Aktualisiert 08.12.2011 17:56

Versuchter Anschlag

Anarchisten bekennen sich zu Briefbombe

Die Briefbombe, die an den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann adressiert war, stammt von italienischen Linksextremisten. Es wird befürchtet, dass noch weitere Bomben im Umlauf sind.

Joe Ackermann entging offenbar nur knapp einem Anschlag.

Joe Ackermann entging offenbar nur knapp einem Anschlag.

Italienischen Linksextremisten haben sich nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Hessens zum versuchten Anschlag gegen den Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann bekannt. Die Briefbombe wurde am Mittwoch entdeckt und konnte rechtzeitig entschärft werden.

Dem Brief habe ein Bekennerschreiben einer Gruppe namens «FAI» - Federazione Anarchica Informale beigelegen, teilte das LKA am Donnerstag mit.

Der Verfasser spreche von «drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger». Demnach muss davon ausgegangen werden, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten, warnte das LKA.

Bombe war echt

Die am Mittwoch in Frankfurt abgegebene verdächtige Postsendung an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war ersten Untersuchungen zufolge eine funktionsfähige Briefbombe. Dies teilten die Frankfurter Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt des Bundeslandes Hessen am Donnerstag mit.

Details wollte das Landeskriminalamt des Bundeslandes Hessen am Donnerstag nicht nennen. Ein Polizeisprecher sagte nur, es deute nichts auf einen «gewerblichen oder militärischen Sprengstoff hin», sondern auf «Eigenbau», etwa aus Feuerwerkskörpern. Die Behörden haben keine Hinweise, wer hinter der Sendung stehen könnte.

Der verdächtige Umschlag war am Mittwochnachmittag den Sicherheitsleuten der Deutschen Bank in der Routine-Überprüfung des Posteingangs aufgefallen. Ackermann hielt sich zu der Zeit offenbar gar nicht in der Bank auf.

Mehr Schutz für Ackermann

Der Schock ist dennoch gross: «Einen solchen Anschlagsversuch auf Ackermann gab es noch nie», sagte ein Banker des Finanzhauses. In letzter Zeit habe die Zahl der Drohungen gegen Ackermann massiv zugenommen - vor allem auch im Internet.

Ackermann, der den Chefsessel der Bank im kommenden Jahr verlässt, gilt für viele in Deutschland als das Gesicht des Kapitalismus. Auch als Vorsitzender der internationalen Bankenvereinigung IIF ist der frühere Credit-Suisse-Mann in der Euro- Schuldenkrise in den Medien stark präsent. Sein Einsatz für die Belange der Finanzbranche macht ihn immer wieder zur Zielscheibe von Kritik.

Künftig werde der Top-Banker voraussichtlich stärker und offensichtlicher als bisher von Leibwächtern beschützt, betonte der von der Nachrichtenagentur Reuters kontaktierte Insider. Ackermann werde sich nicht zurückziehen und weiter öffentlich auftreten.

Bankengegner distanzieren sich

Vom Anschlagsversuch auf den Top-Banker distanzierte sich am Donnerstag die bankenkritische Bewegung Occupy. «Wir verurteilen jegliche Aktionen, die irgendwie mit Gewalt zu tun haben», hiess es bei der Organisation, die seit dem 15. Oktober in einer Grünanlage im Frankfurter Bankenviertel ein Protestcamp errichtet hat.

Auch die Globalisierungskritiker von Attac wollen mit Anschlägen nichts zu tun haben. «Es gibt bei uns einen ganz klaren Konsens: Von uns geht keine Gewalt aus», sagte eine Attac-Sprecherin.

Die Deutsche Bank als grösstes deutsches Geldhaus war zuletzt zu Zeiten der Roten Armee Fraktion (RAF) Ziel von Anschlägen. Der frühere Bankchef Alfred Herrhausen wurde im November 1989 von der RAF im Auto nahe seines Hauses in der Umgebung von Frankfurt getötet. Die Gruppe hatte eine Bombe am Strassenrand platziert. (dapd)

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