Aktualisiert 15.12.2015 12:09

Dr. Muscle

Anabolika schädigen die Gesundheit langfristig

Der Trend hin zu Doping nimmt zu. Krebs oder Unfruchtbarkeit sind aber nur ein paar Beispiele der Langzeitfolgen, die durch den Konsum entstehen können.

von
gss
Mit Anabolika die eigene Genetik verändern wollen: Eine sehr schlechte Idee mit gravierenden Folgen, meint Dr. Muscle.

Mit Anabolika die eigene Genetik verändern wollen: Eine sehr schlechte Idee mit gravierenden Folgen, meint Dr. Muscle.

Es scheint, als ob immer mehr Menschen – fern vom Leistungssport – mit Hilfe von Medikamenten versuchen, «optimale »Körperformen oder eine bessere geistige Fitness zu erlangen. Doping, das wird klar, ist ein Phänomen, das nunmehr die gesamte Gesellschaft durchdringt.

Unter dem Begriff Anabolika versteht man generell Substanzen, die dem Körper mit der Absicht zugeführt werden, aufbauende Prozesse auszulösen, zu verstärken und gleichzeitig abbauende Prozesse zu hemmen. Anabolika können daher im Hinblick auf bestimmte physiologische Eigenschaften einen leistungssteigernden Effekt erzeugen. Zu den prominentesten Vertretern der Anabolika gehören die androgen-anabolen Steroide (AAS) und das Wachstumshormon (engl. growth hormone, GH). AAS sind synthetische Derivate des männlichen Hormons Testosteron. Je nach chemischer Struktur entfalten sie im Körper mehr vermännlichende (androgene) und/oder mehr (muskel-)aufbauende (anabole) Effekte.

Dass Anabolika nun auch in die breitere Fitness-Szene Einzug halten, ist nicht weiter erstaunlich. Das mögliche Phänomen stützt vielmehr die wissenschaftliche Datenlage, wonach die Gains beim Muskel- und Kraftaufbau primär genetisch kontrolliert sind. In diesem Sinne kann man den Konsum von Anabolika als Versuch sehen, sich von diesen genetischen Fesseln zu befreien. Dieser Versuch ist aber von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn während die möglichen aufbauenden beziehungsweise leistungssteigernden Effekte beim Anabolikakonsum Wochen nach der Absetzung wieder schwinden, können irreversible, schwerwiegende Gesundheitsschäden zurückbleiben.

Dies betrifft zwar in erster Linie direkt die Anabolika-Konsumenten, aber nicht nur: Eine unsachgemässe Handhabung und Applikation beim Konsum von Anabolika kann unter Umständen auch das nähere Umfeld ungewollt hormonell beeinflussen (zum Beispiel die Freundin/den Freund oder Kinder). Zudem können gewisse mögliche Langzeitfolgen (Krebs, Unfruchtbarkeit) auch das persönliche Umfeld arg in Mitleidenschaft ziehen.

Nein, Fairness ist im Bereich des Muskel- und Kraftaufbaus sicher kein Naturprinzip – und ja, der Glaube an die kontrollierte und unbegrenzte Manipulierbarkeit des menschlichen Körpers ist ein Irrglaube. In diesem Sinne: Viele Wege führen nach Rom, manche münden jedoch in eine dunkle Sackgasse. Darum: Check yourself before you wreck yourself!

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Universitätsklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Dozent für Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

Weitere Informationen finden Sie in dem Flyer «Bodytuning – Die Risiken» der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.