Aktualisiert 27.01.2015 07:27

Kollaps in «Tagesschau»

Andere Sender sind auf solche Pannen vorbereitet

Das SRF entschied nach dem Kollaps von Moderatorin Cornelia Boesch, die «Tagesschau» abzubrechen. Bei der Konkurrenz hätte man weitergesendet.

von
Monika Rufener
1 / 7
Sende-Abbruch bei Moderations-Ausfall während der Sendung? Bei der ARD undenkbar. «Sollte die Sprecherin/der Sprecher (aus welchem Grund auch immer) während der Sendung ausfallen, werden alle Texte vom sogenannten Off-Sprecher gelesen, der normalerweise nur die Texte der Kurzfilme aus dem Off live spricht», erklärt «ARD-Aktuell» Chefredaktor Kai Gniffke gegenüber 20 Minuten.

Sende-Abbruch bei Moderations-Ausfall während der Sendung? Bei der ARD undenkbar. «Sollte die Sprecherin/der Sprecher (aus welchem Grund auch immer) während der Sendung ausfallen, werden alle Texte vom sogenannten Off-Sprecher gelesen, der normalerweise nur die Texte der Kurzfilme aus dem Off live spricht», erklärt «ARD-Aktuell» Chefredaktor Kai Gniffke gegenüber 20 Minuten.

Keystone/AP/Dirk Uhlenbrock
Die Off-Stimme tritt dafür nicht ins Bild:« Stattdessen werden die Illustrationen der einzelnen Meldungen im Vollbildmodus gezeigt», so Gniffke. Die Sendung wird aber zu Ende gefahren.

Die Off-Stimme tritt dafür nicht ins Bild:« Stattdessen werden die Illustrationen der einzelnen Meldungen im Vollbildmodus gezeigt», so Gniffke. Die Sendung wird aber zu Ende gefahren.

Keystone/AP/Fabian Bimmer
Auch bei den österreichischen Kollegen ist man gewappnet: «Bei uns gibt es immer wieder Besprechungen vom Chef vom Dienst und Moderatoren, wie man mit solchen Situationen denn umzugehen hätte oder umgehen könnte», erläutert ORF TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher, denn: man möchte auch im Notfall «ein rasches und professionelles Reagieren ermöglichen».

Auch bei den österreichischen Kollegen ist man gewappnet: «Bei uns gibt es immer wieder Besprechungen vom Chef vom Dienst und Moderatoren, wie man mit solchen Situationen denn umzugehen hätte oder umgehen könnte», erläutert ORF TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher, denn: man möchte auch im Notfall «ein rasches und professionelles Reagieren ermöglichen».

Keystone/AP/Thomas Ramstorfer

Was Cornelia Boesch in der «Tagesschau»-Hauptausgabe vom Sonntagabend widerfahren ist, gehört wohl zu den Horror-Szenarien einer jeden Moderatorin. Mitten in der Sendung wird es der 39-Jährigen schwarz vor Augen. Sie muss die Sendung aufgeben. Kurz darauf wurden Landschaftsaufnahmen der Schweiz gezeigt mit dem Hinweis «Die Ausstrahlung der geplanten Sendung ist zurzeit nicht möglich». Die Tagesschau wurde abgebrochen.

«Wir wussten ja nicht, wie es Cornelia Boesch geht»

Kurz nach dem Sendeabbruch wurde auf den sozialen Plattformen gerätselt: Warum hat nicht Sascha Ruefer die Tagesschau zu Ende geführt? Sollte das Schweizer Fernsehen für solche Situationen nicht einen stichfesten Notfallplan haben? «Wir mussten sehr schnell eine Entscheidung fällen. Der Produzent teilte Sascha Ruefer mit, dass er mit dem Sport-Block weiterfahren soll», erklärt «Tagesschau»- Redaktionsleiter Urs Leuthard 20 Minuten. Im Studio habe nach dem Zusammenbruch kurz Verwirrung geherrscht. «Wenn eine Moderatorin einfach zusammenklappt, ist es natürlich eine kritische Situation. Wir wussten ja nicht, wie es Cornelia Boesch geht.»

Notfallplan ja, aber nur für Ausfälle vor der Sendung

Notfallpläne hat das SRF zwar, jedoch nur für Ausfälle, die vor der Live-Sendung passieren. «Cornelia Boesch fiel während der Live-Sendung innert Sekunden aus. In dieser Situation konnten wir keinen Ersatz mehr organisieren», berichtigt Leuthard. Wäre Boesch kurz vor der Sendung umgekippt, hätte Wasiliki Goutziomitros die Hauptausgabe übernommen. Goutziomitros war als Moderatorin der Spätausgabe der Tagesschau bereits vor Ort.

Hätte sich Boeschs Ausfall schon früher während des Tages abgezeichnet, hätte man Franz Fischlin aufgeboten. Ein Moderationsersatz während der Live-Sendung ist also bei der «Tagesschau» nicht vorgesehen? «Wenn wir für solche Situationen, in denen eine Moderatorin während der Sendung ausfällt, jederzeit einen Ersatz aufstellen würden, müssten wir jeden Tag noch einen Back-up-Moderator aufbieten. Das scheint mir nicht machbar», meint Leuthard.

Bei ARD und ORF ist man vorbereitet

Dass ein solcher Zwischenfall jedoch nicht einen Abbruch der Live-Sendung zur Folge haben muss, beweist die Konkurrenz aus dem Ausland. «Bei der Tagesschau in Hamburg gibt es für solche Fälle ein Havarie-Szenario: Sollte die Sprecherin/der Sprecher (aus welchem Grund auch immer) während der Sendung ausfallen, werden alle Texte vom sogenannten Off-Sprecher gelesen, der normalerweise nur die Texte der Kurzfilme aus dem Off live spricht», erklärt Kai Gniffke, Chefredaktor von «ARD-aktuell», 20 Minuten. «Dafür wechselt der Off-Sprecher nicht ins Bild. Stattdessen werden die Illustrationen der einzelnen Meldungen im Vollbildmodus gezeigt. Auf diese Weise würde die Sendung dann zu Ende gefahren.»

Auch beim Österreichischen Rundfunk ist man auf solche Szenarien vorbereitet. «Während der Hauptnachrichtensendungen haben wir meist – auch kurzfristig – eine Moderatoren-Alternative vor Ort», so ORF-TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher. Zugute kommt «Zeit im Bild» (ZIB) jedoch auch, dass jeweils im Doppel moderiert wird. Sollte es trotzdem zu Zwischenfällen kommen, ist man gewappnet. «Bei uns gibt es immer wieder Besprechungen vom Chef vom Dienst und von Moderatoren, wie man mit solchen Situationen denn umzugehen hätte oder umgehen könnte», erklärt Dittlbacher, denn: Man möchte auch im Notfall «ein rasches und professionelles Reagieren ermöglichen».

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.