Aktualisiert vor 12h

Clubbesucherinnen in Sorge

«An der ‹Superspreader›-Party wars pumpenvoll und niemand hielt Abstand»

Im Zürcher Club Flamingo feierten 300 Personen – darunter ein mit Corona infizierter Mann. Partygäste sind nun besorgt.

von
N. Knüsel / R. Heimann
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Am letzten Samstag, knapp eine Woche nach dem «Superspreader»-Event, standen die Besucher vor dem Club Flamingo Schlange. Keiner trug eine Maske.

Am letzten Samstag, knapp eine Woche nach dem «Superspreader»-Event, standen die Besucher vor dem Club Flamingo Schlange. Keiner trug eine Maske.

Tamedia
Am Sonntag zuvor war ein Mann im Zürcher Club, der positiv auf das Coronavirus getestet worden ist.

Am Sonntag zuvor war ein Mann im Zürcher Club, der positiv auf das Coronavirus getestet worden ist.

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Der Mann war am 21. Juni im Club an einer Party.

Der Mann war am 21. Juni im Club an einer Party.

20 Minuten

Darum gehts

  • Nach einem «Superspreader»-Event am 21. Juni mussten 300 Clubgäste und Angestellte in Quarantäne.
  • Nun reden zwei Partygängerinnen: «Es war pumpenvoll, alle haben innig getanzt», sagt eine Frau.
  • Der Club will zukünftig strengere Kontrollen durchführen.

Der Kanton Zürich hat seinen ersten «Superspreader»-Event: Ein Mann, der am Abend des 21. Juni im Club Flamingo zu Gast war, wurde am 25. Juni positiv auf Covid-19 getestet. Weitere fünf Personen entwickelten nach dieser Nacht Symptome und wurden auch positiv getestet. Nun mussten die 300 Gäste und Angestellten des Clubs in Quarantäne.

Auch A.E.* aus dem Kanton St. Gallen feierte am 21. Juni mit einer Kollegin im Flamingo-Club: «Es war pumpenvoll», sagt die 23-Jährige. Die Leute hätten innig getanzt und sich berührt. «Es war wie ein normaler Abend.» Niemand habe Distanz halten können oder eine Maske getragen.

Die 22-jährige B.I.* aus Zürich war ebenfalls im Flamingo am besagten Abend. «Drinnen war es sehr eng», bestätigt sie. Massnahmen zum Social Distancing seien so nicht möglich gewesen. «Der Club kommunizierte das aber auch so.»

Partygäste sind besorgt

I. und ihre Freunde hätten ihre Kontaktdaten angeben müssen. Bis Sonntag habe sie aber nichts von den Behörden gehört: «Ich finde es seltsam, dass ich nicht informiert wurde. Vom Superspreader-Event habe ich aus den Medien erfahren.» Sie ist besorgt: «Ich war letzte Woche viel unterwegs und könnte das Virus verbreitet haben.»

E. aus dem Kanton St. Gallen sagt, sie habe Angst: «Weil es so eng war könnten sich viele infiziert haben.» Sie selbst habe die ganze Woche gearbeitet und Kontakt mit ihren Mitarbeitern gehabt. Seit sie vom Superspreader-Event gehört haben, sind die beiden Partygängerinnen zuhause geblieben. Symptome haben sie laut eigenen Aussagen aber nicht.

Strengere Kontrollen

Der Club selbst veröffentlichte am Samstagabend ein kurzes Statement auf Instagram. Darin heisst es, es werde künftig strengere Kontrollen geben. Denn: «Uns ist bewusst geworden, dass es immer noch Leute gibt, die krank in den Ausgang gehen und Symptome nicht ernst werden.»

Am Sonntag bleibe des Lokal bis auf Weiteres geschlossen. Zudem werde das Personal ausgewechselt. Samstags bleibt der Club jedoch offen.

* Namen bekannt

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786 Kommentare
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ErwinS

29.06.2020, 11:49

Vermutlich war in diesem Club in Zürich niemand älter als 70 Jahre. Das heisst es wird niemand sterben. Also bis zur nächsten Party.

Walt1

29.06.2020, 09:36

Hoffentlich ist dies ein Warnschuss für Betreiber und auch Besucher. Es ist noch nicht vorbei, viele verhalten sich aber so.

Nicolas K.

29.06.2020, 08:44

Ich bin für eine Registrierungspflicht (Kopie Ausweis / Pass) für Partygänger. Ohne Registrierung und Ausweis- / Passkopie keinen Einlass. Wer trotzdem das Risiko auf sich nimmt, in einen Club oder an eine Party geht und sich ansteckt oder in Quarantäne muss, trägt sämtliche Kosten seiner Behandlung selbst und während der Quarantäne gibt's keinen Lohn für den Egoisten. Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler Milliarden aufwirft und die Ich-Gesellschaft macht was sie will und alle anderen dürfen dafür zahlen. Wer das Risiko sucht und auf sich nimmt, soll finanziell gerade stehen. Nennt sich Eigenverantwortung. Es darf nicht sein, dass solche Egoisten Familienmitglieder oder Arbeitskollegen, die sich an die Regeln halten, anstecken.