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LED-WeltneuheitAndreas und die Wunderlampe

Tüftler Andreas Grabher hat die wohl sparsamste LED-Leuchte erfunden. Sie leuchtet so hell wie eine 60-Watt-Birne. Bei Philips, Osram & Co. dürfte man sich die Haare raufen.

von
S. Spaeth

Andreas Grabher ist eine Kombination aus Thomas Edison - der 1879 die Glühbirne erfand - und Daniel Düsentrieb. Edisons Herausforderung bestand vor über hundert Jahren darin, einen Draht zum Leuchten zu bringen. Grahers Aufgabe: Er wollte eine LED-Lampe erfinden, die den Eigenschaften der verbotenen 60-Watt-Glühbirnen in Nichts nachsteht. Sein Ziel war helles, warmes Licht aus effizienter Quelle. Die auf dem Markt erhältlichen LED-Lampen erinnerten den Tüftler aber an designmässig entartete Raketen - und Sparlampen hielt der «Edison 2.0» für zu teuer verkaufte Leuchtstoffröhrentechnologie, die die Umwelt zerstört.

Der 45-jährige Österreicher, der nur wenige Meter ennet der Schweizer Grenze aufwuchs und heute in Au (SG) wohnt, begann vor fünf Jahren in nächtelanger Arbeit Lampen auseinanderzunehmen, Pläne zu zeichnen und Muster zu bauen. Die Idee des Hobby-Ingenieurs: Im Gegensatz zu normalen LED-Lampen, die nur gegen eine Richtung abstrahlen, sollte Grabhers Leuchte abstrahlen wie Edisons Glühbirne, aber ohne dabei 95 Prozent der Energie in Form von Wärme zu verpuffen.

«Ein Spinner»

Grabher präsentierte seine Ideen bei traditionellen Leuchtmittelherstellern. «Hier hat man mich aber nicht ernst genommen. Die hielten mich für einen Spinner», erzählt der Tüftler und auch bei Schweizer Entwicklungsbüros stiess Grabher auf taube Ohren. Der umtriebige Österreicher liess sich aber nicht entmutigen und zog die Entwicklung alleine durch. Er glaubte an sein Projekt und an den dafür vorhandenen Markt. In England wurden jährlich 50 Millionen 60-Watt-Birnen verkauft, in der Schweiz 15 Millionen. Grabher war überzeugt, dass ihm das bevorstehende Glühbirnen-Verbot in die Hände spielen würde.

Sein ganzes Vermögen steckte der Tüftler in die Entwicklung der Lampe. «Ich kam manchmal finanziell an die Grenze», erzählt Grabher. Es hätte immer mal wieder Zweifel gegeben, wenn bei ihm oder den beauftragen Labors in Hongkong schier unüberwindbare Hürden auftraten. In solchen Situationen rief sich der Hobby-Ingenieur - der eigentlich Maschinenmechaniker lernte und danach Jura studierte - in Erinnerung, dass auch bei Edison so mancher Draht verglühte.

«Mein Baby»

132 Jahre nach Edison ist Grabher der Durchbruch gelungen. Dem umtriebigen Tüftler steht die Freude ins Gesicht geschrieben, wenn er mit Stolz seine neuartige Leuchte präsentiert. «Sie ist mein Baby - meine Frau hat sich damit abgefunden.» Seine 3D-Bulb genannte Erfindung gibt bei 9 Watt Leistung fast doppelt so viel Licht (800 Lumen) wie eine herkömmliche LED-Lampe. Grund dafür sind die in einem 7-Eck angeordneten LED-Module.

Auch in punkto Lebensdauer soll Grabhers Lampe die Konkurrenz übertreffen: Während eine «Vergleichslampe» von Philips 20 000 Schaltzyklen vorweist - das heisst: die Lampe kann 20 000 Mal an- und ausgeknippst werden, bevor sie den Geist aufgibt -, sind es bei der 3D-Bulb 1 500 000.

Die Birne ist ausserdem viel schwerer als eine alte Glühbirne, was mit dem metallenen Kühlkörper zu tun hat. Diesen liess Grabher verchromen: «Ich wollte, dass die Lampe edel aussieht», so der Erfinder.

Was denkt die Konkurrenz?

In den nächsten Tagen kommt Grabhers Erfindung in die Fachgeschäfte und ist Online erhältlich. Mit grossen Detailhändlern steht Grabher und sein Verkaufsteam im Gespräch. Damit die Konkurrenz das Schweizer Produkt nicht kopiert - auch wenn der Tüftler einen österreichischen Pass hat, sieht er die Lampe als «Designed in Switzerland» - hat Grabher seine Erfindung international schützen lassen und für Patentanwälte einen sechsstelligen Betrag ausgegeben. Für Osram, Philips oder Onlux sei damit ein grosses Marktgebiet sozusagen gesperrt. «Die werden sich ärgern», triumphiert Grabher und schmunzelt - die Retourkutsche eines einst Abgelehnten.

Was, wenn nun jemand zehn Millionen Franken für seine Erfindung bietet? «Da lachen wir und lehnen ab», so der Erfinder. Europa brauche jährlich 400 Millionen Lampen. Grabhers Verkaufsziel für erste Jahr liegt bei rund einer Million Stück. Es gehe ihm aber nicht hauptsächlich ums Geschäft, sondern auch darum, Energie zu sparen. «Würde nur schon jeder 500. Schweizer seine 60-Watt-Birnen mit einer 3D-LED-Bulb ersetzen, könnte man ein ganzes AKW abschalten», sagt Grabher.

2012 wird die Schweiz mit der 25-Watt-Birne auch dem letzten Vertreter der Generation Edisons den Garaus machen. Der Tüftler Grabher hat bereits Pläne für eine Alternative im Kopf und kritzelt für den Journalisten eine Birne auf einen Zettel. Ein rastloser Edison 2.0.

Preiserhöhungen

Seit Anfang September dürfen in der Schweiz und in der EU keine Glühbirnen über 40 Watt mehr verkauft werden. Exakt zu diesem Zeitpunkt hatten die Hersteller Philips und Osram die Preise ihrer Energiesparlampen um bis zu 25 Prozent erhöht. Die Produzenten begründeten die Preiserhöhung mit gestiegenen Kosten für Rohstoffe.

Die Tage der Glühbirne sind gezählt

Seit dem 1. September 2009 ist in der Schweiz der Verkauf von Glühbirnen mit 100 Watt oder mehr sowie Milchglasbirnen verboten. Ein Jahr später wurde die Restriktion auf die 75-Watt-Birne ausgeweitet und seit Anfang September 2011 sind auch Glühbirnen mit 60 Watt Leistung betroffen. In rund einem Jahr wird das 3-stufig eingeführte Verbot auch alle Glühbirnen mit kleineren Wattzahlen erfassen.

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