Skigebiet-Erweiterung: Andermatts Pläne stehen vor dem Aus
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Skigebiet-ErweiterungAndermatts Pläne stehen vor dem Aus

In Andermatt liegen die Nerven blank. Es wird darum gekämpft, dass die schwedischen Investoren für den gigantischen Ausbau des Skigebiets nicht abspringen. Die Zeit drängt.

von
Elisabeth Rizzi
Der Richtplan zeigt, was für ein gigantisches Skigebiet-Projekt in Andermatt-Sedrun entstehen soll.

Der Richtplan zeigt, was für ein gigantisches Skigebiet-Projekt in Andermatt-Sedrun entstehen soll.

Die Luft in Andermatt ist dieser Tage zum Schneiden dick. Der Grund: Man fürchtet um die über zehn Jahre geplante Erweiterung und Verbindung des Skigebietes mit Sedrun. Zwar haben sich laut Insiderkreisen gestern die vier beteiligten Parteien Andermatt Gotthard Sportbahnen (AGS), Andermatt Swiss Alps (ASA), Sedrun Bergbahnen und der schwedische Investor Skistar auf einen Investitionsplan für die erste Realisierungsetappe geeinigt.

Dem war ein langes Ringen vorangegangen. Denn die Bergbahnenbetreiberin AGS hatte das geplante Projekt als zu gross kritisiert. Nun sollen in einer ersten Bauetappe bloss 7 statt 17 Lifte realisiert werden.

Kampf um Businessplan

«Das Problem ist aber, dass die Parteien sich noch nicht auf den Businessplan für diese erste Phase einigen konnten», sagt Projektleiter Benno Nager. Da stelle sich die AGS noch immer quer. Konkret geht es darum, wo welche Investitionen in welcher Reihenfolge getätigt werden sollen. Zur Diskussion steht ein Volumen von 130 Millionen Franken. «Es ist tatsächlich so, dass die Beteiligten noch nicht alle Beschlüsse gefasst haben, damit das Projekt weiter bearbeitet werden kann», bestätigt ASA-Geschäftsführer Gerard Jenni.

Ob es bald dazu kommt, ist fraglich: Am Samstag führt die AGS ihre Generalversammlung durch. Hier wollen Geschäftsführer Erich Megert und Verwaltungsratspräsident Franz Steinegger die Aktionäre davon überzeugen, dass nur eine nachhaltige Entwicklung in Frage komme; sprich ein massiv redimensionierter Ausbau.

«Wir stellen uns nicht gegen das Projekt. Aber der Teufel liegt im Detail. Wir können nichts unterschreiben, was auf Angaben beruht, hinter denen wir nicht stehen können», sagt Megert. Solange nicht klar sei, dass die Nachhaltigkeitsforderungen von AGS berücksichtigt würden, werde AGS nicht verbindlich ihre Teilnahme am Projekt zusagen.

Worst-Case-Szenario

Problematisch ist das für die anderen Projekt-Parteien, weil die AGS einen wichtigen Teil der Bergbahnkonzessionen im fraglichen Gebiet besitzt und somit ein Ausbau ohne die AGS nicht möglich ist. «Stellt sich AGS zu lange quer, besteht die Gefahr, dass Skistar als Investor abspringt», warnt Nager. Und das wäre verheerend. «Wenn Skistar abspringt, wäre es ein schlechtes Szenario: Man braucht Investoren für Bergbahnen. Denn in Andermatt gibt es keine Alternative zu einem angemessenen Ausbau des Skigebietes. Es wäre also das Worst Case Szenario», sagt der Luzerner Touristik-Professor Urs Wagenseil. Für ihn ist klar, dass auch das gigantische Resort-Projekt von Samih Sawiris gefährdet ist, wenn nicht kräftig genug in die Bergbahnen investiert wird.

«Festzuhalten bleibt, dass Andermatt als Skigebiet in den letzten Jahren Frequenzen verloren hat. Das ist nicht zuletzt das Resultat von nicht getätigten nötigen Investitionen», so Wagenseil. Tatsache sei aber auch, dass die AGS nicht die finanzielle Kraft habe, irgend etwas weiter zu entwickeln. Die Gesellschaft steht derzeit mit fast drei Millionen Franken in der Kreide.

Nachhaltigkeit als erste Priorität

Entsprechend blank liegen die Nerven bei den Aktionären der AGS. Sie fordern an der morgigen Versammlung der AGS Klarheit über die Zukunft. «Der Verwaltungsrat muss endlich Farbe bekennen. Denn gehen die Schweden, bleibt der Ausbau des Skigebiets Nätschen – Dieni wahrscheinlich Vision», schrieb eine Aktionärsgruppe neulich in einem Leserbrief in der Neuen Luzerner Zeitung.

Bei Skistar sind derweil warnende Zwischentöne zu vernehmen. CEO Mats Årjes sagt: «Wir erachten dieses Projekt noch immer als realisierbar für Skistar. Sollte Skistar innerhalb angemessener Zeit eine Gelegenheit angeboten, sich zu beteiligen, werden wir das ernsthaft erwägen.» Er fügt aber auch an, man habe eine Absichtserklärung mit ASA unterzeichnet, die am 31. Dezember 2011 ablaufe.

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