Körperspende: «Anatomie anderen damit näherbringen»
Aktualisiert

Körperspende«Anatomie anderen damit näherbringen»

Der Zürcher Pierce Wyss ist einer von 53 Schweizern, die sich entschlossen haben, ihren Körper Gunther von Hagens zu spenden.

von
Regina Ryser

10 216 Menschen weltweit möchten nach ihrem Tod in «Körperwelten» ausgestellt werden – 53 davon sind Schweizer. Einer von ihnen ist der Zürcher Pierce Wyss: «Die Ausstellung wird die innere Schönheit meines Körpers zeigen – das ist Kunst.» Der 40-jährige Serviceangestellte hat sich schon vor Jahren entschieden, seinen Körper dem Plastinator Gunther von Hagens für ­seine Ausstellung zur Verfügung zu stellen. «Ich ­habe ‹Körperwelten› schon in ­Basel besucht und war beeindruckt.» Die Idee, dass sein Körper nicht einfach ­verbrannt oder begraben, sondern «recycelt» werde und anderen Menschen Anatomie näherbringen könne, reize ihn.

Eine Organspende dagegen wäre für Wyss nicht in Frage gekommen: «Ich bin nicht sicher, ob ein Loslassen möglich wäre, wenn ein Teil von mir in jemand anderem weiterleben würde.» Und wie hat sein Umfeld die geplante Körperspende aufgenommen? «Mein Lebenspartner ist davon mässig begeistert. Er würde mich in der Ausstellung nicht wiedererkennen wollen», sagt er. In welcher Pose Wyss den Besuchern gezeigt werden möchte, weiss er nicht, aber: «Ich finde den ­Sexualakt extrem schön.»

Acht neue Spender gefunden

40  000 Personen haben die Ausstellung der plastinierten Körper im Puls 5 seit dem 11. September gesehen. «Wir sind zufrieden – vor allem am Wochenende hat es sehr viele Besucher», sagt Sprecherin Marina Kirschbaumer. Aufgrund der Zürcher Ausstellung, die noch bis im Februar 2010 ­dauert, haben sich bereits acht Personen gemeldet, die ihren Körper nach dem Ableben plastifizieren lassen möchten. Insgesamt wollen 26 Männer und 27 Frauen aus der Schweiz ihren Körper spenden. Am meisten Spendewillige (8681) hat Von Hagens in Deutschland gefunden, danach folgen US-Amerikaner (988) und Österreicher (187). Als Beweggrund nennen 22% der künftigen Spender die Absicht, «einem guten Zweck zu dienen». 7% geben an, sie würden durch die Spende Beerdigungskosten sparen wollen. Das Durchschnittsalter der Spendewilligen beträgt 56 Jahre, der älteste ist 99 Jahre alt.

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