Familienfehde: An der Hochzeit flogen die Fetzen
Aktualisiert

FamilienfehdeAn der Hochzeit flogen die Fetzen

In Bülach ist eine türkische Familienfehde ausgerechnet an einer Hochzeit eskaliert. Die wüste Schlägerei hatte am Freitag vor Obergericht ein rechtliches Nachspiel.

von
Attila Szenogrady

Es war am 13. Januar 2007, als einem türkischen Hochzeitsfest an der Schützenmattstrasse in Bülach hoch zu und her ging. Mehrere hundert Personen waren erschienen, um die Heirat eines jungen Paares ausgiebig zu feiern.

Doch kurz nach 23 Uhr schlug die Stimmung schlagartig um: Drei Männer gingen plötzlich auf einen heute 45-jährigen Familienvater los und droschen auf ihn mit Fäusten ein. Die Ehefrau des Geschädigten und seine beiden Töchter wollten zu Hilfe eilen, wurden aber zurückgestossen.

Regenschirm, Messer und Bierflaschen

Fest steht, dass es zu einer wüsten Schlägerei kam. Laut Zeugenaussagen kamen dabei ein Messer, Bierflaschen und sogar ein Regenschirm zum Einsatz. Der schnelle Einsatz der alarmierten Polizei verhinderte Schlimmeres. Dennoch hatten sich einige Festbesucher Verletzungen zugezogen.

Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft leitete eine umfassende Untersuchung ein und führte diverse Zeugeneinvernahmen durch.

Die Ermittlungen ergaben, dass hinter der wüsten Schlägerei eine historische Familienfehde steckte. Demnach soll der attackierte Vater vor über zwanzig Jahren die heutige Ehefrau eines Angreifers vergewaltigt haben. Seither soll es immer wieder zu familiären Zwistigkeiten gekommen sein. Die Untersuchungsbehörden stellten in der Folge zwei mutmassliche Angreifer im Alter von 30 Jahren wegen Körperverletzung sowie Angriffs unter Anklage.

Schuldsprüche in Bülach

Obwohl beide Beschuldigten sämtliche Vorwürfe zurückwiesen, wurden sie im letzten März vom Bezirksgericht Bülach für schuldig befunden und zu bedingten Geldstrafen sowie Bussen verurteilt. Ein Eisenleger erhielt 30 Tagessätze zu 100 Franken auf Bewährung sowie 1000 Franken Busse. Ein Hilfsarbeiter kassierte 20 Tagessätze zu 65 Franken sowie 500 Franken Busse. Beide sollten zudem vier geschädigten Personen Schmerzensgelder von je 2000 Franken entrichten.

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht umfassend Freisprüche. Der Rechtsanwalt warf mehreren Belastungszeugen eklatante Widersprüche vor und sprach von einem dynamischen Ablauf der Schlägerei. Wegen den damals chaotischen Verhältnissen sei es heute kaum mehr möglich, einen genauen Ablauf der Keilerei zu rekonstruieren, zeigte er sich überzeugt. Das Obergericht zog sich danach zur Urteilsberatung zurück. Es wird seinen Entscheid den Parteien demnächst zustellen. Allerdings wird auch ein noch so gerechtes Urteil die anatolische Familienfehde wohl kaum beenden.

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