Südafrika: ANC-Konkurrenzpartei vor der Gründung
Aktualisiert

SüdafrikaANC-Konkurrenzpartei vor der Gründung

In Südafrika haben sich tausende Menschen zum Gründungskonvent einer neuen Oppositionspartei versammelt, die sich vom regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) abspalten will.

Der Anführer und frühere Verteidigungsminister Mosiuoa Lekota eröffenete die Veranstaltung am Samstag in Johannesburg mit dem traditionellen ANC-Schlachtruf «Macht».

Über 7000 Menschen waren in die Wirstchaftsmetropole gereist, um sich an den Diskussionen über das Parteiprogramm zu beteiligen. Offiziell soll die Partei, die noch keinen Namen hat, am 16. Dezember aus der Taufe gehoben werden.

Die Zahl der Teilnehmer übertraf deutlich die Erwartungen der Veranstalter. Ein Drittel von ihnen könne den Konvent nur über eine Video-Leinwand von einem Stadion aus verfolgen, sagte die Sprecherin der Organisatoren, Carin van den Heever. Die Delegierten werden während zwei Tagen unter anderem über Sozialpolitik debattieren.

Direktwahl des Präsidenten

Zahlreich Redner kritisierten den ANC. Vom Verrat der demokratischen Ideale war die Rede, für die einst Südafrikas erster schwarzer Präsident, Nelson Mandela, gestanden habe. Machtarroganz der Regierenden sei weit verbreitet; eine kleine Minderheit nehme das Land als Geisel für ihre Interessen, hiess es.

Zu den wichtigsten Forderungen zählt eine Überarbeitung des Wahlsystems, das bisher keine Direktwahl des Präsidenten vorsieht. Er wird von der Regierungspartei bestimmt. In rund einem halben Jahr finden die nächsten Parlamentswahlen statt.

Radikaler Bruch

Mit der Spaltung der ältesten Befreiungsbewegung Afrikas steht das südafrikanische Parteiensystem vor einem radikalen Bruch. Der knapp hundertjährige ANC dominiert die Politik des Landes seit dem Ende der Apartheid 1994 und kontrolliert derzeit zwei Drittel des Parlaments.

Der erzwungen Rücktritt von Staatschef Thabo Mbeki im September durch Anhänger des neuen Parteichefs Jacob Zuma hatte das Auseinanderbrechen der Partei beschleunigt. Mbeki kündigte am Freitag an, keinen Wahlkampf für den ANC betreiben zu wollen.

Die ANC wird besonders von Südafrikanern der neuen schwarzen Mittelschicht zunehmen kritisiert, auch weil sich die Partei immer stärker links politisiert. Zuma hat dennoch beste Chancen, nach den Wahlen neuer Präsident Südafrikas zu werden. Er steht jedoch im Rufe, arrogant, frauenfeindlich und korrupt zu sein.

Mehrere Verfahren, unter anderem ein Prozess wegen Vergewaltigung, überstand er ohne Strafe - entweder wurde er freigesprochen oder die Ermittlungen wurden gestoppt. Zuma geniesst vor allem in der armen Bevölkerung und bei Gewerkschaftern hohes Ansehen.

(sda)

Deine Meinung