Angehende Ärzte brauchen reiche Väter
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Angehende Ärzte brauchen reiche Väter

Wer zeitintensive Fachrichtungen wie Medizin oder Pharmazie studiert, kommt meist aus einer hohen sozialen Schicht, da kaum Zeit bleibt, neben dem Studium zu arbeiten. Dies ergab eine Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) bei 20 000 Studierenden.

Die soziale Lage der Studierenden in der Schweiz wird laut BFS stark vom Studienaufbau und vom persönlichen Umfeld beeinflusst. An Fachhochschulen fällt die zeitliche Belastung im Schnitt höher aus als an Universitäten. In Fächern, die kaum Erwerbstätigkeit erlauben, sind hohe Schichten besonders stark vertreten.

An den Hochschulen der Schweiz zeigten sich kontrastreiche Studien- und Lebensbedingungen, schrieb das Bundesamt für Statistik (BFS) am Freitag zur Publikation «Lebens- und Studienbedingungen an den Schweizer Hochschulen». Studienanfänger an den Fachhochschulen (FH) seien im Schnitt mit 24,2 Jahren gut drei Jahre älter als ihre Kolleginnen und Kollegen an der Universität. Über die Hälfte der FH-Studierenden hat bereits eine Berufs- oder höhere Ausbildung absolviert.

Die durchschnittliche zeitliche Belastung sei an den FH mit 41 gegenüber 36 Stunden an der Uni ebenfalls höher. Nur im FH-Fachbereich «Soziale Arbeit» sei die Belastung mit maximal 35 Wochenstunden tiefer als an den Universitäten.

FH-Studierende stammen laut BFS mit 22 Prozent weniger häufig aus den hohen sozialen Schichten als Uni-Studierende mit 31 Prozent. Den höchsten Anteil an Lernwilligen aus hohen Schichten weisen die künstlerischen FH-Fachbereiche wie Design oder Musik auf sowie Wirtschaft und Dienstleistungen. Bei gewissen kreativen Bereichen beträgt die wöchentliche Studienbelastung auch über 45 Stunden.

Auch an der Universität sind Studierende aus hohen sozialen Schichten in jenen Fächern insbesondere vertreten, wo die finanzielle Unterstützung seitens der Familie auf Grund des Studienplans am grössten ist, etwa bei der Medizin und der Pharmazie sowie bei den technischen Wissenschaften. Diese Studierenden leisten im Schnitt 47 Wochenstunden. 68 respektive 71 Prozent von ihnen sind zwar erwerbstätig, doch meist nur in kleinen Pensen.

Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften leisten wie auch jene der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften maximal 35 Wochenstunden. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften arbeiten 85 Prozent studienbegleitend. Der Anteil der eigenen Erwerbstätigkeit am Budget der Uni-Studierenden reiche je nach Fachgebiet von durchschnittlich 24 Prozent bis zu 44 Prozent.

Die Erhebung wurde im Frühling 2005 mit 20.000 Studierenden durchgeführt, im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung und Forschung sowie des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie.

Stipendien ausbauen und harmonisieren

Diese Zahlen belegten, dass die Chancengleichheit für die Aufnahme eines Hochschulstudiums nicht gegeben seien, teilte dazu der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) mit.

Viele Studierende müssten ein Darlehen aufnehmen, um ihr Studium zu finanzieren. Je älter der Studierende, desto höher sei die Verschuldung. Der VSS unterstrich damit seine Forderung nach einem Ausbau und einer Harmonisierung des Stipendienwesens. (dapd)

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