Matura und Studium: An der Uni geht vielen Welschen die Puste aus
Aktualisiert

Matura und StudiumAn der Uni geht vielen Welschen die Puste aus

In der Westschweiz legt jeder dritte Jugendliche die Matura ab. An der Uni scheitern die Romands aber überdurchschnittlich oft. Experten wollen nun handeln.

von
Thomas Bigliel

In der Westschweiz und im Tessin gab es 2013 am meisten Maturanden. Dies zeigen die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Spitzenreiter bei den Gymi-Abschlüssen ist mit einer Quote von 46,7 % demnach der Kanton Tessin. Das sei nicht nur positiv, meinen die Experten. Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF), ist überzeugt: Kantone mit vielen Maturanden haben die schlechteren Studenten. «Studierende aus Kantonen mit hohen Maturitätsquoten brechen ihr Studium häufiger ab als solche aus Kantonen mit tiefen Maturitätsquoten», sagt der Professor für Bildungsökonomie.

Die Zahlen sprechen für sich. Zwischen 1975 und 2011 haben ein Viertel der Studenten ihr Studium abgebrochen. Dies lässt sich aus einer Studie des SKBF herauslesen. Ein Kanton, der im Vergleich zum Durchschnitt zehn zusätzliche Maturanden an die Universität sendet, kommt demnach lediglich zu sechs zusätzlichen Universitätsabsolventen.

Für FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sind diese Zahlen alarmierend. «Wenn Maturanden reihenweise durch die Uni-Prüfungen fallen, muss die Qualität der Matura in den betroffenen Kantonen ganz einfach infrage gestellt werden.» Auch andere Politiker fordern eine Verbesserung der Zustände. «Bei einer Matura sollte man hohe Qualitätsanforderungen erwarten können», meint etwa der Historiker und Kantonsparlamentarier Jon Pult (SP, GR).

Kantone wollen handeln

Doch auch bei den Schlusslichtern des Rankings ist man unzufrieden. Haben die Kantone Tessin, Basel-Stadt und Genf mit zu vielen Kantischülern zu kämpfen, sorgen sich die Kantone in der Ostschweiz um zu tiefe Maturitätsquoten. Am tiefsten ist die gymnasiale Maturitätsquote mit 12,7 % in St. Gallen. Zum Vergleich: Schweizweit absolvierte 2013 jeder fünfte 19-Jährige eine gymnasiale Matura. In St. Gallen fordern BDP-Politiker nun, dass sich die Quote «zumindest am Durchschnitt orientieren soll».

Trotz der riesigen Unterschiede zwischen den Kantonen ist laut der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eine Angleichung der unterschiedlichen Maturitätsquoten kein Thema. Sprecherin Gabriela Fuchs sagt aber: «Bund und Kantone haben bereits 2011 in einer Erklärung festgehalten, dass der prüfungsfreie Zugang zur Universität mit gymnasialer Maturität langfristig sichergestellt werden soll.» Dies solle aber über die Qualität der Matur geschehen, nicht über die Quote. Jetzt wollen Bund und Kantone Standards definieren, was ein Maturand in der Erstsprache und in Mathematik können muss.

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