Aktualisiert 09.10.2019 18:00

KrankenkasseAn diesen Orten ist die Prämie doppelt so hoch

Wie viel Versicherte 2020 für die Krankenkasse zahlen, hängt vom Wohnort ab. Dabei unterscheiden sich die Preise bereits nach Gemeinde.

von
bsc
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Je nach Wohnort unterscheiden sich die Schweizer Krankenkassenprämien. Moneyland.ch hat die Prämiendaten aller Krankenkassen in allen 42 Prämienregionen analysiert.

Je nach Wohnort unterscheiden sich die Schweizer Krankenkassenprämien. Moneyland.ch hat die Prämiendaten aller Krankenkassen in allen 42 Prämienregionen analysiert.

Keystone/Gaetan Bally
In Basel-Stadt zahlen Versicherte für die günstigste Prämie am meisten.

In Basel-Stadt zahlen Versicherte für die günstigste Prämie am meisten.

Keystone/Christian Beutler
In Appenzell Innerrhoden zahlen Erwachsene für die günstigste Prämie rund 70 Prozent weniger als in Basel.

In Appenzell Innerrhoden zahlen Erwachsene für die günstigste Prämie rund 70 Prozent weniger als in Basel.

Keystone/Christian Beutler

Nächstes Jahr steigen die Krankenkassenprämien um durchschnittlich 0.2 Prozent an. Das entspricht einer verhältnismässig moderaten Steigerung. Doch nicht überall zahlen Versicherte gleichviel. Wie viel die Krankenkasse 2020 kostet, das hängt vom Wohnort ab.

Besonders teuer wird es für die Basel-Städter. Dort zahlen Versicherte für die günstigste Krankenversicherung mit einer 300er-Franchise 452.60 Franken pro Monat. Glücklich schätzen dürfen sich dafür Bewohner des Kanton Appenzell Innerrhoden: Sie zahlen für die die günstigste Krankenkasse gerade einmal 265.90 Franken. Also zahlen Versicherte in Basel-Stadt über 70 Prozent mehr als in Appenzell Innerrhoden, das hat der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch in einer Analyse herausgefunden.

Grund für den Preisunterschied: die Prämienregionen. Je nach Wohnort unterscheiden sich die Schweizer Krankenkassenprämien. Moneyland.ch hat die Prämiendaten aller Krankenkassen in allen 42 Prämienregionen unter die Lupe genommen.

Mehr Spitäler treiben die Preise in die Höhe

Die hohen Prämien in Basel-Stadt ärgern Leser Leo. Der 32-Jährige ist vom Aargau in die Stadt Basel gezogen und zahlt nun für die gleiche Leistung 100 Franken mehr. «Begeistert bin ich darüber nicht, aber ich kann es auch etwas nachvollziehen.»

Weniger Verständnis für die grossen Preisunterschiede der Krankenkasseprämie hat Leserin Melanie. Die 31-Jährige findet es «ziemlich uncool», dass sie in Basel-Stadt so viel mehr zahlen muss. «Ich wusste, dass die Stadt etwas teurer ist, aber dass es so grosse Unterschiede zwischen den Kantonen gibt, finde ich daneben.»

Die höheren Krankenkassenkosten in Basel-Stadt hängen mit dem städtischen Charakter des Kantons zusammen, wie Regierungssprecher Marco Greiner auf Anfrage erklärt. In einer Stadt würden medizinische Behandlungen generell öfter beansprucht als auf dem Land. Zudem gebe es in Basel-Stadt ein dichtes Spitalangebot, was zu mehr stationären Behandlungen führt. «Schliesslich leben in der Stadt viele ältere und betagte Personen mit gesundheitlichen Beschwerden», so Greiner. All dies führe zu höheren Prämienkosten im Vergleich zu anderen Kantonen.

65 Franken mehr als in der Nachbargemeinde

Versicherte zahlen aber nicht nur nach Kanton unterschiedlich viel für ihre Krankenkasse: In Zürich ist die Prämie sogar je nach Gemeinde verschieden hoch. Denn in diesem Kanton gibt es drei Prämienregionen. So zahlen Versicherte in der Gemeinde Oberengstringen mit einer 2500er-Franchise, 200 Franken pro Monat. Im benachbarten Frankenthal zudem die Stadt Zürich gehört kostet das gleiche Profil rund 65 Franken mehr pro Monat.

Ähnlich sieht es im Kanton Bern aus, der ebenfalls drei Prämienregionen kennt. Dort zahlt ein Erwachsener je nach Gemeinde für die Krankenkasse 228.90 oder 293.40 Franken pro Monat.

Neben den Prämienregionen hat Moneyland auch die Krankenkassen auf ihre Preise untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass Kolping, die zu Sympany gehört, am häufigsten am teuersten ist. Assura ist in 15 Regionen die Krankenkasse mit den günstigsten Prämien gefolgt von Swica und Progrès.

Simon Wieser, Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW

Simon Wieser, Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW

In Basel-Stadt zahlen Versicherte bis zu 70 Prozent mehr Prämien als in Appenzell Innerrhoden. Wieso?

Das liegt an den Prämienregionen. In gewissen Regionen werden mehr Kosten verursacht, folglich sind dort auch die Prämien höher. So leben in Basel-Stadt mehr Menschen, die krank sind oder ältere und betagte Menschen als in Appenzell. Auch gehen Menschen in einer Stadt tendenziell öfters zum Arzt.

Ist das nicht unfair, dass Städter, die wenig zum Arzt gehen, mehr zahlen?

Nicht wirklich. Es ist das gleiche Prinzip wie bei den Steuern. Diese sind je nach Kanton auch unterschiedlich hoch. In einer Stadt ist das Gesundheitsangebot auch grösser, es gibt mehr Ärzte und Kliniken.

Werden die Prämienpreise in Zukunft noch weiter auseinanderdriften?

Nein. Ich glaube sogar, dass sie sich annähern. Es gibt bereits eine Tendenz, dass in Regionen mit tiefen Prämien die Versicherten künftig mehr zur Kasse gebeten werden. Das liegt wohl daran, dass die Lebensstile zwischen Land und Stadt ähnlicher werden.

Gibt es bereits Bemühungen die Prämien anzugleichen?

Ja, das gibt es: Das Bundesamt für Gesundheit hat einen Tarifeingriff gemacht. So werden Medikamentenkosten aktiv gesenkt. Auch werden vermehrt ambulante statt stationäre Behandlungen durchgeführt. All das führt dazu, dass die Krankenkassenkosten und somit auch die Prämien weniger steigen.

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