08.09.2020 03:05

Burgdorf BEAn dieser Gasmasken-Figur scheiden sich die Geister

Holzskulpturen mit Atemschutzmasken, die seit dem Wochenende in Burgdorf ausgestellt sind, werden derzeit kontrovers diskutiert. Mit Corona haben sie allerdings wenig am Hut.

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Skulptur des Anstosses: Den nackten Gasmaskenträger in der Burgdorfer Altstadt finden nicht alle gut.

Skulptur des Anstosses: Den nackten Gasmaskenträger in der Burgdorfer Altstadt finden nicht alle gut.

Foto: Facebook
Erschaffen hat ihn der Bildhauer Werner Neuhaus.

Erschaffen hat ihn der Bildhauer Werner Neuhaus.

Foto: Thomas Peter/BZ
Der Künstler hat seit kurzem 40 Skulpturen in ganz Burgdorf ausgestellt. Viele von ihnen tragen Masken – wie etwa dieser Kerl hier, der sich ein Päuschen gönnt.

Der Künstler hat seit kurzem 40 Skulpturen in ganz Burgdorf ausgestellt. Viele von ihnen tragen Masken – wie etwa dieser Kerl hier, der sich ein Päuschen gönnt.

Foto: Werner Neuhaus

Darum gehts

  • In Burgdorf sind seit dem Wochenende 40 Holzskulpturen über das gesamte Stadtgebiet ausgestellt.
  • Manche von ihnen tragen Gasmasken.
  • Die Meinungen über die Kunstwerke gehen stark auseinander.
  • Der Künstler will damit nicht schockieren, sondern zum Nachdenken anregen.

Atomkatastrophe, Giftgaseinsätze, Krieg: Wenn man derzeit durch die Burgdorfer Altstadt schlendert, können einen beklemmende Gedanken befallen. Auf einem kleinen Sockel steht dort seit Samstag eine lebensgrosse männliche Holzfigur, nackt und mit ABC-Schutzmaske.

An der Bildhauerkunst scheiden sich die Geister. «Wie kommt man nur auf die Idee, eine Skulptur mit Gasmaske aufzustellen – man würde den Leuten besser Mut und Freude machen», schreibt ein Facebook-User mit Blick auf die aktuelle Situation. Ein anderer pflichtet ihm bei: «In dieser Zeit wäre etwas Farbenfrohes schöner.»

Andere finden die Skulptur durchaus gelungen: Sie sei «megaspeziell» und rege zum Nachdenken an, lauten zwei der Pro-Stimmen. Eine dritte Gruppe äussert sich wertfrei, aber mit Galgenhumor: «Man möchte uns auf die neue Realität vorbereiten», meint eine Frau.

40 Holzfiguren in Burgdorf

Der Figur des Anstosses ist eine von rund 40 Holzskulpturen, die der Emmentaler Künstler Werner Neuhaus in ganz Burgdorf aufgestellt hat. Masken tragen viele von ihnen: Auf dem Burgdorfer Schloss etwa sind Krieger mit Masken aus Cola-Büchsen anzutreffen sowie eine Frau mit ihrem Hund, beide mit Gasmaske. Eine schwangere Frau trägt eine Pestmaske.

Neuhaus’ Werke sind in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren entstanden – Corona spielte demnach keine Rolle. Vielmehr prägten den Bildhauer seine Reisen nach Syrien und in den Irak, wo er zerbombte Dörfern besuchte und sich in Flüchtlingscamps aufhielt. «Ich treffe dort immer wieder Menschen in ausserordentlichen Situationen, die trotzdem motiviert versuchen, ihren Alltag zu leben», erzählt Neuhaus. Diese «Normalität im Drama» sollen auch einige seiner Figuren ausstrahlen. In seinen Skulpturen thematisiert Neuhaus, der einen Landwirtschaftsbetrieb besitzt, zudem immer wieder die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Dass seine Kunstwerke nicht jedermanns Geschmack treffen, kommt für den 49-Jährigen nicht unerwartet: «In der Schweiz hat mans gern harmonisch – aber das ist nun mal keine weltweite Realität.» Schockieren wolle er aber niemanden, sondern vielmehr zum Nachdenken anregen: «Ich will Fragen aufwerfen, aber nicht zwingend die Antworten dazu geben.»

(sul)

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13 Kommentare
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Alltag

08.09.2020, 07:04

Gewöhnt euch an das Bild. Unsere fähigen Bundesräte werden auch das noch hinbekommen.

Jeffrey Spector

08.09.2020, 06:37

Sehen gut aus, werde dafür extra nach Burgdorf reisen um sie mir anzusehen. Es hat übrigens gute Restaurants in Burgdorf, dieses Städtchen ist eine Reise wert.

bisiss

08.09.2020, 06:13

Schön oder nicht einige stehen einfach im Weg. Habe schon fast eine mit dem Velo erwischt.