Dicke Luft: Andermatt könnte grossen Investor verlieren

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Dicke LuftAndermatt könnte grossen Investor verlieren

Skistar legt die geplante Mega-Investition ins Skigebiet auf Eis. Andermatt-Bergbahn-Präsident Franz Steinegger fand keine Zeit für Sitzungen.

von
Lukas Hässig und Elisabeth Rizzi
Das Gross-Projekt in Andermatt droht zu scheitern. (Bild: ASA)

Das Gross-Projekt in Andermatt droht zu scheitern. (Bild: ASA)

Skistar, eine grosse Nummer im globalen Ski-Infrastruktur-Business, ist beim grossen Andermatt-Ausbau vorerst nicht mehr dabei.

Das bestätigt Ex-Projektleiter Benno Nager gegenüber 20 Minuten Online. «Skistar hat das Investitionsversprechen, das bis Ende 2011 schriftlich vorlag, nicht erneuert. Für mich ist das Projekt damit gelaufen.»

Aus Schweden tönt es gleich. «Der ist am 31. Dezember 2011 abgelaufen und wird nicht erneuert», sagt der CEO von Skistar, Mats Arjes, in einer E-Mail-Antwort auf Anfrage. «Wir glauben nach wie vor, dass dieses Projekt viel für sich hat, aber es braucht eine Lösung der lokalen Themen, bevor wir ein weiteres Engagement erwägen würden.»

Spielverderber Franz Steinegger

Vor Ort, wo der Wintereinfall das Dorf Andermatt von der Umwelt in diesen Tagen abschneidet, herrscht erbitterter Streit. Auf der einen Seite kämpft der frühere FDP-Präsident und bekannte «Katastrophen»-Franz Steinegger um seinen Einfluss. Steinegger ist Präsident der defizitären Andermatt Gotthard Sportbahnen (AGS), die im Schweden-Projekt zur Juniorpartnerin würde. Auf der anderen Seite stehen Benno Nager und ein paar Hoteliers, die auf die Schweden setzen.

Es geht um Geld und Macht. Das in die Jahre gekommene Skigebiet von Andermatt im Kanton Uri soll mit jenem aus dem Bündnerischen von Sedrun durch eine «grosse Schaukel» verbunden werden: eine lange Bahn, die das Wechseln von einem zum anderen Skigebiet ermöglichen würde.

Mit einer umfassenden Erneuerung in Andermatt hätten die gesamten Investitionen ursprünglich auf 200 Millionen Franken zu stehen kommen sollen. Später wurde abgespeckt.

Nun sollte der Bund 50 Millionen beisteuern, davon 40 Millionen in Form von zinslosen Darlehen. Von Skistar wären zusammen mit dem ägyptischen Hotel- und Ferienwohnungs-Investor Sawiris 40 Millionen gekommen, die restlichen 40 Millionen hätten Banken als Kredite geben müssen respektive wären durch die Mehr-Einnahmen aus einer ersten Etappe gedeckt gewesen.

«7 Mal sagte Steinegger Sitzung ab»

Ex-Projektleiter Benno Nager ist überzeugt, dass dank der Etappierung mit einer ersten Phase über 4 Jahre und 50 Millionen Investitionen das Risiko für alle Investoren gerechtfertigt wäre. «Alle Beteiligten in den Kantonen zogen mit uns am gleichen Strick in die gleiche Richtung, alle freuten sich auf das Projekt. Nur Steinegger und seine AGS legten sich quer.»

7 Mal habe man eine Sitzung mit Steinegger und der AGS abgemacht, 7 Mal sei kurzfristig abgesagt worden, sagt Nager.

Dem widerspricht der angeschossene Franz Steinegger. «Wir und die Schweden sprachen mehrmals über das Projekt», sagt Steinegger. Es sei um die Finanzierbarkeit gegangen. Diese sei in der früheren Form nicht gegeben gewesen. «Mit meinem Widerstand kriegte ich zu 80 Prozent recht.»

In der ursprünglichen Gross-Variante sei vom Kanton ein Beitrag von 80 Millionen erwartet worden. Das sei «schlicht unrealistisch» gewesen, meint Steinegger. «Ergo war klar, dass man das Projekt anpassen musste. Das passiert jetzt.»

Für Hotelier ist Schweden-Exit ein «Fiasko»

Im Dorf Andermatt ist die Aufregung gross. Ein Hotelier spricht von einem «Fiasko». «Mit der Desinteresse-Erklärung der Schweden landen wir wieder auf Feld eins», sagt der Mann. «Jetzt dauert es Jahre, bis wir mit einem neuen Projekt an den Start gehen können. Das kann sich Andermatt nicht leisten.»

Steineggers Kritiker leisten im Aktionariat der AGS Widerstand. Steinegger bezeichnet die Gruppe als kleine, aggressive Minderheit. «Die Leute vertreten weniger als 1 Prozent der AGS, haben bei Kapitalerhöhungen nie mitgemacht. Wir aber haben in den letzten Jahren 10 Millionen Bankkredite zurückbezahlt und sind in einer schwierigen Lage, anständig über die Runden gekommen.»

Um Machterhalt gehe es ihm nicht. «Das ist es nicht wert zu diskutieren», sagt Steinegger. «Ich kann morgen loslassen und habe mir das angesichts des heftigen Widerstands auch schon überlegt. Aber ein Rücktritt von mir und den Kollegen im AGS-Verwaltungsrat wäre ein fatales Zeichen für den laufenden Häuser- und Wohnungsverkauf in Andermatt.»

Er sehe gar nicht schwarz, meint Steinegger. «Es braucht jetzt noch ein paar Gesprächsrunden und einen sauberen Businessplan, dann können wir ein Projekt mit rund 130 Millionen stemmen.»

Der bisherige Projektleiter Benno Nager, der viel Zeit und eigenes Geld in den grossen Modernisierungsschub im zurückgebliebenen Andermatt investiert hatte, wäre dann wohl nicht mehr dabei. Er ist skeptisch. Der Ball liege nun bei der Urner Regierung. Diese will offenbar bald sagen, wie es in Andermatt weitergehen soll.

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