Sicherheit an Perrons: An Schweizer Bahnhöfen kommt es immer wieder zu Kinderwagen-Unfällen

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Sicherheit an PerronsAn Schweizer Bahnhöfen kommt es immer wieder zu Kinderwagen-Unfällen

Die Kinderwagen-Tragödie von Wangen an der Aare ist nicht das erste Unglück dieser Art. Nun geht eine Debatte um die Sicherheit der Perrons los. 

von
Lynn Sachs
Michelle Ineichen
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Die Trauer um das verstorbene Mädchen in Wangen an der Aare ist gross.

Die Trauer um das verstorbene Mädchen in Wangen an der Aare ist gross.

20min/zst
Es war nicht das erste Zugunglück mit einem Kinderwagen.

Es war nicht das erste Zugunglück mit einem Kinderwagen.

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Im Oktober 2017 stürzte ein Kinderwagen am Bahnhof Stadelhofen aufs Gleis. Anwesende konnten das Kind wieder aufs Perron ziehen, bevor der Zug einfuhr. (Symbolbild)

Im Oktober 2017 stürzte ein Kinderwagen am Bahnhof Stadelhofen aufs Gleis. Anwesende konnten das Kind wieder aufs Perron ziehen, bevor der Zug einfuhr. (Symbolbild)

Tamedia/Urs Jaudas

Darum gehts

  • Ein Kleinkind ist am Freitag bei einem Zugunglück ums Leben gekommen.

  • In der Vergangenheit sind in der Schweiz mehrfach Kinderwagen auf Gleise gefallen.

  • Auf Social Media wird nun diskutiert, ob unsere Perrons genügend sicher sind.

Ein Kinderwagen fiel am Freitag mit einem Kleinkind am Bahnhof in Wangen an der Aare auf das Gleis. Das Mädchen verstarb noch an der Unfallstelle. Es war nicht die erste solche Tragödie in der Schweiz:

• 2015 spielten sich am Bahnhof Kloten ähnliche Szenen ab. Während die Mutter ein Ticket an einem Automaten löste, geriet der Kinderwagen ins Rollen. Das einjährige Kind wurde von einem durchfahrenden Güterzug erfasst und verstarb später im Spital.

• 2017 fiel ein Kinderwagen mit einem vier Monate alten Mädchen beim Bahnhof Stadelhofen auf das Gleis 1. Die 34-jährige Mutter wollte ebenfalls an einem Automaten ein Billett lösen. Mehrere Passantinnen und Passanten, die den Vorfall beobachtet hatten, reagierten sofort und zogen den Kinderwagen mit dem darin liegenden Mädchen vom Gleis weg zurück auf das Perron. Keine Minute später fuhr ein Zug ein. Das Mädchen blieb unverletzt.

• Im Jahr 2008 zermalmte eine S-Bahn in Möhlin AG einen Kinderwagen. Das Baby trug, wie durch ein Wunder, nur eine Beule am Kopf davon. 

Diskussion um Sicherheitsmassnahmen am Perron

Bereits nach dem tödlichen Unfall von 2015 wurden Stimmen laut, die vermehrt Warndurchsagen an den Bahnhöfen forderten. Auf Social Media fordern mehrere Personen Massnahmen an den Bahnhöfen. «Um so etwas zu verhindern, könnte man die Perrons leicht aufsteigend bauen», schreibt etwa ein User. Jemand anderes findet, man solle mit Warnschildern auf die Gefahren am Perron hinweisen.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) äussert sich nicht zum konkreten Fall. Bereits seien aber verschiedene Massnahmen zur Sicherheit von Reisenden auf Perrons umgesetzt, so BAV-Sprecherin Olivia Ebinger. «Dazu gehören etwa weisse Linien, die den minimalen Abstand zum Perronrand markieren, genügend Fläche als Wartebereich bei ein- oder durchfahrenden Zügen und entsprechende bauliche Ausführungen am Perron, die die Sicherheit erhöhen.»

Ob nach dem Vorfall vom Freitag noch weitere Massnahmen nötig sind, sei unklar. «Das Bundesamt für Verkehr wird nach Abschluss der Untersuchungen der Polizei prüfen, ob es weitere Massnahmen braucht.» Gleich klingt es bei den SBB. 

Sicherheit am Perron

Damit die Sicherheit der Passagierinnen und Passagiere gewährleistet ist, empfehlen die SBB folgende Massnahmen am Perron:

  • Warten Sie so weit vom Gleis entfernt wie möglich – mindestens hinter den drei weissen Linien.

  • Stellen Sie den Kinderwagen parallel zum Gleis ab und arretieren Sie die Bremsen. 

  • Behalten Sie Kinder je nach Alter an der Hand oder im Auge. 

  • Herumrennen oder Herumfahren mit Kindervelos, Trottis oder Skateboards ist nicht gestattet.

  • Falls Gegenstände auf oder neben die Gleise fallen sollten, lassen Sie diese dort liegen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Kind verloren?

Hier findest du Hilfe:

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Himmelskind.ch, für Akuthilfe und Trauerbegleitung

SIDS, nach plötzlichem Kindstod

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Mein-Sternenkind.ch, für betroffene Väter, Familien, Angehörige

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Appella, Telefon- und Onlineberatung bei früher Fehlgeburt

Pro Pallium, Trauergespräche und Trauertreffen

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

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