Aktualisiert 05.05.2015 17:16

Gasexplosion-ProzessAngeklagter versteckte sich fünf Tage im Wald

Der Mann, der letzte Woche vor einer Verhandlung vor dem Strafgericht in Muttenz geflüchtet ist, hat sich den Behörden gestellt. Er hatte sich in einem Wald versteckt.

von
jd
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Das Ausmass der Explosion vom 14. April im Längi-Quartier in Pratteln BL wird erst vom Garten her richtig sichtbar.

Das Ausmass der Explosion vom 14. April im Längi-Quartier in Pratteln BL wird erst vom Garten her richtig sichtbar.

Die Unfallstelle.

Die Unfallstelle.

Kleidungsstücke, Matratzen, Haushaltsgeräte: Alles unter den Trümmern begraben.

Kleidungsstücke, Matratzen, Haushaltsgeräte: Alles unter den Trümmern begraben.

Der Angeklagte, der vor dem Strafgericht in Muttenz hätte erscheinen müssen und daraufhin am 26. April verschwunden war, ist wieder aufgetaucht. Der 55-Jährige hatte sich einen Tag vor dem Verhandlungsbeginn in einen Wald «ausserhalb des Kantons» zurückgezogen, wie Richter Adrian Jent vom Strafgericht Basel-Land am Dienstag mitteilte.

Der Angeklagte hatte am Freitag, dem 13. April 2012 in einem Pratteler Wohnhaus absichtlich Gas ausströmen lassen, das schliesslich am Samstag die Explosion verursachte. Dabei wurden acht Personen verletzt, es entstand Sachschaden von 3,4 Millionen Franken. Das Haus musste teilweise abgerissen werden.

Da der Mann nicht zum Prozesstermin erschienen war, konnte die Verhandlung nicht wie geplant durchgeführt werden und wurde vertagt. Am 30. April habe sich der Mann nach fünf Tagen Aufenthalt im Wald in Begleitung seines Anwalts den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Basel-Landschaft gestellt.

«Er hat realisiert, dass es ein Mist war, nicht an die Verhandlung zu gehen», sagt sein Anwalt Niklaus Ruckstuhl. Die Angst habe ihn in den Wald getrieben, wo er unter freiem Himmel geschlafen habe. Nun befindet sich der gebürtige Österreicher in Sicherheitshaft. Damit soll garantiert werden, dass die zweite angesetzte Verhandlung am 10. und 11. August stattfinden kann. Dem Angeklagten gehe es so weit gut, sagte Jent auf Anfrage.

Motiv unklar

In der Anwohnerschaft verfolgt man die Geschehnisse um den Prozess genau. Eine ehemalige Nachbarin wundert sich, dass der Angeklagte untergetaucht ist. Er sei auch als Nachbar stets freundlich und zuvorkommend gewesen.

«Allerdings wurde ihm einige Male der Strom abgestellt, da er seine Rechnungen nicht begleichen konnte», so die Frau, die Geldsorgen als Tatmotiv nicht ausschliesst. Die Schäden an den umliegenden Gebäuden sind behoben. «Groll hegt heute kaum mehr jemand gegen ihn», sagt ein anderer Anwohner, «aber nachvollziehen kann ich seine Tat bis heute nicht.»

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