Event-Ikone verrät: So könnte das Blue Balls Festival doch noch überleben

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Event-Ikone verrätSo könnte das Blue Balls Festival doch noch überleben

Das Aus des Blue Balls könnte vielleicht noch überdacht werden. Event-Urgestein André Bechir bietet nun seine Unterstützung an. Allerdings würden einige Änderungen nötig.  

von
Daniela Gigor
Vanessa Federli
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Das Blue Balls Festival wird wegen Erkrankung von Urs Leierer nicht mehr weitergeführt.  

Das Blue Balls Festival wird wegen Erkrankung von Urs Leierer nicht mehr weitergeführt.  

www.luzern.com
Dies ist ein grosser Verlust für das kulturelle Angebot in Luzern. 

Dies ist ein grosser Verlust für das kulturelle Angebot in Luzern. 

BlueBalls/ Facebook
Urs Leierer veranstaltete das Blue Balls seit 30 Jahren. 

Urs Leierer veranstaltete das Blue Balls seit 30 Jahren. 

Wikimedia Commons/ CC-BY-SA-4.0

Darum gehts

  • Nach dem Aus des Blue Ball Festivals wird dies rundum bedauert. 

  • André Bechir, der erfolgreichste und erfahrenste Konzertveranstalter der Schweiz ist der Meinung, dass es trotzdem weitergehen könnte. 

  • Aber er sagt auch, dass die Organisation zwingend anders aufgegleist werden müsste. 

Am Dienstag musste Festivaldirektor Urs Leierer bekannt geben, dass er aus gesundheitlichen Gründen das Blue Balls Festival nicht mehr in der gewohnten Form weiterführen kann, was formell das Aus für den Event rund um das Luzerner Seebecken bedeutet. Bei Luzern Tourismus wird das Aus sehr bedauert. Tourismusdirektor Marcel Perren sagt: «Das Blue Balls Festival gehörte zu den Top-Events in Luzern und war sehr etabliert. Es war einer der wichtigsten Anlässe. In den Sommermonaten hat der Anlass sehr viele Leute von nah und fern angezogen. Wir hoffen natürlich auf ein qualitativ hochstehendes Folgeprojekt.» Aus touristischer Sicht sei es wichtig, dass Luzern einzigartige Events biete. «Wir verdanken Herrn Leierer unter anderem die weltberühmten Acts, die er nach Luzern gebracht hatte», so Perren weiter.

Ähnlich klingt es beim Hotel Schweizerhof, welches jeweils die Künstler beherbergte: «Es ist schade, dass es nicht weitergeht, weil wir immer gerne Teil von schönen Events sind», sagt Gian Walker, Mitglied der Geschäftsleitung. Ob das Festivalhotel selber als Veranstalterin in die Bresche springen könnte, wurde intern noch nicht diskutiert. Beim Verein Luzerner Blues Session, welcher laut Handelsregister für die Organisation und Durchführung des Festivals verantwortlich zeichnet, heisst es, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass weiterhin kleinere Blue Balls Festivals oder Blue Balls Nights stattfinden könnten. 

«Leierers Herz und seine Seele müssten präsent bleiben» 

André Bechir, Organisator von über 6000 Veranstaltungen. 

André Bechir ist der Meinung, dass das Blue Balls trotz gesundheitlicher Probleme Leierers nicht sterben müsste: «Das Blue Balls hat seinen Platz gefunden und sich auch einen Namen geschaffen. Mit Leierer fand das Blue Balls einen Wegbereiter, der das Festival international positionieren konnte» Damit das Blue Balls am Leben erhalten werden könnte, müsste Leierer laut Bechir mit im Boot bleiben. «Er müsste gar nicht immer im Vordergrund stehen. Sein Herz und seine Seele müssten aber präsent bleiben», so Bechir weiter. 

Laut Bechir ist das Business mit Festivals sehr schwierig, weil es bekanntlich viele davon gibt und jeder einen Headliner benötigt. Bechir: «Urs Leierer hat mit seinen neuen Acts und bekannten Grössen im Musikgeschäft einen Mix massgeschneidert, der passte.» Obwohl das Geschäft immer härter werde, müsste es mit dem schönen Saal im KKL und der Location direkt am See möglich sein, das Festival erfolgreich weiterzuführen. Urs Leierer ist es gelungen eine Festivalmix von etablierten und jungen Künstlern zusammenzustellen.

«Ich würde mich gerne für das Festival gegenüber den Behörden einbringen, nicht aber finanziell beteiligen.»

André Bechir 

Das Blue Balls sei von Leierer personalifiziert. Doch dies sei bei jedem Festival der Fall, wie etwa Montreux zeige. Trotzdem gibt es auch ein wenig Kritik aus dem Mund des erfahrenen Konzertveranstalters: «Leierers Fehler war, dass er niemanden nachgezogen hatte, der das Festival in seinem Sinne weiterführen kann.» Zum Finanziellen kann sich Bechir nicht äussern. Aber er sagt: «Die Ausgangslage ist nicht einfach, insbesondere, weil auch die Politik involviert ist. Die Stadt als Gastgeber und das KKL mit seiner Stiftung. Für ein Überleben sind auch die Stadt und die Wirtschaft gefordert, damit das Festival eine Zukunft hat.» 

Auf die Aufgabe des Vereins angesprochen, kann sich Bechir nicht äussern. Er würde allerdings die Gründung einer Festivalstiftung ins Auge fassen, welche sich auch finanziell am Anlass beteiligt, wie etwas Nestlé in Montreux. Bechir ist mit Leierer im Gespräch und er würde ihn für eine Rettung des Blue Balls moralisch unterstützen: «Ich kann nur als André Bechir reden und ich würde mich gerne für das Festival gegenüber den Behörden einbringen, nicht aber finanziell beteiligen. Ich finde, das Festival hat seinen Platz gefunden, die Organisation müsste aber zwingend anders aufgegleist werden. 

André Bechirs berufliche Laufbahn

André Bechir ist der erfolgreichste und erfahrenste Konzertveranstalter der Schweiz. So war er von 1972 bis 2013 Geschäftsführer von Good News Production, International. Bechir organisierte bis heute über 6000 Veranstaltungen und brachte Weltstars wie etwa die Rolling Stones mehrmals in die Schweiz. Er wurde zweimal als bester Veranstalter Europas und 2016 mit dem Life Time Award ausgezeichnet. Von 2013 bis 2019 war er Geschäftsführer von abc Production AG, welche 2020 mit Gadget fusionierte. Bechir ist auch heute noch aktiv für Gadget als Senior Advisor tätig.   

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