Eurokrise: An den Börsen geht die Angst um
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EurokriseAn den Börsen geht die Angst um

Befürchtungen um eine Ausweitung der griechischen Schuldenkrise auf andere Euroländer liessen die Aktienkurse in Europa auf Talfahrt gehen.

Insbesondere Bankentitel gerieten am Dienstag unter Druck. So verloren auch die Aktien der UBS an der Schweizer Börse im Tagesverlauf trotz eines besser als erwarteten Quartalsabschlusses.

In Frankfurt sagten Händler, gerade für Banken könnte bei einer möglichen Ausweitung der Schuldenkrise auf andere Euro-Staaten ein Rattenschwanz an Risiken folgen, viele Institute hätten zig Milliarden auf ihren Büchern.

Euro unter Druck

Das immense Rettungspaket für Griechenland sorgte am Dienstag auch auf dem Anleihe- und Devisenmarkt für Unruhe. Der Euro ging gegenüber dem Dollar weiter auf Talfahrt. Er fiel in Frankfurt um mehr als einen US-Cent bis auf 1.3088 Dollar und war damit so günstig wie seit einem Jahr nicht mehr. Gegenüber dem Franken notierte er unverändert.

Das Rettungspaket bedeutet nach Ansicht der Ratingagentur Moody's nicht das Ende der Finanzkrise Griechenlands. Vieles hänge davon ab, ob die Regierung die scharfen Einsparungen umsetzen könne, sagte der Moody's-Experte Tom Byrne. Schliesslich seien die geplanten Einsparungen für das Land «sehr hart».

Auch Analysten sehen Griechenland noch auf Jahre hinaus als Wackelkandidaten: «Kurzfristig ist das Risiko eines Zahlungsausfalls stark gesunken, mittelfristig sehen wir jedoch nach wie vor grosse Herausforderungen für Griechenland», sagte Klaus Wiener, Chefökonom von Generali Investments. «Hauptrisiko ist der politische Wille Griechenlands, den erforderlichen Konsolidierungsmarathon auch tatsächlich umzusetzen.»

Gefahr der Ausweitung der Krise

Im Sog der griechischen Schuldenkrise geraten auch andere Mittelmeerländer verstärkt unter Druck: Befürchtungen machten die Runde, Spanien ersuche die EU um ein Unterstützungspaket von über 280 Milliarden Euro, was deutlich höher läge als jenes, das am Sonntag für Griechenland geschnürt worden war.

Die Risikoaufschläge bei spanischen, portugiesischen und italienischen Staatsanleihen kletterten. Für Beruhigung sorgte jedoch, dass die Ratingagentur Fitch ihre Bonitätseinschätzung Spaniens mit der Bestnote AAA und einem stabilen Ausblick bekräftigte.

Zapatero wiegelt ab

Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat am Dienstag Spekulationen zur finanziellen Situation seines Landes zurückgewiesen. Solche Spekulationen seien unverantwortlich und unbegründet, schlicht «Schwachsinn», sagte er in Brüssel. (sda)

Deutsche Banken mit symbolischem Beitrag

Am Dienstag erklärten sich deutsche Banken und Versicherer bereit, einen symbolischen Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten. Zahlen zum Umfang des Beitrags nannte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, nach einem Spitzengespräch der Branche mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble aber nicht.

Die Branche plant nach eigenen Angaben, bestehende Kreditlinien an Griechenland und dort beheimatete Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. «Ausserdem erklären wir uns bereit, zur Finanzierung des deutschen Beitrags auszugebende KfW-Anleihen zusätzlich zu bestehenden Engagements zu zeichnen», hiess es weiter.

IWF will Notkredite am Sonntag absegnen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird am kommenden Sonntag die Notkredite für Griechenland formell beschliessen. Das teilte ein Sprecher der Finanzinstitution am Dienstag mit. Das IWF-Exekutivdirektorium wird zu diesem Zweck am Sonntag in Washington zusammenkommen. Der IWF und die Euro-Gruppe haben sich auf einen Rettungsplan für Griechenland im Umfang von 110 Milliarden Euro über die nächsten drei Jahre verständigt. Der Anteil der Euro-Gruppe daran beträgt rund 80 Milliarden Euro. Der IWF übernimmt 30 Milliarden Euro. (AP)

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