Aargauer Musiker verklagte den Hardliner - SVP-Glarner soll wegen übler Nachrede 15’000 Franken zahlen
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Aargauer Musiker verklagte den HardlinerSVP-Glarner soll wegen übler Nachrede 15’000 Franken zahlen

Weiteres Kapitel in einem langen Rechtsstreit zwischen SVP-Nationalrat Andreas Glarner und einem Wettinger Musiker: Der Politiker wurde per Strafbefehl wegen übler Nachrede verurteilt, was ihn nun 3000 Franken Busse und 12’000 Franken Geldstrafe kosten könnte.

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Andreas Glarner erhielt einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten.

Andreas Glarner erhielt einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten.

Foto Dubler
Glarner eckte schon mehrmals mit provokativen Aussagen an.

Glarner eckte schon mehrmals mit provokativen Aussagen an.

Raphael Moser/Tamedia AG

Darum gehts

  • Vor drei Jahren wurde der Musiker Reto Spörli wegen scharfer Kritik an Nationalrat Andreas Glarner (SVP) verurteilt.

  • Spörli rekurrierte mit Erfolg gegen den Strafbefehl. Weil Glarner diesen bereits auf Facebook gepostet hatte, obwohl er noch nicht rechtskräftig war, zeigte er den Politiker seinerseits an.

  • Nun wurde Glarner wegen übler Nachrede verurteilt. Auch dieser Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.

Weil er Glarner auf Facebook unter anderem als «infantilen Dummschwätzer», «dummen Menschen» und «üblen, verlogenen Profiteur» bezeichnet hatte, wurde der Musiker Reto Spörli aus Wettingen AG 2018 von der Staatsanwaltschaft Baden verurteilt. Dies kostete der angegriffene SVP-Politiker auf seinem eigenen Profil aus und postete den Strafbefehl auf seinem Account. «Es ist unglaublich», schrieb er am 17. Juli im Post. «Der gleiche Reto Spörli, welcher öffentlich über mich her zog (und dafür auch erstinstanzlich verurteilt wurde), schreibt nun in einem Leserbrief von ‹Verrohung des Umgangs› und es sei die SVP, die den politischen Gegner ‹sofort persönlich angeht, verunglimpft, verhöhnt›. Urteilen Sie selbst, geschätzter Leser…)».

Doch nun erwies sich der Post mit dem Titel «Die Stunde der Heuchler» als Bumerang. Die Krux für den SVP-Mann: Zum Zeitpunkt des Postings war der Strafbefehl noch nicht rechtskräftig. Wie die «Aargauer Zeitung» am Donnerstag berichtet, hat Spörli den zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftigen Strafbefehl angefochten – und bekam recht. Glarner zog den Fall weiter, doch auch das Aargauer Obergericht stützte den Entscheid.

Unklar, ob Glarner Entscheid anficht

Da sich Spörli also offiziell nicht strafbar gemacht hatte, wurde Glarner nun seinerseits dafür verurteilt, den nicht rechtsgültigen Strafbefehl öffentlich gemacht zu haben: Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten befand den Hardliner für seinen «ehrverletzenden Post» der üblen Nachrede schuldig und verknurrte ihn ebenfalls per Strafbefehl vom 2. September zu einer Busse von 3000 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 12’000 Franken. Glarner könne diesen innert zehn Tagen anfechten, heisst es im Bericht weiter. Ob er dies tut, wollte Glarner der «Aargauer Zeitung» nicht mitteilen. Sein Anwalt wolle die Sache nun prüfen.

Allerdings kritisierte Glarner wiederum Spörli, der dasselbe tat wie er selbst und seinerseits am vergangenen Sonntag die Verurteilung Glarners publik machte. Kurz darauf entfernte Spörli den angehängten Strafbefehl gegen Glarner aber «präventiv» wieder von Facebook. Angst vor einer Verurteilung deswegen scheint der Musiker nicht zu haben: Laut seinen Aussagen hatten den Post bis dahin bloss zwei Personen gesehen. Zudem sei er keine Person des öffentlichen Interesses – und habe auf Facebook explizit geschrieben, Glarner könne den Strafbefehl anfechten. Die Geschichte könnte also durchaus noch eine Fortsetzung finden.

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(trx)

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