Beim Turnunterricht - An einer Westschweizer Schule sind innerhalb von einem Jahr zwei Kinder gestorben
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Beim TurnunterrichtAn einer Westschweizer Schule sind innerhalb von einem Jahr zwei Kinder gestorben

Eine Zwölfjährige verstarb, nachdem sie zusammengebrochen war. Bereits vor einem Jahr war es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Die Behörden untersuchen den Tod.

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Der tödliche Unfall ereignete sich am Moudon College.

Der tödliche Unfall ereignete sich am Moudon College.

DR
Die Gemeinde liegt im Kanton Waadt, rund 26 Kilometer nördlich von Lausanne an der Kantonsgrenze zu Freiburg.

Die Gemeinde liegt im Kanton Waadt, rund 26 Kilometer nördlich von Lausanne an der Kantonsgrenze zu Freiburg.

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Das Mädchen war beim Turnunterricht zusammengebrochen und musste notfallmässig ins Spital gebracht werden.

Das Mädchen war beim Turnunterricht zusammengebrochen und musste notfallmässig ins Spital gebracht werden.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • In der Westschweizer Gemeinde Moudon ist es zu einem tragischen Unfall gekommen: Ein zwölfjähriges Mädchen starb beim Sportunterricht.

  • Die Todesursache ist unklar. Es ist aber bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres , dass ein Kind an der Schule verstirbt.

  • Beide Fälle ereigneten sich rund um den Turnunterricht. Lokale Eltern kritisieren die Kommunikation der Schule scharf.

Eine Schülerin ist am Montag während des Turnunterrichts in der Waadtländer Gemeinde Moudon, rund 26 Kilometer nördlich von Lausanne, zusammengebrochen. Das zwölfjährige Mädchen wurde daraufhin notfallmässig in das Universitätsspital Lausanne gebracht, wo es kurze Zeit später verstarb. Der Fall schockiert die Region. Ein Nachbar der betroffenen Familie schildert sichtlich schockiert, wie er vom Fall hörte: «Als ich nach Hause kam, standen mehrere Polizeibeamte da. Ich hatte nicht den Mut, sie zu fragen. Eine andere Nachbarin erzählte mir dann, was vorgefallen war.» Der Vater eines Kindes zeigt sich schockiert: «Mein Sohn geht auf eine andere Schule, aber wenn er auf dieselbe gegangen wäre wie unsere Nachbarin, hätte ich ihm verboten, in den Turnunterricht zu gehen.»

An der betroffenen Schule war es schon vergangenes Jahr zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Ein anderer betroffener Vater erklärt: «Ich versuche einen kühlen Kopf zu bewahren, aber ich hoffe, dass wir nicht jedes Jahr solche schlimmen Ereignisse durchleben müssen. Ich habe meiner jüngsten Tochter erklärt, dass sie das Recht hat, vom Laufband abzusteigen, wenn sie sich erschöpft fühlt.»

«Wir sind alle von dieser Tragödie betroffen»

Yves Cavin, Leiter der Sekundarschule Moudon-Lucens bestätigt den tödlichen Vorfall. «Zuerst möchte ich mein Beileid an die Familie und die Kameraden der verstorbenen Schülerin ausdrücken. Ihr Tod ist eine Tragödie, auch für die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer in unserer Einrichtung. Wir haben sämtliche Massnahmen in die Wege geleitet, damit die Betroffenen in geschützten Räumen trauern und sich von ihrer Mitschülerin verabschieden können.»

Eine angekündigte Untersuchung (siehe Infobox) soll nun Klarheit bringen. «Es stimmt, dass unsere Schule bereits zum zweiten Mal von einer solchen Tragödie betroffen ist», fährt der Schulleiter fort. Bereits im Oktober 2020 war es zu einem tödlichen Unfall im Rahmen des Sportunterrichts gekommen. Dieser Todesfall wurde damals auf natürliche Ursachen zurückgeführt. Wir wissen noch nicht, wie es zum jetzigen Tod kommen konnte. Der Turnunterricht ist völlig normal abgelaufen. Was man bisher sagen kann, ist aber, dass alles getan worden ist, um dem Mädchen zu helfen. Das gesamte Lehrpersonal, der Gesundheitsdienst der Schule sowie die Schulleitung zeigen sich alle zutiefst betroffen von dieser Tragödie.»

Auch Giancarlo Valceschini von der Bildungsdirektion des Kantons Waadt zeigt sich betroffen. «Glücklicherweise sind Fälle, bei dem eine Schülerin oder ein Schüler während des Sportunterrichts verstirbt, äusserst selten. Der Tod eines Schülers, auch wenn er ausserhalb der Schulzeit eintritt, hat jedoch erhebliche Auswirkungen sowohl auf seine Mitschüler als auch auf das Lehrpersonal. Die Behörden sind auf den Umgang mit solchen Krisensituationen vorbereitet. Es handelt sich um äusserst tragische Ereignisse für die betroffenen Familien, die Schulkameraden und für das gesamte Bildungswesen. Ich möchte Ihnen allen meine Unterstützung ausdrücken.»

Ungenügender Informationsfluss

Im Dorf und der Region zeigen sich die Eltern verstört über den Fall. Es gehen Gerüchte rum, wonach die Behörden zuerst nur äusserst spärlich informiert hätten. Am Mittwoch war der Stadtammann von Lucens beispielsweise noch immer nicht darüber informiert worden, dass es in der gemeinsam mit Moudon gebildeten Schulgemeinde zu einem tödlichen Unfall gekommen war. «Es war nichts in der lokalen Presse, nichts auf Facebook… Es schien, als hätten wir es mit einem komplett neuen Phänomen zu tun», äussert sich eine Person. Seitdem wurden die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sowie das Personal informiert. Der Schulleiter verteidigt sich: «Meine Türe steht immer offen und alle Beteiligten stehen den Eltern immer zur Verfügung.»

Untersuchung zu Todesumständen

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Waadt hat die Eröffnung einer Ermittlung in der Sache angekündigt. «Der Tod eines zwölfjährigen Mädchens könne nicht ohne Weiteres als natürlich betrachtet werden», erklärt Eric Cottier von der Behörde, auch wenn der Fall «nicht wirklich verdächtig» erscheine. Eine Obduktion, deren vollständige Ergebnisse noch nicht bekannt sind, wurde angeordnet. Sollte sich herausstellen, dass eine Herzinsuffizienz die Todesursache war, also eine natürliche Ursache, würde das Verfahren beendet.

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