Frederica Wilson: An dieser Politikerin beisst sich Trump die Zähne aus
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Frederica WilsonAn dieser Politikerin beisst sich Trump die Zähne aus

Die Cowboy-Hüte von Frederica Wilson sitzen auf einem harten Schädel: Die Abgeordnete aus Florida nimmt es sogar mit Stabschef und Ex-General Kelly auf.

von
sut
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Die Abgeordnete Frederica Johnson nimmt an der Beerdigung von US-Sergeant La David Johnson teil.  Die Repräsentantin aus Florida konfrontierte Präsident Donald Trump über dessen Beileidstelefon an Johnsons Witwe. (21. Oktober 2017)

Die Abgeordnete Frederica Johnson nimmt an der Beerdigung von US-Sergeant La David Johnson teil. Die Repräsentantin aus Florida konfrontierte Präsident Donald Trump über dessen Beileidstelefon an Johnsons Witwe. (21. Oktober 2017)

Matias J. Ocner
Im Zentrum der Trauerfeier in Hollywood, Florida, steht Myeshia Johnson, die Witwe von Unteroffizier La David Johnson.

Im Zentrum der Trauerfeier in Hollywood, Florida, steht Myeshia Johnson, die Witwe von Unteroffizier La David Johnson.

AP/Mike Stocker
Myeshia Johnson ist Mutter zweier Kinder: (von links) Ah'leeysa, 6, und La David Jr., 2.

Myeshia Johnson ist Mutter zweier Kinder: (von links) Ah'leeysa, 6, und La David Jr., 2.

Matias J. Ocner

Die Geschichte um sein Beileidstelefon mit der Witwe eines in Niger gefallenen Soldaten verfolgt US-Präsident Donald Trump wie ein dunkler Schatten. Dafür sorgt Frederica Wilson, eine schwarze Abgeordnete aus Florida. Die Demokratin und Liebhaberin bunter Cowboyhüte war die politische Patentante des toten Unteroffiziers La David Johnson. Zusammen mit dessen Witwe stellt sie sicher, dass Trumps Beschönigungen nicht Bestand haben.

Wohl auf Anraten Wilsons trat am Montag Morgen La Davids Ehefrau Myeshia Johnson vor die TV-Kamera (Video unten). Sie sei «sehr wütend» auf Trump, sagte sie in der Sendung «Good Morning America», denn der Präsident habe ihren Sohn nicht geachtet. «Ich hörte ihn stammeln, als er versuchte, sich an den Namen meines Mannes zu erinnern», sagte sie. «Das hat mich am meisten verletzt, denn wenn mein Mann sein Leben für unser Land einsetzt, warum kann man dann nicht einmal seinen Namen im Gedächtnis behalten?»

Trump: «Nannte Namen, ohne zu zögern!»

Myeshia Johnson stützte die Darstellung von Wilson, die letzte Woche die gleiche Anschuldigung gegen Trump erhoben hatte. Sie habe dem Gespräch am Freisprechtelefon mit der Witwe beigewohnt, sagte Wilson. «Ich hörte ihn sagen: ‹Nun, ich nehme an, Sie wissen, dass ihm klar war, worauf er sich einliess, aber es tut trotzdem weh.›»

Trump liess die Anschuldigung der Soldatenwitwe nicht auf sich sitzen. Am Montag twitterte er: «Ich hatte eine sehr respektvolle Unterhaltung mit der Witwe von Sergeant La David Johnson, und ich nannte seinen Namen von Anfang an, ohne zu zögern!»:

Wenn Trump glaubt, mit seinen Tweets die Kontroverse um den Kondolenzanruf und die offenen Fragen zum ungeklärten Tod Johnsons hinter sich zu bringen, könnte er sich täuschen. Die 74-jährige Abgeordnete Wilson ist seit mindestens 2006 dafür bekannt, dass sie sich beharrlich für junge afroamerikanische Männer einsetzt. So wie im Fall des 14-jährigen Martin Lee Anderson. Er wurde in einem «Boot Camp»-Umerziehungslager von Wärtern zu Tode geprügelt. Wilson sorgte dafür, dass seine Familie für ihr Leid entschädigt wurde.

Schwarze Männer als Zielscheiben

Sieben Jahre später setzte sich die Politikerin für die Hinterbliebenen von Trayvon Martin ein, der vom Nachbarschaftswärter George Zimmerman erschossen worden war. «Schwarze Männer sind Zielscheiben, und Frederica Wilson widmet ihr Leben dem Ziel, dies aufzudecken», sagt Benjamin Crump, der Anwalt der Familie Anderson, zu Politico. «Sie wird nicht schweigen – Trump legt sich mit der falschen Frau an.»

Frederica Wilson hat es indes mit potenten Gegnern zu tun. Trumps Stabschef John Kelly stellte die Abgeordnete «in die Tradition von leeren Fässern, das am meisten Lärm machen». Ex-General Kelly hat selbst einen Sohn in Afghanistan verloren. Wie er in einem denkwürdigen Auftritt vor der Presse letzten Donnerstag unterstrich, konnte Kelly an Trumps Telefongespräch mit La Davids Mutter, dem er zuhörte, nichts aussetzen. Dass Wilson einen «heiligen» Akt wie die Beileidsbekundung durch den US-Präsidenten politisierte, habe ihn bestürzt.

Wilson: «Ich bin ein Rockstar!»

Tatsächlich machte sich Wilson angreifbar, als sie sich später kichernd darüber freute, dass der Präsident auf ihre Worte reagierte. «Das ist irre. Jetzt muss ich meinen Kindern sagen, dass ich ein Rockstar bin!»

(Quelle: Youtube/David Rutz)

Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass Kelly ihr eine irrige Unterstellung gemacht hatte, und ging zum Gegenangriff über. Der Ex-General sei bloss Trumps Sprachrohr und «würde irgendetwas sagen, um seinen Job zu retten».

In der Folge hagelte es Kommentare pro und kontra Wilson, typischerweise entlang den üblichen politischen Frontlinien. Die Kontroverse wird fortdauern.

Myeshia Johnson im Interview:

(Quelle: ABC News/Good Morning America)

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