Veloschuppen bietet der Amselmutter Schutz vor dem Wetter, Katzen und anderen Schaulustigen. 

Der ausgesuchte Veloschuppen bietet der Amselmutter Schutz vor dem Wetter, Katzen und anderen Schaulustigen.

20min/Karin Baumgartner
Fünf Eier legte die Amsel in das sorgfältig gebaute Nest. 

Fünf Eier legte die Amsel in das sorgfältig gebaute Nest.

20min/Karin Baumgartner

Darum gehts

  • Eine Amselmutter baut ihr Nest in einem Velokörbchen.

  • Im Veloschuppen von Karin Baumgartner und ihrem Freund hat die Vogelmutter fünf Eier gelegt und ausgebrütet.

  • Die Kleinen sind wohl geschlüpft und bereits ausgeflogen, kommen aber manchmal zurück.

  • Ein solches Nest im Velokörbchen ist nichts neues. Bei einem Fund sollte man das Nest jedoch in Ruhe lassen.

Auf dem Zeltplatz in Egnach TG verbringen Karin Baumgartner (55) und ihr Freund gerne ihre freien Stunden. So wollte der Freund an einem Tag anfangs Juni eine spontane Radtour machen, musste diese jedoch schnell wieder abbrechen, weil das Velo bereits besetzt war. «Ich verstand zuerst gar nicht was er meinte, bis er es mir dann gezeigt hat», sagt Baumgartner. Eine Amselmutter hatte in ihrer Abwesenheit den kleinen Veloschuppen zu ihrem Revier gemacht. Im Velokörbchen vom E-Bike baute diese ein Nest und brütete dort fünf Eier aus.

Das E-Bike wird häufiger benutzt, weshalb dieses Plätzchen ungünstig war. «Wir haben das Nest mit Handschuhen ganz vorsichtig in ein anderes Velokörbchen auf einem zweiten Velo umgesiedelt. Die Mutter war schon zehn Minuten später wieder bei ihren Eiern», erzählt die 55-Jährige. Der Helm, der noch im Körbchen lag musste mit gezügelt werden, denn die Amsel hat ihr Nest fest damit verbunden.

Die Jungvögel bleiben in der Nähe

«Wir besuchten die Dame regelmässig und überprüften, ob es ihr gut ging. Eines Tages sass sie dann auf dem Rand des Nestes und ich wusste, dass es bald so weit sein würde», sagt die Velobesitzerin. Bereits einen Tag später schlüpften die Kleinen. «Es war sehr süss, wie Mutter und Vater Amsel wie verrückt Würmer für die hungrigen Küken suchten», erzählt sie.

Innert neun Tagen waren die Kleinen flugfähig und flogen danach aus. «Die Jungen sind aber noch in der Umgebung und kommen uns auch besuchen. Ich denke sie kennen uns auch und sind darum zutraulicher. Sie klauen sogar Essen vom Tisch draussen», erzählt die 55-Jährige. Baumgartner hat das Nest in Sicherheit gebracht. Was sie damit macht, weiss sie aber noch nicht: «Ich fand es schade, dieses Kunstwerk wegzuwerfen. Allerdings konnte ich den verschmutzen Helm nicht mehr brauchen und habe ihn entsorgt.»

Ein Brutplatz-Klassiker

Ein solcher Nistplatz ist nicht unüblich bei Amseln. «Es kommt immer wieder vor, das Amseln in Menschennähe einen Brutplatz finden», sagt Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach. Das Velokörbchen gehöre da auch ab und zu dazu. «Auch bei Blau- und Kohlmeisen ist es nicht ungewöhnlich, Nester zum Beispiel in Briefkästen oder sogar Aschenbecher zu finden», so Rey.

Die Nester sollten so gut wie möglich in Ruhe gelassen werden. Wenn ein Nest entfernt oder verlegt werden soll, müsse zuerst eine Bewilligung beim Kanton eingeholt werden. Die Vögel dürfen während ihrer Brutzeit nicht gestört werden. «Es ist wichtig, dass die Vogeleltern das Nest wieder finden», sagt Rey.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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