Aktualisiert 13.06.2017 19:05

Zürcher Langstrassen-QuartierAn dieser Betonwand gibt es künftig gratis Obst

Äpfel, Aprikosen, Trauben und anderes Obst im Vorbeigehen naschen – das kommt an der Neufrankengasse. Noch offen ist, wie die Stadt mit allfälligen Hamsterern umgehen wird.

von
rom
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Die Betonwand an der Neufrankengasse vor der Bepflanzung ...

Die Betonwand an der Neufrankengasse vor der Bepflanzung ...

Grün Stadt Zürich
... sieht jetzt so aus.

... sieht jetzt so aus.

Grün Stadt Zürich
Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) beim Bepflanzen zusammen mit Gärtner-Lehrlingen von Grün Stadt Zürich.

Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) beim Bepflanzen zusammen mit Gärtner-Lehrlingen von Grün Stadt Zürich.

Grün Stadt Zürich

Die Neufrankengasse wandelt sich. Gammelhäuser waren gestern. Jetzt erobert das Ausgehvolk die Bars und Beizen. Und künftig gibt es noch einen Grund, vorbeizukommen: Eine Betonwand voller Früchte. «Wir nennen sie Naschwand», sagt Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, und spricht von einem «Glücksfall».

Am Anfang war ein Strassenbauprojekt. Die Stadt konnte auf nicht mehr benötigtem SBB-Land die Neufrankengasse verbreitern und sie mit einem Fuss- und Veloweg ausstatten. Dann kam die SBB auf die Stadt zu zwecks Begrünung ihrer angrenzenden Betonwand. «Daraus entstand die Idee, nicht nur Grün-Kletterpflanzen zu verwenden, sondern es mit Obst zu versuchen», sagt Handschin.

Schaden die Abgase dem Obst?

Und so wachsen in den Trögen am Fuss der Betonwand nun Hochstammobstbäume, Reben und Kletterrosen in die Höhe. Voraussichtlich ab 2019 kann die Quartierbevölkerung erste Äpfel, Birnen, Aprikosen, Nektarinen, Zwetschgen und Trauben pflücken und «im Vorbeigehen naschen», wie die Stadt schreibt. Dass Abgase dem Obst schaden, denkt Handschin nicht: «Obst wächst an anderen Standorten in der Stadt ebenfalls an Strassen – Hauptsache, man wäscht es vor dem Essen.»

Was aber ist, wenn gewisse Leute hamstern werden? «Das ist sicher ein Punkt, den wir noch anschauen müssen», sagt Handschin. Man habe Erfahrungen mit öffentlichen Obstbäumen etwa im Kreis 2 im Rieterpark. «Dort trifft man sich jeweils an einem festgelegten Datum zum Ernten», sagt Handschin.

Weil die Stadtbevölkerung mittlerweile an solche Angebote gewöhnt ist, geht er davon aus, dass das Gratis-Obst ein Erfolg wird – anders als das Gratis-Gemüse in den öffentlichen Blumenbeeten vor drei Jahren, das verschmäht wurde.

Lehrlinge pflegen die Bäume

Konzipiert wurde die Naschwand von einem lernenden Zeichner Landwirtschaftsarchitektur und auch die Bepflanzung übernahmen junge Leute – lernende Gärtner von Grün Stadt Zürich. Sie sind es auch, die die Hochstammbäume pflegen werden. Der richtige Schnitt wird dafür sorgen, dass diese wachsen, ohne den Strassenverkehr zu stören.

Die Naschwand entspricht laut einer Mitteilung von Grün Stadt Zürich auch «dem Bestreben von Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) nach mehr Obstbäumen und Vertikalgrün in der Stadt und nach mehr Früchten, die von der Bevölkerung geerntet werden können.» Die Anschaffungskosten für insgesamt 345 Pflanzen betrugen 15'000 Franken.

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