«Kandidatin für die Miss-Germany-Wahl» - Andreas Glarner spottet über Aussehen von deutscher Politikerin
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«Kandidatin für die Miss-Germany-Wahl»Andreas Glarner spottet über Aussehen von deutscher Politikerin

In einem Post äussert sich SVP-Nationalrat Andreas Glarner abschätzig über das Äussere von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. User werfen ihm Sexismus vor.

von
Bettina Zanni
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In den Kommentarspalten löste SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der bis anhin vor allem bei Ausländerthemen kein Blatt vor den Mund nahm, grossen Unmut aus.

In den Kommentarspalten löste SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der bis anhin vor allem bei Ausländerthemen kein Blatt vor den Mund nahm, grossen Unmut aus.

Tamedia AG
Der Post erschien Stunden vor dem Frauenstreik am Montag.

Der Post erschien Stunden vor dem Frauenstreik am Montag.

Screenshot/Instagram
Im Zentrum standen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock …

Im Zentrum standen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock …

AFP

Darum gehts

  • SVP-Nationalrat Andreas Glarner ärgert sich in einem Post auf Social Media über die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

  • Der Vergleich, den er dabei zu Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth zieht, stösst auf heftige Kritik.

  • «Der liebe Herr Glarner outet sich nun auch noch als Sexist?», schreibt ein User.

Stunden vor dem Frauenstreik goss SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Social Media Öl ins Feuer. Im Zentrum standen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und die grüne Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. «Nachdem die Grünen Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin ernannt haben, wäre es nur konsequent, Claudia Roth als Kandidatin für die Miss-Germany-Wahl anzumelden», lautete sein Post.

In den Kommentarspalten löste der Politiker, der bis anhin vor allem bei Ausländerthemen kein Blatt vor den Mund nahm, grossen Unmut aus. «Der liebe Herr Glarner outet sich nun auch noch als Sexist?», schreibt ein User auf Facebook. Ein weiterer bezeichnet sein «frauenfeindliches Geschwätz» als «nur noch peinlich».

«Regen Sie sich über Frauen in Politik auf?»

Eine Userin Fragt: «Würden Sie so auch einen Kanzlerkandidaten und einen Politiker verunglimpfen? Wo bleiben Ihre Sprüche zu Scholz, Laschet? Oder regen Sie sich einfach darüber auf, dass es Frauen in der Politik gibt?»

Manche Empörte reagierten aber auch mit einer Retourkutsche. «Und Andreas Glarner als Mister Schweiz», schrieb ein Kritiker etwa und äusserte seinen Ekel davor mit einem kotzenden Emoji. Eine Userin doppelte nach: «Sollten Sie sich attraktiver finden als Frau Roth, da muss ich Sie enttäuschen. Da sollten Sie mal ein bisschen an Ihrem Selbstbbild arbeiten oder den Spiegel reinigen.»

«Das hat nichts mit Sexismus zu tun»

Der Politiker nimmt die Attacken gelassen. Er bleibe bei seiner Meinung, sagt Andreas Glarner auf Anfrage. «Beide Frauen sind für die jeweiligen Ämter nicht geeignet», sagt er. Annalena Baerbock würde mit ihrer extrem linken Politik als Kanzlerin Deutschland in den Abgrund reissen. «Genauso liegt auf der Hand, dass Frau Roths Aussichten bei einer Teilnahme an den Miss-Wahlen schlecht stünden.» Die Gründe für diese Prognose wollte er nicht ausführen.

Auf die Frage, ob er sich der sexistischen Wirkung bewusst sei, antwortet er: «Das hat nichts mit Sexismus zu tun. Ich habe auch schon die schlechten Zähne eines Politikers kritisiert.» Gehe es um das Aussehen einer Person, unterscheide er nicht zwischen Frauen und Männern.

Der Post ist laut Glarner auch kein Seitenhieb auf den Frauenstreik. Es sei Zufall, dass dieser fast mit dem Datum des Streiks zusammenfalle. «Unabhängig davon ist der Streik meiner Meinung nach aber mehr als unnötig.» Die Streikenden erwiesen den emanzipierten Frauen einen Bärendienst. «Anstatt zu streiken, müsste man die Arbeitgeber packen, die nicht korrekte Löhne zahlen. Da bin ich voll dabei.»

SVP-Politikerin will Glarner zur Rede stellen

Bei Frauen in den eigenen Reihen kommt der Post nicht gut an. «Man sollte generell nicht das Aussehen von Frauen bewerten – egal, was sie tun», sagt Michelle Singer, Vorstandsmitglied der SVP Frauen Kanton Bern. Sie persönlich habe Andreas Glarner noch nie sexistisch erlebt. Er sei ihr gegenüber immer sehr höflich und korrekt. «Ich staune manchmal, wenn er wieder solche Aussagen tätigt.» Das sei überraschend.

Morgen stehe an der Session in Bern ein Termin mit Glarner an, sagt Singer. «Ich werde diesen nutzen, um ihn auf den Post anzusprechen.» Sie wolle wissen, was er damit genau beabsichtigt habe. «Ob es ihm um Aufmerksamkeit ging, oder es ihm ernst ist.»

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