Aktualisiert 20.02.2020 18:01

Attentat in Hessen

Tobias R. tötete zweifache Mutter Mercedes (35)

Tobias R. tötete zehn Menschen im hessischen Hanau – darunter seine Mutter. Nun werden die Identitäten der Opfer langsam bekannt.

von
qll

Bei einer Schiesserei im hessischen Hanau starben elf Menschen: Der mutmassliche Täter wurde leblos in seiner Wohnung gefunden. Video AP

Gemäss dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist eines der Todesopfer eine junge Romni, die als deutsche Staatsbürgerin mit polnischen Wurzeln Angehörige der nationalen Minderheit war. «Der Zentralrat und alle Sinti und Roma in Deutschland trauern mit den Angehörigen um die ermordete junge Frau, die Mutter von zwei Kindern. Wir trauern um sie und um alle Opfer dieses rechtsterroristischen Anschlags», so der Vorsitzende Romani Rose.

Bei der Frau soll es sich um Mercedes K.* (35) handeln, wie Freundin Jade M.* (21) zu 20 Minuten sagt. «Ich habe von Verwandten und Freunden erfahren, dass sie durch einen Brustschuss getötet worden ist. Ich wollte es nicht glauben. Doch dann habe ich Videos ihrer Familie gesehen, wie sie alle weinen und schreien.» Die Freundin verurteilt die Tat: «Wie kann es nach dem Holocaust weiterhin so etwas Unmenschliches geben?»

Die Freundin beschreibt Mercedes als eine Frau mit einer starken Persönlichkeit. «Sie war auch sehr offen und sympathisch. Man hat sich in ihrer Nähe sofort wohlgefühlt.»

«Er wurde von zwei Schüssen getroffen»

Unter den Opfern aus Hanau ist Ferhat Ü.* Der 22-Jährige ist der Sohn einer Mitarbeiterin der kurdischen Tageszeitung «Yeni Özgür Politika» in Neu-Isenburg bei Frankfurt, wie die Tageszeitung auf Twitter schreibt. Seine Cousine sagt zu 20 Minuten: «Er wurde von zwei Schüssen getroffen.» Sein Leichnam sei am Donnerstag freigegeben worden. Die Beerdigung finde noch am gleichen Tag statt. «Er war ein toller, lieber Kerl, konnte keiner Menschenseele etwas antun.» Ü. habe vor kurzem seine Ausbildung zum Heizungssanitär beendet.

Türkischer Kellner getötet

Ein weiteres Opfer ist Gökhan G*. Dies schreibt der Verein AYDD e. V. aus Hanau auf Facebook. Unter dem Post sprechen über 190 Personen ihr Beileid aus. Er fiel dem Täter zum Opfer, als dieser in einer Imbissbude auf die Gäste und das Personal schoss. Der Besitzer der Imbissbude, Kemal Kocak, berichtete der türkischen Zeitung «Hürriyet», dass Tobias R.* zunächst auf drei türkischstämmige Gäste gefeuert habe. Diese seien gerade am Essen gewesen. Danach habe er sich an den Kellner Gökhan G. gewendet.

Auch Gökhan G. ist ein Opfer von Tobias R.

«Sedat war ein geliebter Bruder»

Auch der Besitzer der «Midnight»-Shishabar, Sedat G.*, ist unter den Toten. Er war in Dietzenbach, der Kreisstadt des Landkreises Offenbach, wohnhaft, wie Navid S. (26), ein sehr guter Freund von Sedat, zu 20 Minuten sagt: «Sedat war ein geliebter Bruder. Er hat immer gelacht, konnte keiner Fliege etwas zuleide tun.» Als er von dem Angriff auf die Shisha-Bar erfahren habe, habe er geahnt, dass Sedat unter den Todesopfern ist: «Er war immer um diese Zeit da.»

S. sei wütend und könne nicht verstehen, warum es «Rassen-Angriffe» gebe: «Was kann die Religion, die Herkunft oder die Hautfarbe schon aussagen, dass man so eine Tat begeht?»

Sedat C. war der Besitzer der «Midnight»-Shishabar. Auch er ist unter den Todesopfern.

Rechtsextremistischer Hintergrund

Die Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland prangert Versäumnisse des Staates im Kampf gegen rechte Gewalt an. «Wütend sind wir, weil die politischen Verantwortlichen in diesem Land sich rechten Netzwerken und Rechtsterrorismus in diesem Land nicht entschieden entgegenstellen», betont der Dachverband. Mehrere Opfer von Hanau sollen kurdischer Abstammung sein.

Der hessische Innenminister Peter Beuth bestätigt einen mutmasslichen rechtsextremen Hintergrund der Tat. «Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben», sagt der CDU-Politiker.

* Namen der Redaktion bekannt

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