IP statt Wählscheibe: Analogtelefon vor dem Aus – das müssen Sie wissen
Aktualisiert

IP statt WählscheibeAnalogtelefon vor dem Aus – das müssen Sie wissen

Bald soll nur noch übers Internet telefoniert werden. Alles Wichtige zur Umstellung und warum die Gnadenfrist für analoge Telefone vielleicht doch noch verlängert wird.

von
F. Lindegger
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Das Wählscheibentelefon hat bald ausgedient.

Das Wählscheibentelefon hat bald ausgedient.

Keystone/Peter Klaunzer
Bald kann nur noch über das Internet Protokoll (IP) telefoniert werden. Viele Kunden benutzen diese Technologie aber bereits heute. Etwa, wer ein Kombiangebot mit TV, Festnetz und Internet hat.

Bald kann nur noch über das Internet Protokoll (IP) telefoniert werden. Viele Kunden benutzen diese Technologie aber bereits heute. Etwa, wer ein Kombiangebot mit TV, Festnetz und Internet hat.

Keystone/Walter Bieri
Oder wer Kunde bei einem Kabelnetzbetreiber ist.

Oder wer Kunde bei einem Kabelnetzbetreiber ist.

Keystone/Ennio Leanza

Worum geht es genau?

In der Schweiz werden das analoge Festnetz und ISDN durch die Internettelefonie (IP) ersetzt. Die Swisscom will bis Ende 2017 die Umstellung vollzogen haben. Sunrise hält bis mindestens 2021 am analogen Angebot fest. Als Gründe für die Umstellung nennen die Telekomfirmen, dass die Hersteller die analoge Technologie nicht weiterentwickelten oder dass mit der Umstellung auf IP Festnetz, TV, Handy und Internet alle mit derselben Technologie betrieben werden. Das mache den Betrieb effizienter.

Wer ist von der Umstellung betroffen?

Viele Privatkunden benutzen bereits heute Internettelefonie. Etwa wer ein Kombiangebot mit TV, Festnetz und Internet eines grossen Telekomanbieters nutzt oder Kunde eines Kabelnetzbetreibers ist. Laut Swisscom telefonieren heute mehr als die Hälfte der Kunden über IP. Swisscom erwartet, dass bis Ende Jahr rund drei Viertel ihrer Kunden Internettelefonie nutzen werden. Sunrise teilt mit, dass der «grösste Teil» ihrer Kunden bereits auf IP umgestellt habe.

Mein Telefon ist analog. Was muss ich tun?

Nichts. Die Telekomanbieter werden die Kunden im Vorfeld der Umstellung kontaktieren oder haben das bereits getan. Wer Alarmanlagen oder Haustechnikgeräte besitzt, die am Telefonnetz angeschlossen sind, oder Eigentümer eines Hauses mit Lift ist, sollte sich zudem mit den Herstellern sowie seiner Telekomfirma in Verbindung setzen. Auch diese Geräte sind von der Umstellung betroffen.

Brauche ich für Internettelefonie neue Geräte?

Fast alle Telefone funktionieren auch mit IP-Telefonie. Ausnahmen sind Geräte mit Wählscheibe oder Tastentelefone ohne *- und #-Taste. Laut der Stiftung für Konsumentenschutz können diese Apparate mit speziellen Konvertern aber weiterhin genutzt werden. Swisscom rät allerdings von solchen Konvertern ab. Wer einen analogen Anschluss nutzt, benötigt allenfalls einen Router. Die Swisscom gibt diese gratis an ihre Kunden ab. Privatkunden von Swisscom und Sunrise müssen zudem ihre ISDN-Geräte ersetzen. Lifttelefone, Alarmanlagen, Überwachungskameras und andere Geräte, die ans Telefonnetz angeschlossen sind, müssen ausgetauscht oder umgerüstet werden.

Was geschieht künftig bei einem Stromausfall?

Ein Analogtelefon funktioniert auch bei einem Stromausfall. Anders sieht es bei der Internettelefonie aus: Der Router benötigt Strom, sonst kann nicht telefoniert werden. Das mobile Netz soll künftig als Absicherung für die Internettelefonie dienen. Die meisten Handyantennen sind mit Batterien ausgerüstet, damit sie im Falle eines Stromausfalls für eine gewisse Zeit weiterhin funktionieren.

Wird die Gnadenfrist für analoge Telefone noch verlängert?

Telekomexperte Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Verivox geht davon aus, dass die Swisscom den Termin für die Umstellung von Ende 2017 verschieben wird. «Swisscom hat sich lange nicht um Spezialfälle wie Lifttelefone gekümmert. Zudem wird es schwierig sein, ältere Leute innerhalb von kurzer Zeit zum Umstellen zu bewegen», erklärt Beyeler. Swisscom-Sprecher Supp Huber erklärt, dass die Kunden schriftlich und wenn nötig telefonisch und mehrfach auf die Umstellung hingewiesen werden. Und: «Wir stellen das analoge Netz am 1. Januar 2018 nicht einfach ab.» Man werde aber den Support für das analoge Netz einstellen und bei der Abschaltung schrittweise vorgehen.

Was sagt die Politik?

Widerstand gegen die Pläne von Swisscom gibt es von politischer Seite. Joachim Eder, FDP-Ständerat und Vorstand des Hauseigentümerverbands, fordert vom Bundesrat, dass er die Swisscom zur Ausweitung der Übergangsfrist bis 2022 verpflichtet. Der Ständerat hat das Postulat von Eder gutgeheissen. Nun muss der Bundesrat prüfen, ob die Umstellung gesetzlich geregelt werden soll oder ob eine andere Massnahme nötig ist.

Die Stiftung für Konsumentenschutz hat weitere wichtige Infos zum Aus des analogen Festnetzes in einem Merkblatt zusammengefasst.

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