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«1000 Franken für seinen Namen»Andreas Glarner setzt Kopfgeld auf Cyber-Mobber aus

Hassnachrichten und Drohungen: Nationalrat Andreas Glarner erreichen auf Instagram täglich Beleidigungen. Nun möchte er die Identität eines Users ausfindig machen, der ihm mit Gewalt gedroht hat.

von
Michelle Muff
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Nationalrat Andreas Glarner wird täglich mit Cybermobbing konfrontiert. 

Nationalrat Andreas Glarner wird täglich mit Cybermobbing konfrontiert.

PARLAMENTSDIENSTE
«Mich beschimpfen auf Social Media fast täglich Personen als Arschloch oder Rassist», so der Nationalrat. 

«Mich beschimpfen auf Social Media fast täglich Personen als Arschloch oder Rassist», so der Nationalrat.

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Die meisten Nachrichten ignoriert Glarner. 

Die meisten Nachrichten ignoriert Glarner.

Tamedia AG

Darum gehts

  • SVP-Nationalrat Andreas Glarner erhält auf Social Media zahlreiche beleidigende Kommentare.

  • In einem Fall wurde ihm Gewalt angedroht.

  • Um den User ausfindig zu machen, setzt Glarner eine Belohnung von 1000 Franken aus.

«Ich erhalte auf Social Media viele beleidigende Kommentare wie ‹Arschloch› oder ‹Rassist›», erzählt Nationalrat Andreas Glarner gegenüber 20 Minuten. Solche Kommentare interessierten ihn in der Regel nicht, er ignoriere diese einfach. Manchmal seien unter den Nachrichten in seinem Postfach aber auch Drohungen dabei – so wie diese Woche. Ein User schrieb Glarner mit einem Fake-Profil: «Wenn wir uns mal begegnen, kannst du nur noch beten, dass du heil nach Hause kommst.»

Für Glarner stellt ein solcher Kommentar eine klare Grenzüberschreitung dar: «Sobald mir jemand mit Gewalt droht, hört der Spass auf.» Der Politiker möchte nun die Identität des Users ausfindig machen, um eine Strafanzeige gegen den Cybermobber einreichen zu können. Am Donnerstag hat er deshalb einen Screenshot des Chatverlaufs auf Facebook veröffentlicht. Dazu kommentierte er: «Werde von diesem Typen belästigt. Für seinen Namen und Adresse setze ich eine Belohnung von 1000 Franken aus. PN an mich.»

«Es sieht danach aus, dass wir ihn haben.»

Die Aussicht auf einen finanziellen Zustupf scheint die Leute motiviert zu haben. Wie Glarner sagt, haben zahlreiche Personen reagiert: «Innerhalb eines Tages haben mir rund 50 Leute geschrieben, die mir Hinweise zur Person hinter dem anonymen Konto geliefert haben.» Bis jetzt sei er noch gar nicht nachgekommen, sich alle Nachrichten durchzulesen – aber: «Es sieht danach aus, dass wir seine Identität ausfindig machen konnten.»

Der nächste Schritt sei nun die Strafanzeige – und natürlich die Überweisung der Belohnung. «Die Person, welche mir zuerst den Namen geschrieben hat, wird die Belohnung erhalten.» Mit dem anonymen User habe er keinen Kontakt mehr gehabt.

«Konflikte sollte man nicht über Social Media austragen»

Fabian Ilg, Sprecher der Schweizerischen Kriminalprävention, gibt eine Einschätzung zum Fall von Glarner – und erklärt, was man im Fall von Cybermobbing machen sollte.

Geht der Fall von Glarner unter Cybermobbing?

Im vorliegenden Fall finden sich höchstwahrscheinlich strafbare Handlungen. Es liegt jeweils aber – falls Strafanzeige eingereicht wird – in der Beurteilung der verantwortlichen Strafverfolgungsbehörden, dies zu beurteilen. Für Personen des öffentlichen Lebens dürften die objektiven Tatbestandsmerkmale vielleicht anders gewertet werden. Die infrage kommenden Strafartikel werden in leichten Fällen zum Teil nur auf Antrag verfolgt.

Wie sollte man auf Hassnachrichten reagieren?

Das kommt darauf an, ob sich Täter und Opfer kennen. Wir empfehlen nie, den Konflikt über soziale Medien auszutragen. Falls sich Täter und Opfer kennen, kann ein klärendes Gespräch helfen.

Sollte man als Privatperson Strafanzeige einreichen, wenn man Opfer von Cybermobbing wird?

Cybermobbing ist ein rechtlich schwierig zu beurteilender Begriff. Dauern die Beleidigungen oder Beschimpfungen über einen längeren Zeitraum an, empfehlen wir, den Kontakt mit der zuständigen Kantonspolizei aufzunehmen. Diese hat je nach Fall die Möglichkeit, die Täter im Sinne einer sekundärpräventiven Massnahme anzusprechen.

Bist du oder jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Pro Juventute, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

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