Anflugregime auf Zürich Kloten bleibt umstritten
Aktualisiert

Anflugregime auf Zürich Kloten bleibt umstritten

Das An- und Abflugregime für den Flughafen Zürich bleibt umstritten. Eine klare Mehrheit der betroffenen Kantone spricht sich aber gegen Pistenverlängerungen und dafür aus, die Option für eine Parallelpiste offenzuhalten.

Dies ergab das dritte Koordinationsgespräch zum Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt . Daran nahmen am Donnerstag in Bern der Flughafen, der Standortkanton Zürich sowie die Kantone Aargau und Schaffhausen teil. Danach wurden auch Vertreter der andern Nachbarkantone Schwyz, Zug, Thurgau und St. Gallen begrüsst.

Drei optimierte Varianten

Unter ursprünglich 19 technisch möglichen Betriebsvarianten hatte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) für diese politische Diskussion Anfang Februar drei ausgewählt. Die ersten beiden Varianten basieren auf dem heutigen Pistensystem, die dritte setzt eine Pistenverlängerung voraus.

Die Variante «E optimiert» hält sich nicht an die von Deutschland verordneten Sperrzeiten. Zwischen 6 und 21 Uhr soll der Flughafen von Norden angeflogen werden, ab 21 Uhr von Osten. Die Variante «E DVO» berücksichtigt die Sperrzeiten. Von 6 bis 7 Uhr ist dabei der gekröpfte Nordanflug (mit einem Präzisionsverfahren) eine «mögliche Option».

Die dritte Variante «J optimiert» enthält eine Kombination von Nord- und Ostbetrieb auf verlängerten Pisten. Sie ist mit der deutschen Verordnung nicht kompatibel. Vor einer Pistenverlängerung müsste mit Berlin eine neue Vereinbarung ausgehandelt werden.

Der Aargau stellt sich quer

Laut BAZL-Direktor Raymond Cron stellte sich am Koordinationsgespräch trotz Differenzen im Detail eine klare Mehrheit der Kantone hinter eine Variante, die das bestehende Pistensystem nutzt. Ja zur Variante «E optimiert» sagen Zürich, Schwyz und Zug. Aargau und Schaffhausen opponieren, Thurgau und St. Gallen äussern sich nicht.

Strikt gegen die Variante «E DVO» ist einzig der Kanton Aargau. Sein Widerstand richtet sich insbesondere gegen die Möglichkeit des gekröpften Nordanflugs, der zu wenig sicher sei und überdies die Kapazität und Stabilität des Flugbetriebs verringere.

Für die dritte optimierte Variante mit verlängerten Pisten können sich nur die Kantone Zürich, Schwyz und Zug erwärmen. Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen sind dagegen, der Aargau hat auch hier Vorbehalte. Die im Übrigen sind die Kantone durchwegs der Ansicht, das Optimierungspotenzial sei noch nicht ausgeschöpft.

Später eine Parallelpiste?

Zur Diskussion stellte das BAZL auch die Expertenempfehlung, raumplanerisch den späteren Bau einer Parallelpiste zu sichern. Mit einer Ausnahme sind alle Kantone damit einverstanden: Zürich warnt laut Regierungspräsidentin Rita Fuhrer vor der Beeinträchtigung des Moorschutzes und einem massiven Eingriff in einen bereits dicht genutzten Raum.

Die langfristige Option eines Parallelpistensystems wahren möchte insbesondere die Flughafenbetreiberin Unique. Bereits in rund zehn Jahren werde der Flughafen seine Kapzitätsgrenze erreicht haben, sagte CEO Thomas Kern. «Auch kommende Generationen müssen ihre Mobilitätsbedürfnisse befriedigen können.»

Bundesrat entscheidet 2010

Bis im Frühsommer wird der Bund nach Rücksprache mit der Unique und dem Kanton Zürich entscheiden, welche Betriebsvarianten als Grundlage für das SIL-Objektblatt zum Flughafen Zürich dienen sollen. 2009 geht das Objektblatt zusammen mit den angepassten Richtplänen der Kantone Zürich, Aargau und Schaffhausen in die öffentliche Mitwirkung.

Im Laufe des Jahres 2010 wird der Bundesrat über den Sachplan und die darauf abgestimmten Richtpläne entscheiden. Damit wären dann die Grundlagen für das definitive Betriebsreglement des Flughafens Zürich geschaffen. (sda)

Die deutsche Verordnung

Das Anflugregime auf Zürich-Kloten wurde 2003 auf den Kopf gestellt, als Deutschland nach dem Nein der Räte zu einem Fluglärmabkommen die Nordanflüge einseitig einschränkte. In den frühen Morgenstunden und am Abend dürfen heute An- und Abflüge nicht mehr über süddeutsches Gebiet führen.

Ausnahmen werden nur gemacht, wenn das Wetter Südanflüge verunmöglicht. Gegen das geltende Anflugregime setzten sich alle betroffenen Regionen rund um den Flughafen Zürich heftig zur Wehr. Weil 2004 eine Fluglärm-Mediation scheiterte, wurde der nun laufende SIL-Prozess nötig. (sda)

Deine Meinung