Smartphones im All: Android-Handys steuern Mini-Satelliten
Aktualisiert

Smartphones im AllAndroid-Handys steuern Mini-Satelliten

Googles mobiles Betriebssystem dringt weiter in den Weltraum vor. An Bord des letzten Space Shuttle waren zwei «Nexus S» - auf spezieller Mensch-Maschine-Mission.

von
Daniel Schurter

Diese Story handelt von einem kleinen grünen Männchen, das definitiv nicht vom Mars kommt. Die Rede ist vom Android-Maskottchen, das bislang vor allem auf der Erde für das Google-Betriebssystem geworben hat.

Neuerdings ist das grasgrüne Männchen vermehrt im All anzutreffen, wie die Android-Entwickler voller Stolz im Google-Firmenblog festhalten. Dafür verantwortlich ist die US-Weltraumbehörde NASA. Sie hat mit der letzten bemannten Space-Shuttle-Mission, die vom 8. bis 21. Juli dauerte, zwei Android-Smartphones in den Weltraum geschossen.

Die Geräte an Bord der Raumfähre Atlantis waren nicht dazu gedacht, dass die vier Astronauten bequem nach Hause telefonieren konnten. Vielmehr hatten die beiden von Samsung fabrizierten «Nexus S» eine spezielle Mission zu erfüllen. Mithilfe des Duos wollten die Forscher ausprobieren, wie Menschen und Roboter bei der Erforschung des Weltalls effizienter zusammenarbeiten können.

Satelliten «intelligenter» machen

Konkret wurden die Android-Smartphones zur Steuerung sogenannter SPHERES-Satelliten benutzt. Das sind kleine Roboter-Satelliten von der Grösse einer Bowlingkugel, die ursprünglich vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt wurden und während einer Raumfahrtsmission verschiedenste Aufgaben übernehmen sollen.

Letzter Space Shuttle-Start - Die Bilder

Ein NASA-Ingenieur erklärt: «Indem wir ein Smartphone mit den SPHERES verbinden, machen wir sie sofort intelligenter.» So erhalte jeder Mini-Satellit eine Kamera, um Bilder und Videos aufzunehmen sowie Sensoren, um Erkundungen vorzunehmen. Dazu komme eine kleine, aber leistungsfähige Rechnereinheit sowie eine WLAN-Verbindung. Unter dem Strich ergebe das einen günstigen Computer mit geringem Stromverbrauch.

Letzte Space Shuttle Landung der «Atlantis»

Warum keine iPhones?

Das Nexus S ist das erste kommerzielle Smartphone, das die NASA für Reisen ins Weltall zertifiziert und für den Einsatz in Raumstationen freigegeben hat. Apple-Fans dürften sich fragen, warum Android ausgewählt wurde und nicht das iPhone-Betriebssystem iOS?

Ein wichtiges Argument für die NASA-Ingenieure war offenbar die breite Verfügbarkeit. Android ist Open-Source-Software und kann entsprechend einfach an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Eine von Google-Ingenieuren entwickelte Spezial-App namens «Sensor Data Logger», die die Daten der Smartphone-Sensoren sammelt, ist kostenlos im Android Market verfügbar.

Entlastung für Astronauten

Insgesamt fünf SPHERES-Satelliten wurden gebaut. Drei davon sind seit 2006 an Bord der Internationalen Raumstation ISS stationiert. Die Roboter dienen als Testgeräte und wurden bislang in 25 Experimenten im All eingesetzt, wie die Verantwortlichen auf der NASA-Projektseite informieren. Dabei ging es hauptsächlich um automatisierte Kopplungsmanöver der Raumstation sowie die Wartung von Satelliten.

Neu können die NASA-Forscher die SPHERES-Satelliten auch von der Erde aus fernsteuern. So erhalten die Astronauten an Bord der ISS mehr Zeit für wissenschaftliche Experimente, da sie dank Android-Smartphones von Routineaufgaben entlastet werden.

«Android in Space»

Das Android-Männchen hat schon früher in Richtung Weltall abgehoben, wie die nachfolgenden YouTube-Filme zeigen. Im vergangenen Dezember ging es mit einem heliumgefüllten Wetterballon auf die Reise.

Und hier noch die «ganze Story»:

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