Anschläge von 9/11 - Am Tag des Terrors lernten sie sich in der kanadischen Provinz kennen und lieben
Publiziert

Anschläge von 9/11Am Tag des Terrors lernten sie sich in der kanadischen Provinz kennen und lieben

Am Tag der Terroranschläge strandeten Tausende Flugpassagiere. In einem kleinen Ort in Kanada lernten sich Diane und Nick kennen. 20 Jahre später sind sie noch immer ein Paar.

von
Patrick McEvily
1 / 8
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mussten Dutzende Flieger in Kanada notlanden und steckten dort tagelang fest. Unter den Passagieren waren auch Nick Marsons und Diane Kersching.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mussten Dutzende Flieger in Kanada notlanden und steckten dort tagelang fest. Unter den Passagieren waren auch Nick Marsons und Diane Kersching.

Twitter
Ihr Flug von Houston nach London war am kleinen Flughafen von Gander in Neufundland notgelandet. Insgesamt befanden sich dort 38 Maschinen, die auf dem Weg nach Europa gewesen waren.

Ihr Flug von Houston nach London war am kleinen Flughafen von Gander in Neufundland notgelandet. Insgesamt befanden sich dort 38 Maschinen, die auf dem Weg nach Europa gewesen waren.

REUTERS
Gander befindet sich im äussersten Osten Kanadas, in der Provinz Neufundland.

Gander befindet sich im äussersten Osten Kanadas, in der Provinz Neufundland.

Google Maps

Darum gehts

  • Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 wurde der Flugverkehr über den USA und Kanada ausgesetzt. Dutzende Flieger strandeten in Kanada.

  • Tagelang mussten Tausende Passagiere auf ihre Weiterreise warten.

  • Im kleinen Ort Gander trafen sich Nick Marson und Diane Kirschke. Sie wurden ein Paar, dessen Liebesgeschichte gar in einem Musical verewigt wurde.

Nachdem am Morgen des 11. September 2001 in New York und Washington Terroristen angriffen, ging im nordamerikanischen Flugverkehr nichts mehr. Innerhalb weniger Stunden wurde im Rahmen der Operation «Yello Ribbon» der gesamte Flugraum gesperrt. Nur noch die Präsidentenmaschine Air Force One durfte abheben. Insgesamt 200 Linienjets, die nach Europa unterwegs waren, mussten in Kanada notlanden. Im kleinen Ort Gander, an der äussersten Ostküste des Landes – in Neufundland – parkte ein Flug mit den beiden Passagieren Nick Marson und Diane Kirsche an Bord. Ein Jahr später waren die beiden verheiratet. Heute sind sie noch immer ein Paar. CNN hat nun ihre Geschichte erneut erzählt.

Die «Plane People» blieben fünf Tage lang in Kanada

Im Verlauf jenes Dienstags kamen insgesamt 38 Flugzeuge in Gander an, der 36. war Flug Nummer 5 mit Continental Airlines von London nach Houston. 7000 Personen strandeten in dem kleinen Ort mit 10’000 Einwohnern. Stunden vergingen, bis alle ihre Flieger verlassen durften. Das Gepäck mussten die Gestrandeten an Bord lassen. Die Passagiere wurden auf unterschiedliche Unterkünfte in der Umgebung verteilt. Was an dem Tag geschehen war, realisierten viele erst später. «Ich hatte zuerst gedacht, es seien technische Probleme. Als ich dann all die anderen Flieger sah, realisierte ich, dass es mehr war», erinnert sich Nick.

Von den Ortsansässigen wurden die Neuankömmlinge schnell angenommen und mit dem Titel «Plane People» versehen. Sie luden sie in den darauffolgenden Tagen zu Ausflügen ein und veranstalteten gar eine Party. Auf dieser lernten sich Nick und Diane kennen. Die beiden verliebten sich. Er, Brite, Ende 50, war aus geschäftlichen Gründen in Richtung Texas unterwegs. Sie, Amerikanerin, damals 60, lebte in Houston. Beide waren bereits einmal verheiratet gewesen und hatten zu dem Zeitpunkt erwachsene Kinder.

Nach fünf Tagen konnten die «Plane People» Gander wieder verlassen. Nick und Diane flogen nach Houston, wo sie ihm ihre Heimat zeigte. Als er nach einigen Tagen wieder nach Hause fliegen musste, vergossen sie beide bittere Tränen. «Es war sehr schwer für mich, nach England zurückzufliegen. Das war ein emotionaler Tiefpunkt.» Doch die beiden blieben in Kontakt. Ein Jahr später heiratete das Paar, und Nick zog nach Texas.

«Du weisst nicht, wie viele Tage du hast»

In den ersten Jahren nach ihrer Hochzeit wollten die beiden ihre Geschichte noch nicht mit der Welt teilen. «Wir haben uns schuldig gefühlt. 3000 Familien hatten an diesem Tag Angehörige verloren – und wir unser Glück gefunden», blickt Diane zurück. Doch die beiden änderten ihre Meinung langsam, als sie 2009 eine Doku über die Operation «Yellow Ribbon» sahen und einige Jahre später erneut nach Neufundland reisten. «Die Menschen dort haben uns mit offenen Armen willkommen geheissen. Am 11. September regierte der Terror – am 12. die Liebe», sagt Diane.

Ihre Liebesgeschichte wurde Teil des Musicals «Come from Away». Für dieses sind die beiden auch schon in mehreren TV-Sendungen aufgetreten. Auf Twitter teilen die beiden ihre Erlebnisse aus dem Showbusiness. Gemäss eigenen Aussagen haben die beiden das Musical bereits 118 Mal gesehen. Nun wurde die Geschichte von Apple TV+ gar verfilmt. Ihr Lebensmotto hätten sie sich sich beibehalten, erklärt Diane abschliessend: «Mach das meiste aus jedem Tag. Denn du weisst nicht, wie viele davon du hast.»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

0 Kommentare