Aktualisiert 13.01.2016 18:15

Dr. MuscleAnabolika lassen die Hoden schrumpfen

Spritzt sich ein Mann Testosteron, führt dies im Körper zu einer Gegenregulation – mit drastischen Folgen. Dr. Muscle über die Risiken von Doping.

von
gss
Anabolika lässt Männern Brüste wachsen, kann zu Haarausfall führen und auch Zeugungsunfähigkeit ist nicht selten. Bodybuilders show their muscles at the the FIBO World Fair for Fitness, Wellness and Leisure in Essen, Germany, Saturday, April 24, 2004.  (AP Photo/Martin Meissner)

Anabolika lässt Männern Brüste wachsen, kann zu Haarausfall führen und auch Zeugungsunfähigkeit ist nicht selten. Bodybuilders show their muscles at the the FIBO World Fair for Fitness, Wellness and Leisure in Essen, Germany, Saturday, April 24, 2004. (AP Photo/Martin Meissner)

Keystone/AP/Martin Meissner

Anabolika lohnen sich nicht

Aus allen bisherigen Kolumnen zum Thema Anabolika sollte sich bereits klar die Erkenntnis herausgeschält haben, dass der Konsum von Anabolika zwecks Steigerung der Leistungsfähigkeit im Sport (Doping) und/oder zwecks Bodystyling keine nachhaltige Perspektive mit sich bringt. Anders gesagt, kann aus dem meist illusorischen Traum vom «perfekten» Körper schnell ein Albtraum werden. Dies wird noch klarer, wenn man sich die gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen von Anabolikakonsum vor Augen führt. Er führt im Körper nämlich zu einer Vielzahl von chemischen Kettenreaktionen (Stoffwechselvorgängen), die unkontrollierbar und somit mit unvorhersehbaren Folgen für das Individuum verbunden sind.

Die Hormonkonzentrationen in unserem Körper sind im Normalfall auf eine relativ enge Bandbreite eingestellt. In der Tat handelt es sich bei vielen Hormonsystemen im Körper um Regelkreise mit negativer Rückkoppelung. Kurz gesagt wird die entsprechende Hormonkonzentration im Körper erfasst und mit dem eingestellten Sollwert verglichen. Liegt die Hormonkonzentration beispielsweise höher als der Sollwert, so versucht der Körper, die unnatürlich hohe Hormonkonzentration mit allen Mitteln zu reduzieren. Führt ein Mann also von aussen Unmengen an Testosteron zu, so führt dies im Körper unweigerlich zu einer Gegenregulation: Erstens reduziert der Körper die eigene Produktion von Testosteron in den Hoden. Diese ist nach spätestens drei Wochen beinahe auf null geschrumpft. Schrumpfen tun dann mit der Zeit auch die Hoden, ein Vorgang, den man Hodenatrophie nennt. Zusammen mit anderen Vorgängen führt dies zu einer Reduktion der Spermienzahl, einer veränderten Form (Morphologie) und einer verminderten Funktion (z. B. verminderte Mobilität) der Spermien. Je nach Lebensalter des Konsumenten, Dauer der Verabreichung und Art der verwendeten Anabolika kann dies zu einer möglicherweise irreversiblen Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit führen. Zweitens wird die Verstoffwechselung von Testosteron zu Östrogen und 5a-Dihydrotestosteron erhöht. Beim Mann kann dies zum Wachstum der Brustdrüsen (Gynäkomastie), Haarausfall auf dem Kopf und Hautveränderungen (Akne) führen.

Aufgrund der Tatsache, dass sich Anabolika eben nicht spezifisch auf die Skelettmuskeln auswirken, sondern in allen Geweben und Organen Wirkung entfalten können, wo es entsprechende Rezeptoren hat, ist mit einer Reihe von anderen Risiken und Nebenwirkungen zu rechnen, u. a. Lebererkrankungen, Leberkrebs, Herz-Kreislauf-Probleme, Schlaganfall, Wachstumsstörungen bis hin zum Wachstumsstopp bei Jugendlichen, pathologische Veränderungen der Prostata, Zysten an der Gebärmutter, Schrumpfen der Brüste (Frauen), Zunahme der Körperbehaarung (Frauen und Männer) sowie Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsstörungen.

Wem diese Gründe noch nicht reichen: Auch das Spritzen ins Muskelgewebe hat schwerwiegende Folgen. Dazu in der nächsten

Kolumne mehr.

Weitere Informationen finden Sie in dem Flyer «Bodytuning – Die Risiken» der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs.

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Universitätsklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Dozent für Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

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