Aktualisiert 22.01.2016 09:57

Dr. Muscle

Anabolika-Spritzen können zu Lungenembolie führen

Von diesen Risiken ist fast nie die Rede: Dabei kann das Spritzen ins Muskelgewebe zu ebenso gravierenden Notfällen führen wie der Stoff selber.

von
gss
Wer regelmässig mit Spritzen hantiert, risikiert schwerwiegende Folgen: Muskelabszesse, Verkalkungen, Nervenschäden oder sogar Embolien.

Wer regelmässig mit Spritzen hantiert, risikiert schwerwiegende Folgen: Muskelabszesse, Verkalkungen, Nervenschäden oder sogar Embolien.

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Nicht nur das Schrumpfen der Hoden und die Beeinträchtigung der Spermien sind Folgen von Anabolika. Aufgrund der Tatsache, dass sich Anabolika eben nicht spezifisch auf die Skelettmuskeln auswirken, sondern in allen Geweben und Organen Wirkung entfalten können, wo es entsprechende Rezeptoren hat, ist auch mit einer Reihe von Risiken und Nebenwirkungen zu rechnen, u. a. Lebererkrankungen, Leberkrebs, Herz-Kreislauf-Probleme, Schlaganfall, Wachstumsstörungen bis hin zum Wachstumsstopp bei Jugendlichen, pathologische Veränderungen der Prostata, Zysten an der Gebärmutter, Schrumpfen der Brüste (Frauen), Zunahme der Körperbehaarung (Frauen und Männer) sowie Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsstörungen.

Natürlich gibt es Schlaumeier, die versuchen, die Risiken und Nebenwirkungen von Anabolika zu minimieren, indem Sie Medikamente zu sich nehmen, welche den genannten Prozessen entgegenwirken sollten. Dabei handelt es sich meist um Substanzen, die in der Therapie gegen Brustkrebs und in der Fortpflanzungsmedizin eingesetzt werden. Hierbei wird oft ausgeblendet, dass diese Medikamente auch Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen und dass es aufgrund der unbekannten biologischen Komplexität völlig vermessen ist zu glauben, man könne die Wirkung solcher Substanzmischungen kontrollieren.

Auch das Spritzen selber ist gefährlich

Neben den Risiken und Nebenwirkungen, die entstehen, wenn sich die Substanzen schliesslich im Körper befinden, gibt es auch Risiken, die mit der unsachgemässen Handhabung und Verabreichung einhergehen. Von diesen Risiken ist praktisch nie die Rede, obwohl sie sehr wohl auch gravierende Auswirkungen haben können. Viele Anabolika müssen nämlich durch Spritzen ins Muskelgewebe verabreicht werden. Bei unfachmännischer Handhabung kann es zu Spritzenabszessen, Absterben von Muskelgewebe, Verkalkungen von Muskel- und Fettgewebe, Nervenschäden, einer Lungenembolie, kleinsten Hirnembolien, Verletzungen von Blutgefässen und Blutungen etc. kommen.

Und der Konsum von Anabolika ist nicht unbedingt eine persönliche Angelegenheit. Die Risiken und Nebenwirkungen beschränken sich nämlich nicht zwingend nur auf den Konsumenten. Eine unsachgemässe Handhabung und Applikation beim Konsum von Anabolika kann sich hormonell unter Umständen sehr wohl auch ungewollt negativ auf das nähere Umfeld (z. B. die Freundin, den Freund oder auch die Kinder) auswirken, z. B. durch Kontakt an Stellen auf der Haut, an denen die Hormonpflaster, -gels oder Spritzen angewendet wurden und auf deren Oberfläche sich noch Hormonrückstande befinden.

Weitere Informationen finden Sie in dem Flyer «Bodytuning – Die Risiken» der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs.

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Universitätsklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Dozent für Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

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