Post auf Facebook: Angeblicher Gast disst Kronenhalle aufs Übelste
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Post auf FacebookAngeblicher Gast disst Kronenhalle aufs Übelste

Eineinhalb Stunden auf Speisekarte gewartet, ein Tischnachbar, der sich erbricht, und Sex-Gestöhne auf dem WC: Ein angeblicher Gast zieht über die Kronenhalle her.

von
rom
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Mit diesem Post machte ein angeblicher Kronenhalle-Gast seinem Ärger auf Facebook Luft.

Mit diesem Post machte ein angeblicher Kronenhalle-Gast seinem Ärger auf Facebook Luft.

Screenshot Facebook
Warum der angebliche Gast auf diese Weise über die Kronenhalle herzieht, kann sich Sprecher Walter Lutz nicht erklären: «Wir kennen diese Person nicht, es gab am Samstag auch keine Reservation auf diesen Namen.»

Warum der angebliche Gast auf diese Weise über die Kronenhalle herzieht, kann sich Sprecher Walter Lutz nicht erklären: «Wir kennen diese Person nicht, es gab am Samstag auch keine Reservation auf diesen Namen.»

Keystone/Christian Beutler

«Ich war seit langem wieder mal in der Kronenhalle und wurde enttäuscht.» So beginnt der Post eines angeblichen Kronenhalle-Gastes auf Facebook. Er habe 35 Minuten auf einen Tisch und gar anderthalb Stunden auf die Speisekarte warten müssen. «Ok, war Samstag und voll.» Dann aber ist es vorbei mit dem verständnisvollen Ton.

«Die Champignon-Crème roch stark nach Fenkel», schreibt der Mann weiter. «Der Höhepunkt war, als unser Tischnachbar sich übergab, nicht auf der Toilette, sondern über den Tisch und auf den Boden.» Auch das Kaninchen-Ragout sei versalzen gewesen. Und auf der Toilette habe er ein «kopulierendes Paar» gehört. «Die Kronenhalle scheint am Ende.» Der Post schliesst damit, dass die Rechnung für drei Personen «stolze 693 Franken» betragen habe.

Essen stand nicht auf Speisekarte

«Dann hat er aber einen teuren Wein bestellt», sagt Walter Lutz, Sprecher der Kronenhalle und schmunzelt ein wenig. «Wobei nicht einmal der Rechnungsbetrag im Post der Realität nahe kommt.» Die Direktion sei über den Post im Bilde und habe mitgelesen. «Wenn sich das alles so zugetragen hat, dann bestimmt nicht in unserem Lokal», sagt Lutz.

Dass jemand so lange auf einen Tisch oder die Speisekarte warten müsse, sei ausgeschlossen. «Wenn etwa nach der Oper viele Gäste aufs Mal kommen, kann es mal eine Viertelstunde dauern, aber mehr nicht.» Doch damit nicht genug: Laut Lutz stehen weder eine Champignon-Crème noch ein Kaninchen-Ragout auf der Speisekarte: «Und ich wüsste nicht, wann sich jemals jemand im Restaurant übergeben hat, vom Toiletten-Sex ganz zu schweigen.»

Kronenhalle könnte Strafantrag stellen

Warum der angebliche Gast auf diese Weise über die Kronenhalle herzieht, kann sich Lutz nicht erklären: «Wir kennen diese Person nicht, es gab am Samstag auch keine Reservation auf diesen Namen.» Es kann vorkommen, dass ein Gast unzufrieden ist, aber solche Anschuldigungen sind absurd. Lutz: «Da es mir eher wie ‹Versteckte Kamera› vorkommt, sehen wir auch keinen Handlungsbedarf.»

Dabei wäre der in diesem Fall durchaus gegeben: «Die Kronenhalle könnte Strafantrag stellen wegen unlauterem Wettbewerb», sagt der auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwalt Martin Steiger. Denn die Äusserungen seien unrichtig und herabsetzend. Dem Postenden würde eine Geldstrafe drohen. «Auch wenn Äusserungen wahr, aber unnötig verletzend sind, kann man rechtlich dagegen vorgehen.»

Facebook-Post gelöscht

Die Löschung des Posts könne man ebenfalls beantragen. «Bloss sind die Aussichten auf Erfolg bei Facebook nicht immer rosig», so Steiger, «wie soll der Konzern beurteilen können, ob die Äusserungen richtig oder falsch sind?» Abgesehen davon sei es oft schwierig, überhaupt die Urheber zu identifizieren – sie können sich hinter Pseudonymen verstecken. Und Steiger gibt zu bedenken: «Auch wer einen solchen Post unbedacht teilt oder kommentiert, muss wegen allfälliger Konsequenzen aufpassen.»

Der Post wurde tatsächlich fleissig geteilt und kommentiert. Allerdings kaum nach dem Gusto des angeblichen Gastes. Die meisten zweifelten am Inhalt. Von «Märchen» war die Rede. Einer schrieb: «Poste doch mal die Rechnung, um die ‹Star Wars›-Saga zu untermauern.» Dieser Aufforderung kam der Mann nicht nach – im Gegenteil, nach gut zwölf Stunden hatte er den Post gelöscht. Eine Anfrage von 20 Minuten blieb unbeantwortet.

Laut Tagesanzeiger.ch handelt sich beim Verfasser um einen nach Kolumbien ausgewanderten Schweizer, der gerne als Troll auftritt. Will heissen: Der gerne Unwahrheiten via Web verbreitet.

«Miese Sache»

Gar kein Verständnis für solche Posts hat Ernst Bachmann, Präsident von Gastro Zürich: «Früher sagte man dem Chef noch persönlich, wenn einem etwas nicht passt, heute macht man es leider anonym via Social Media. «Oder dann gibt es zunehmend Gäste, die zwar im Restaurant alles loben, aber hernach sich per Mail doch noch beschweren.» Er räumt aber ein, dass auf Plattformen wie Trip Advisor auch viel gelobt werde.

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