Aktualisiert 14.01.2019 15:33

Tränen inklusive

Andy Murrays sonderbarer und bewegender Abgang

Trotz Auftaktniederlage am Australian Open und Abschiedsvideo ist für den Schotten noch nicht Schluss.

von
Erik Hasselberg

Verschiedene Tennisspieler nehmen Abschied vom britischen Tennisprofi. (Video: Australian Open via Twitter)

Die ehemalige Nummer 1 der Tennisweltrangliste, Andy Murray, ist am Australian Open ausgeschieden, bevor das Turnier überhaupt so richtig begonnen hat. In einer Partie über mehr als vier Stunden blieb dem Schotten am Ende nur, seinem Widersacher Roberto Bautista Agut zum Sieg zu gratulieren. Murray hatte Kampfgeist bewiesen, lag 0:2 Sätze zurück und erzwang einen Entscheidungssatz. Doch je länger die Partie dauerte, desto ausgelaugter wirkte er.

Erschöpft, abgekämpft und sehr bewegt, trat er nach Ende der Partie zum Platzinterview an – eine Zeremonie, die normalerweise dem Sieger vorbehalten ist. Zuvor hatten sich die Zuschauer von den Sitzen erhoben und feierten den heroischen Kämpfer für seine Leistung mit einer Standing Ovation.

«Vielleicht werde ich euch wiedersehen.»

Vor wenigen Tagen hatte Murray unter Tränen in einer Pressekonferenz angekündigt, aufgrund chronischer Hüftschmerzen zurücktreten zu wollen. Es stand allenfalls die Frage im Raum, ob er am Australian Open zum letzten Mal den Court betreten würde. Im Vorfeld bejahte der Schotte diese Möglichkeit.

1 / 7
Der Spanier Roberto Bautista Agut streckt sich in den ersten beiden Sätzen erfolgreich.

Der Spanier Roberto Bautista Agut streckt sich in den ersten beiden Sätzen erfolgreich.

Keystone/Mast Ihram
Andy Murray hadert.

Andy Murray hadert.

Keystone/Julian Smith
Doch Murray beisst sich noch mal in die Partie und gewinnt die Sätze 3 und 4.

Doch Murray beisst sich noch mal in die Partie und gewinnt die Sätze 3 und 4.

Keystone/Julian Smith

Um so gespannter waren die Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, was Murray nach seiner Niederlage sagen würde. Mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen antwortete Andy Murray auf die Fragen seines früheren Coachs Mark Petchey. Am meisten bewegte ihn jedoch ein knapp dreiminütiges Video, das die Verantwortlichen in Down Under per Videobotschaft ins Stadion übertragen liessen.

Gefährtinnen und Gefährten drückten ihre Anteilnahme und ihren Dank aus. So bedauerte Rafael Nadal Murrays Entscheid, zurücktreten zu wollen, sehr. Roger Federer beglückwünschte Murray zu einer grossartigen Karriere, auf die er stolz sein könne, und sagte, «ich bin dein grösster Fan.» Caroline Wozniacki, Novak Djokovic, Marin Cilic – sie alle dankten Andy Murray für seine einzigartige Freundschaft und wünschten ihm für die Zukunft alles Gute.

Eine Zukunft, die noch in den Sternen steht. Auch wenn die Veranstalter ihm auf diesem Weg sehr herzerwärmend ihren Respekt zollten und seine Freunde zu Wort kommen liessen, ward man den Eindruck nicht los, dass hier schon der Rücktritt des Briten zelebriert wurde. Diesen gab Andy Murray jedoch explizit nicht auf dem Platz. Und so besteht durchaus die Hoffnung und Möglichkeit auf eine Rückkehr. Denn wie formulierte es Andy Murray: «Vielleicht werde ich euch wiedersehen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.