An Spitzenmedizin wird weiter herumgedoktert
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An Spitzenmedizin wird weiter herumgedoktert

Heute ist die Spitzenmedizin über das ganze Land verteilt. Eine Konzentration soll die Kosten senken und die Qualität erhöhen, darin sind sich alle einig. Aber wo soll welche Leistung angeboten werden? Und wer entscheidet darüber?

Im Streit um die Spitzenmedizin zeichnet sich im Grundsatz eine Einigung ab. Das von der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) vorgeschlagene Konkordat stösst bei den Kantonen auf Zustimmung.

Die Details bleiben aber umstritten. Wollen die Kantone verhindern, dass der Bund entscheidet, müssen sie sich auf eine gemeinsame Planung einigen.

Ein erster Versuch scheiterte 2005 am Widerstand des Kantons Zürich, der eine noch stärkere Konzentration der Spitzenmedizin forderte. Der neue Vorschlag der GDK, zu dem sich die Kantone bis Ende Jahr äussern können, stösst in den wesentlichen Punkten auf Zustimmung.

Es sei kein Widerstand gegen das Konkordat zu erwarten, sagte Carlo Conti, Basler Regierungsrat und ab 2008 GDK-Vizepräsident. Bei einigen Punkten werde es aber noch Diskussionen geben.

Nicht nur Universitätsspitäler

Gemäss dem neuen Vorschlag würden Eingriffe wie Herzoperationen, Lebertransplantationen und Protonentherapien künftig «in wenigen universitären oder multidisziplinären Zentren» durchgeführt. Beim Entscheid, welche Leistungen wo angeboten werden, erhalten fachliche Aspekte mehr Gewicht: Das politische Entscheidorgan soll sich auf die Arbeit eines Expertenorgans stützen müssen.

Damit ist auch der Kanton Zürich grundsätzlich einverstanden. Er möchte allerdings die Spitzenmedizin auf die Universitätsspitäler beschränken und die nicht-universitären Zentren ausschliessen.

Die Kantone mit solchen Zentren - etwa der Kanton Aargau mit dem Paul Scherrer Institut, das Protonentherapien durchführt, oder der Kanton Luzern mit dem Paraplegikerzentrum - dürften damit nicht einverstanden sein.

Der Kanton Luzern bevorzuge die Formulierung der GDK, sagte Hanspeter Vogler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Gesundheitsdepartements. Welche Leistungen nicht-universitäre Zentren anbieten dürften, sei nach Ansicht der Luzerner Regierung im Einzelfall zu entscheiden.

Exakte Definition

Umstritten ist auch, wie Spitzenmedizin definiert werden soll. Während die Kantone Zürich und Basel verlangen, dass die Leistungen präzisiert werden, stellt sich der Kanton Waadt gegen eine starre Definition. Die Liste müsse laufend der medizinischen Entwicklung angepasst werden können, schreibt die Waadtländer Regierung in ihrer Vernehmlassungsanwort.

Von allen Seiten begrüsst wird der Beizug von Experten. Der Kanton Zürich möchte deren Rolle noch stärken: Er fordert, dass das politische Beschlussorgan sich strikt an die Anträge des Fachorgans zu halten hat.

Mangelnde Unabhängigkeit

Die Kantone Genf und Waadt werfen die Frage nach der Unabhängigkeit der Experten auf. Die Fachpersonen seien alle mit einem Spital verbunden, gibt die Genfer Regierung zu bedenken. Die Waadtländer Regierung fordert aus diesem Grund, dass ausländische Experten beigezogen werden.

Die Berner Regierung möchte nicht nur Experten, sondern auch brauchbare Entscheidgrundlagen: Für eine Zuteilung der Spitzenmedizin auf einzelne Zentren müssten Daten vorliegen, die nach denselben Kriterien erfasst würden.

Eine weitere Sorge betrifft die Ausbildung der Ärzte. Die Interessen der Lehre seien zu berücksichtigen, hält die Berner Regierung fest. Der Kanton Waadt möchte festlegen, dass der Zugang zu bestimmten Ausbildungen auch Ärtzen aus Kantonen ohne entsprechendes Zentrum offen sein muss. Die Anworten einiger Kantone sind noch ausstehend. (sda)

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