Andreas Meyer wird neuer SBB-Chef
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Andreas Meyer wird neuer SBB-Chef

Der Verwaltungsrat wählte den 45-jährigen heute überraschend zum Nachfolger von Benedikt Weibel. Meyer wird seinen Posten Anfang 2007 antreten. Er leitet derzeit die Deutsche-Bahn-Tochter DB Stadtverkehr GmbH. Bundespräsident Moritz Leuenberger ist zufrieden mit der Wahl .

Die Wahl von Andreas Meyer an die Spitze der SBB wird zurückhaltend kommentiert. Was von ihm zu erwarten ist, scheint offen. Die Bahngewerkschaft interpretiert die Wahl aber als Entscheid für einen Richtungswechsel.

Mit der Wahl eines externen Bewerbers habe sich der SBB- Verwaltungsrat gegen Kontinuität und für eine strategische Neuausrichtung entschieden, schreibt der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV) in seiner Mitteilung.

Erfahrung mit Gewerkschaften

Der SEV erwarte von Meyer eine konstruktive Sozialpartnerschaft. Angesichts der laufenden, schwierigen Verhandlungen zum Gesamtarbeitsvertrag werde die Beziehung zu den Gewerkschaften sehr bald auf eine Probe gestellt werden.

«Wir kennen Andreas Meyer nicht, aber er bringt aus Deutschland zweifellos Erfahrungen im Umgang mit den Gewerkschaften mit», wird SEV-Präsident Pierre-Alain Gentil zitiert. «Er hat einen Ruf als Macher-Typ; was er im sozialen Dialog zu bieten hat, werden wir sehen.»

Vertraut mit Marktöffnung

Peter Vollmer, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV), wertet die Wahl eines externen Kandidaten als Zeichen für Innovation und Veränderung. Es sei eine «interessante und gute Wahl», sagte Vollmer. Zu erwarten seien neue Impulse.

Wichtig sei, dass der neue SBB-Chef Branchenkenntnisse habe. Meyer sei zudem vertraut mit Marktöffnung, sagte Vollmer. Dies heisse aber noch nicht, dass nun bei der SBB eine grosse Restrukturierung anstehe.

Keine Zustimmung zu Stellenabbau

Verkehrsminister Moritz Leuenberger kam allfälligen Befürchtungen zuvor, die Wahl könnte zu einem Stellenabbau wie bei der Deutschen Bahn (DB) führen, bei der Meyer tätig ist. Eine Zustimmung zur Politik der DB bedeute die Wahl mitnichten, sagte Leuenberger vor Medienvertretern. Meyer habe diese Politik ja auch nicht zu verantworten.

Leuenberger zeigte sich überzeugt, dass mit Meyer eine gute Wahl getroffen wurde. Es sei ein fähiger und guter Kandidat gewählt worden, sagte er. Er selbst habe mit Meyer ein ausführliches Gespräch geführt.

Ein Kenner der Eisenbahn-Branche

Auch die Privatbahnen zeigten sich überzeugt, dass der SBB- Verwaltungsrat eine gute Wahl getroffen habe. Meyer sei ein Kenner der Eisenbahn-Branche, sagte Erwin Rutishauser, Direktor der Rhätischen Bahn (RhB). (dapd)

Lebenslauf Andreas Meyer:

Der neue SBB-Chef Andreas Meyer ist mit seiner Ernennung zum obersten Schweizer Bähnler wieder in jenem Unternehmen gelandet, wo er als Student sein erstes Geld verdient hatte. Dazwischen machte er sich in Deutschland einen Namen als Manager.

Meyer stammt aus einer Baselbieter Bähnlerfamilie. Sein Vater arbeitete als SBB-Wagenmeister sowie später als Chef der SBB- Betriebswerkstatt Muttenz. Während seiner Studienzeit jobbte Meyer als Eisenbahnwagen-Reiniger.

Nach der Matura, dem Studium der Rechtswissenschaften in Basel und Freiburg sowie dem Rechtsanwaltexamen war er zwischen 1990 und 1995 bei der ABB-Gruppe tätig. Er arbeitete als Rechtskonsulent und Rechtsanwalt beim ABB Management in Baden sowie als Projektleiter und Geschäftsleitungsassistent bei der ABB-Tochter W & E- Umwelttechnik.

1995 legte er ein Weiterbildungsjahr ein und erwarb im französischen Fontainebleau den Titel eines Masters Of Business Administration (MBA). 1996/1997 arbeitete er beim krisengeschüttelten Anlagenbauer Babcock im deutschen Oberhausen, der damals Tausende Arbeitsplätze abbauen musste.

1997 wechselte er zu seinem derzeitigen Arbeitgeber, der Deutschen Bahn AG. Bis 2003 modelte er die DB Energie GmbH von einem Verkaufskandidaten in ein rentierendes Geschäftsfeld um. Nach einem Abstecher in den Bereich Dienstleistungen wurde er Mitglied der Geschäftsleitung der DB Personenverkehr.

Vor zwei Jahren übernahm Meyer die Verantwortung für den Bereich Stadtverkehr mit 13 000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 1,8 Millarden Franken. 2005 wurden seine Leistungen mit der Aufnahme in das Executive Board, das oberste Führungsorgan der DB, honoriert.

Der 45-jährige Meyer ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 7, 8 und 9 Jahren. Wo in der Schweiz er Wohnsitz nehmen wird, wusste Meyer am Freitag noch nicht. (sda)

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