Amstettener Inzest: Kellerloch mit Gummizelle
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Amstettener Inzest: Kellerloch mit Gummizelle

Im grauenhaften Amstettener Inzest-Fall hat die Polizei die intensive Spurensuche aufgenommen. Im Verlies, wo ein Mann seine Tochter während 24 Jahren eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben soll, fand die Polizei neben TV und Kochnische auch eine ominöse Gummizelle.

Bei der Spurensicherung könnten wegen der engen räumlichen Verhältnisse nicht allzu viele Beamte eingesetzt werden, zitierte die österreichische Nachrichtenagentur APA die Polizei.

Keiner der schmalen Kellerräume sei höher als 1,70 Meter. In den hermetisch von der Aussenwelt abgeschotteten Räumen habe es sanitäre Einrichtungen, Schlafstätten, einen Fernseher und eine Kochnische gegeben. Es sei sogar eine Gummizelle gefunden worden, teilte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze mit.

Grafik: Das Inzest-Verlies

Ein zweiter «Fall Kampusch»

Der 73-Jährige Mann sei festgenommen worden, nachdem das älteste Kind in der vergangenen Woche bewusstlos in ein Spital eingeliefert wurde, teilte die Polizei heute mit.

Die 19-Jährige hatte demnach wie zwei Geschwister ihr ganzes Leben mit der heute 42-jährigen Mutter in dem Verlies verbracht. Die drei anderen Kinder wohnten beim 73-Jährigen und seiner Ehefrau. Das siebte starb kurz nach der Geburt, weil es nicht versorgt worden sei. Der Mann verweigert nach Angaben der Polizei die Aussage.

In dem aktuellen Fall in der niederösterreichischen Stadt Amstetten sagte das Opfer bei der Polizei aus, sie sei bereits seit ihrem elften Lebensjahr immer wieder von ihrem Vater vergewaltigt worden. DNA-Analysen sollen jetzt klären, ob der Mann tatsächlich der Vater der sechs Kinder ist, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer, bei einer Medienkonferenz in Amstetten.

Wie die Frau nach ihrer Befreiung angab, hatte ihr Vater sie im August 1984 in den Keller gelockt, gefesselt und eingesperrt. Zu diesem Zeitpunkt war sie bei der Polizei von ihm als «vermisst» gemeldet worden.

Mit Hilfe der Medien

Die Polizei kam dem Mann auf die Spur, als die 19 Jahre alte Tochter der Frau vor einer Woche bewusstlos im Haus ihres «Grossvaters» gefunden wurde. Bei der Einlieferung in ein Spital in Amstetten sei ein handgeschriebener Brief der Mutter gefunden worden, in dem sie um Hilfe für das Mädchen gebeten habe, berichtete die Polizei.

Um etwas über den Krankheitsverlauf zu erhalten, seien die Ärzte an die Medien gelangt. Aufgrund einer vertraulichen Mitteilung seien dann am Samstag der 73-Jährige und seine 42-jährige Tochter in der Nähe des Spitals aufgegriffen worden.

Nach Angaben der Polizei machte die Frau einen äusserst verstörten psychischen Eindruck und war in schlechter körperlicher Verfassung. Erst nach einem längeren Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und auch für ihre Kinder gesorgt werde, war sie zu einer umfassenden Aussage bereit.

Ehefrau wusste nichts

Drei der Kinder sollen gemeinsam mit dem Verdächtigen und dessen Ehefrau normal in den Wohnräumen des Hauses gelebt haben. Sie sind laut Polizei zur Schule gegangen und bei guter Gesundheit. Der Verdächtige habe gegenüber den Behörden vorgegeben, seine vermisste Tochter habe ihm die Kinder vor die Tür gelegt - und diese anschliessend als private Pflegefälle adoptiert.

Die drei anderen Kinder hausten den Angaben zufolge mit der 42-Jährigen im Keller ohne medizinische Versorgung. Die Ehefrau des Verdächtigen will von den Vorgängen im Keller nichts mitbekommen haben.

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(SDA/AP)

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